Friedrich Schiller

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Friedrich Schiller wird 1759 in Marbach am Neckar als Sohn eines Wundarztes und aufstrebenden Militärs geboren. Der erste Lateinunterricht beim Dorfpfarrer weckt im jungen Schiller den von den Eltern unterstützten Wunsch, selber Pfarrer zu werden. Statt jedoch ein Theologiestudium beginnen zu können, wird Schiller mit 14 Jahren vom Herzog auf die Militärakademie Karlsschule beordert, wo er zunächst Jura studiert. Die Zwänge und die strenge Disziplin des Schulalltags lösen in Schiller heftige Widerstände aus, und er gründet einen kleinen, verschworenen Freundeskreis, in dem sich die Jungen heimlich mit Lessing, Klopstock und der Sturm-und-Drang-Dramatik beschäftigen. Während dieser Zeit entstehen Schillers erste eigene dramatische Versuche. 1775 beschließt er, das juristische Studium gegen ein medizinisches zu vertauschen. Zeitgleich beginnt Schiller, sich eingehender mit Literatur und Philosophie zu beschäftigen. Er veröffentlicht erstmals eigene Gedichte. 1779 reicht Schiller zum Abschluss des Medizinstudiums seine Dissertation „Philosophie der Physiologie“ ein, die jedoch vor der Prüfungskommission nicht bestehen kann. Nach der zweiten erfolglosen Schrift „De discrimine febrium“, in der es um den Unterschied zwischen „entzündlichen und fauligen Fiebern“ geht, legt Schiller erneut eine Überarbeitung des ersten Themas unter dem Titel „Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen“ vor und besteht diesmal. Bereits an der beharrlichen Wahl dieses Themas ist zu erkennen, dass Schiller wenig Interesse an den klassischen Forschungs- und Arbeitsgebieten der Medizin aufbringt, sondern vor allem die Auseinandersetzung mit der Natur des Menschen sucht. Die Verbindung zwischen Körper und Geist war zwar seinerzeit ein vieldiskutierter Gegenstand der Medizin, wird bei Schiller jedoch zu einer pathetischen Inszenierung des Gedankens gesteigert, deren Tonfall an das Erhabene rührt und bei den Prüfern die notwendige empirische Genauigkeit vermissen lässt. In dem einzigen erhaltenen Kapitel seiner ersten Dissertation, das „Philosophie der Liebe“ heißt, beschwört er die Liebe als Abwehrzauber gegen die nihilistischen Kräfte des bloßen naturwissenschaftlichen Materialismus. Sie dient ihm als Bindeglied zwischen Körper und Geist, Trieb und Tugend, tierischer Natur und Metaphysik. Diese Liebesphilosophie, die dezisionistische und geradezu autosuggestive Züge trägt, bestimmt bis weit in die 1780er Jahre hinein Schillers Weltanschauung. Vielfach verwendet er dabei das Leitmotiv von der „großen Kette der empfindenden Wesen“, eine Metapher für den allseitigen Zusammenhang der Natur. Dieses Bild ist ihm vor allem Ziel einer angestrebten Selbstvervollkommnung. Die große Kette impliziert eine Welt, in der die Vielfalt und Unterschiede nicht als unüberwindlich und als Bedrohung verstanden, sondern als Reichtum und Fülle erlebt werden. 1780 wird Schiller Militärarzt in Stuttgart. Während der kommenden zwei Jahre entstehen DIE RÄUBER und werden mit großem Erfolg in Mannheim uraufgeführt. Schiller kommt mit den dortigen Theater­schaffenden in Kontakt und beginnt die Arbeit an weiteren Stücken, u. a. schreibt er erste Entwürfe zu KABALE UND LIEBE, DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESCO ZU GENUA und DON CARLOS. Die gegenüber dem Militärberuf deutlich favorisierte Beschäftigung mit der Literatur und die regelmäßigen, oft ungenehmigten Besuche am Theater in Mannheim bringen ihn immer wieder mit seinen Vorgesetzten in Schwierigkeiten, so dass er im September 1782 schließlich von seinem Regiment flieht. Nach einem Unterschlupf in Bauerbach bei Charlotte von Wolzogen, die den Autor der „Räuber“ unterstützt und fördert, wird Schiller 1783 als Theaterdichter nach Mannheim engagiert. Dort hält er in der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft eine Antrittsrede unter dem Titel: „Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?