Harry Mulisch
Harry Kurt Victor Mulisch wurde am 29. 7. 1927 im niederländischen Haarlem geboren, als einziges Kind der Antwerpener Jüdin Alice Schwarz und dem aus dem ehemaligen Österreich-Ungarn stammenden Karl Victor Mulisch. Harry Mulisch wuchs zweisprachig auf (deutsch und niederländisch), in der Familie wurde jedoch fast ausschließlich deutsch gesprochen.
Als Mulisch neun Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Seine Mutter zog nach Amsterdam, Harry blieb bei seinem Vater. Dieser schaffte es aufgrund seiner leitenden Tätigkeit bei einer Bank, die mit der Verwaltung ehemals jüdischer Besitztümer Geld verdiente, seinen Sohn und seine Ex-Frau vor den Nazis zu schützen. Mulischs Familie mütterlicherseits wurde fast vollständig von den Nazis umgebracht, sein Vater nach dem Krieg als Nazi-Kollaborateur verurteilt und drei Jahre interniert.
Während seiner Schulzeit war Mulisch vor allem von den Naturwissenschaften fasziniert. Wegen seiner schlechten schulischen Leistungen fiel er allerdings durch die Prüfung für die weiterführende Schule und verließ 1944 die Schule im gegenseitigen Einvernehmen. Sein Interesse verschob sich in den Folgejahren zunehmend von den Naturwissenschaften hin zur Kunst. Er begann zu zeichnen und zu schreiben. Ab 1949 widmete Mulisch sich fast ausschließlich dem Schreiben, für seinen Debütroman „Archibald Strohalm“ wurde er 1951 mit dem Reina Prinsen Geerlingspreis ausgezeichnet. 1958 bis 1990 war Harry Mulisch Redakteur bei verschiedenen literarischen Zeitschriften und arbeitete an seinem großen Œuvre: Es umfasst Erzählungen, Theaterstücke, philosophische Werke wie „Die Komposition der Welt“, autobiografische Texte, Lyrikbände und zahlreiche Romane wie „Das Attentat“ und „Die Entdeckung des Himmels“. Sein letzter Roman „Siegfried“ erschien 2001.
Mulischs Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt u. a. den Niederländischen Staatspreis für Literatur, den Niederländischen Literaturpreis, den Libris-Preis und war Ritter im Orden von Oranje-Nassau. In Deutschland bekam er für die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich in seinem Werk das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Auf den Literatur Nobelpreis wartete Mulisch dagegen vergebens. