Tilman Köhlers Inszenierung zeigt keinen Streit zwischen guten Spießern und bösen Faschisten. Ein Freund-Feind-Eindeutigkeits-Spiel gibt es bei ihm nicht. Zehn hochbegabte junge Darsteller, allesamt noch Studenten im Schauspielstudio Dresden der Leipziger Hochschule, spielen sowohl die Republikaner wie die Faschisten und wechseln zwischen den Rollen hin und her ... Die pausenlose, zweistündige Inszenierung strahlt eine ungeheure Energie aus, und ihre zehn fulminanten Darsteller, obwohl noch Schauspielschüler, begeistern mit beeindruckend intensiven und differenziertem Spiel. Tilman Köhlers Dresdner Inszenierung von Horváths ,Italienischer Nacht‘ besitzt hohen Unterhaltungs- und Aufklärungswert und beweist sich als modernes politisches Theater auf hohem schauspielerischen Niveau. Ein Glücksfall! Deutschlandfunk, 13.03.2010, Hartmut Krug
Eine saftige, bisweilen zischende Politfarce – zehn bestens aufspielende Studenten aus dem Schauspielstudio Dresden der Leipziger Hochschule für Musik und Theater zeigen einen wachen und vitalen Abend. Dass die Regie mit ihrer Tonlage und ihren Setzungen richtig liegt, merkt man immer wieder daran, dass die Studenten (Tilmann Köhler leitet das Dresdner Schauspielstudio zusammen mit dem Dramaturgen Jens Groß) keine Mühe haben, sich die Bühne zu erspielen. Da wackelt kein Satz, da stimmen Gesten und Körpersprache, da stehen Figuren. Mit Schmackes, Witz und Mut zur Karikatur geht es mitten hinein in die menschlich-politische Malaise der Abwiegler und Phrasendrescher, der Opportunisten und Schürzenjäger, der Nichtwisser und Schwarzseher. Am Ende: Viel Beifall und Begeisterung für alle. nachtkritik.de, 12.03.2010, Ralph Gambihler
Es ist das Glück, nichts wissen zu wollen, in das sich die Kleinbürgerhorde flüchten möchte. Nur in dieser Sackgasse des Geistes kann sie ihr Leben unverändert führen. Dieses Glück der Ignoranten ist freilich trügerisch. Das gilt für alle Orte dieser Welt. Zwei Stunden Theater haben das gezeigt. Der lange Premierenbeifall im Kleinen Haus hallte noch eine Weile nach. Dresdner Neuste Nachrichten, 15.03.2010, Torsten Klaus
Hausregisseur Tilmann Köhler und den beeindruckend agierenden Studenten vom Schauspielstudio ist eine lebendige, ideenreiche, auch komische, aber politisch sehr wache Inszenierung geglückt. Sächsische Zeitung, 15.03.2010, Valeria Heintges
In einer Szenerie aus gestapelten Biertischen (Bühne: Karoly Risz) gibt Köhler seinen jungen Schauspielern die Möglichkeit, sich in überspitzten und lebensprallen Rollen zu behaupten, und sie tun das ohne Ausnahme gut. Das ist herzhaftes, effektvolles Theater. Dresdner Morgenpost, 15.03.2010
Köhler vertraut Horváths „Volksstück in sieben Bildern“ bis in die Regieanweisungen, die per Megaphon ausgerufen werden und verzichtet auf jedwede Aktualisierung. ... Die Darsteller, zum Teil in mehreren Rollen, legen ein hohes Tempound viel Witz an den Tag und werden von Köhler in griffigen, einfallsreichen Choreographien - ganz im Sinne des Autors - sehr stilisiert geführt. ... Kein Grund zur Sorge, sagt der ignorante Stadtrat am Schluss. Kein Grund zur Sicherheit, stellt dagegen die kurzweilige, geschliffene Inszenierung von Tilmann Köhler mit dem herzerfrischenden, entschlossen aufspielenden Nachwuchsensemble fest - und hat damit, wenngleich heiter und schmuck, leider recht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010, Irene Bazinger