“. In dieser Rede beschreibt er seine Auffassung der Wirkungsmöglichkeiten von Theater sowohl auf ästhetischer wie auch auf moralischer und politischer Ebene. Die Bühne könne durch die Vorführung menschlicher Tugenden, Torheiten, Leiden und Laster den Menschen erziehen und belehren, „sein Herz gegen Schwächen“ schützen und ihn „mit einem herrlichen Zuwachs an Mut und Erfahrung“, „Menschlichkeit und Duldung“ belohnen. 1784 erscheint zunächst der „Fiesco“ mit wenig Erfolg und kurz darauf „Kabale und Liebe“, das ihm erneut große Aufmerksamkeit beschert. Kurz darauf erhält Schiller, der trotz des Bühnenerfolges seines jüngsten Werkes finanziell nicht sonderlich gut gestellt ist, Briefe, Geschenke und Porträts eines ihn verehrenden sächsischen Freundeskreises. Kopf dieses Zirkels ist der Leipziger Schriftsteller und Jurist Christian Gottfried Körner, zu dem Schiller bald eine lebens­lange, innige Freundschaft entwickelt. Noch zum Ende des Jahres 1785 zieht Schiller, dessen Vertrag am Mannheimer Theater nicht verlängert wird, zu Körner – zunächst nach Gohlis bei Leipzig, später nach Dresden – und schreibt dort für den neuen Freund im euphorischen Überschwang die Ode „An die Freude“. Die freundschaftliche Verbundenheit und insbesondere Schillers zuweilen rauschhaft-schwelgerische Hingabe an die gegenseitige Freundschaft, wie sie auch in der Ode zu finden ist, spiegelt sich in einem regen Briefwechsel der beiden Freunde wider, den sie bis zu Schillers Lebensende aufrecht erhalten. 1787 veröffentlicht Schiller den „Don Carlos“. In diesem Jahr lernt er die beiden Schwestern Charlotte und Karoline Lengenfeld kennen, zu denen er eine intensive Zuneigung entwickelt. Nach einigen Reisen und etlichen Besuchen bei den Lengenfelds sowie einer ersten Begegnung mit Goethe in Weimar wird Schiller im Dezember 1788 an die Universität zu Jena berufen. 1790 heiratet er Charlotte von Lengenfeld. Nach anfänglichen Erfolgen am Jenaer Lehrstuhl erkrankt Schiller jedoch schwer und wird daraufhin 1791 beurlaubt. 1793 gebiert Charlotte den ersten gemeinsamen Sohn. Im Jahr darauf intensiviert sich die Freundschaft zu Goethe, dem Schiller längere Besuche in Weimar abstattet. 1794 beginnt er in Reaktion auf das Scheitern der Französischen Revolution mit der Niederschrift der Briefe „Über die ästhetische Erziehung der Menschen“, die zunächst vor allem ein Protest gegen das Zwangsdiktat der Vernunft der Aufklärung sind. Schiller widerspricht in diesen Texten der Auffassung Kants, dass „Schönheit“ und „Geschmack“ der Subjektivität ­unter­lägen und konsolidiert seine Überzeugung, dass eine Verbesserung der politischen Verhältnisse nur von der „Veredelung des Charakters“ ausgehen könne. Als Werkzeug dafür begreift er „die schöne Kunst“. Im ästhetischen Spiel sieht er Affektionalität und Rationalität miteinander vereint, triebbefriedigende „Glückseligkeit“ und moralische „Vollkommenheit“ wür­den zugleich erreicht werden können. In den folgenden Jahren betätigt sich Schiller vor allem als Verleger und Autor seines Monatsmagazins „Die Horen“, dem späteren „Musenalmanach“, für das er einige der berühmtesten Schriftsteller und Philosophen seiner Zeit gewinnen kann. Zudem verfasst er in den Jahren 1797/1798 eine Vielzahl von Balladen, darunter auch die BÜRGSCHAFT. 1799 wird seine Tochter geboren, und die Familie zieht im selben Jahr nach Weimar, wo ihm drei Jahre später das Adelsdiplom verliehen wird. In den folgenden Jahren entstehen u. a. WALLENSTEIN, MARIA STUART, IE JUNGFRAU VON ORLEANS und WILHELM TELL. 1804 kommt seine zweite Tochter zur Welt. Schiller selbst erkrankt in dieser Zeit immer häufiger. Am 9. Mai 1805 verstirbt Schiller schließlich in Weimar.


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