Ágota Kristóf

Autorin
wurde 1935 in dem ungarischen Dorf Csikvánd geboren, der Vater ein Lehrer, zeitweise politisch verfolgt und inhaftiert. Sie wuchs bei einem ihrer Brüder auf, kam mit 14 Jahren ins Internat, machte Abitur und schrieb erste Gedichte und Bühnenstücke. Nach dem antisowjetischen Ungarn-Aufstand von 1956 flüchtete die 21-Jährige mit ihrem ebenfalls oppositionellen Ehemann, der ihr ehemaliger Geschichtslehrer und der Vater ihrer damals vier Monate alten Tochter Zsuzs war, in die Schweiz. Kristóf fand Arbeit in einer Uhrenfabrik in der Nähe des Städtchens Neuchâtel. Die ersten literarischen Arbeiten in der Fremde blieben poetische Versuche, die Kristóf später als „sentimentale Gedichte“ abtat, verfasst in ihrer Muttersprache, veröffentlicht in einer Zeitschrift für Exilliteratur. In den Siebzigern jedoch begann sie auf Französisch zu schreiben, in der „Feindessprache“, die sie sich mühsam hatte aneignen müssen; ab 1962 studierte sie Französisch. Ihren Ehemann hatte sie nach fünf Jahren im Exil verlassen, ein zweiter Ehemann und zwei weitere Kinder folgten.

Der Krieg, die Flucht und ihre Folgen waren ihr Lebensthema; die Entwurzelung, die Einsamkeit, die Grausamkeit, den Hass, den Verrat und die Gewalt, die erleiden musste, wer blieb – und die im Gepäck mitnahm, wer ging. Auf DAS GROSSE HEFT folgten mit DER BEWEIS und DIE DRITTE LÜGE zwei weitere Bände als Abschluss einer Trilogie, dann Theaterstücke, eine Autobiographie, Novellen. Kristófs Werke sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden und sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. 2001 mit dem Gottfried-Keller-Preis und 2008 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Sie lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2011 in Neuchâtel.


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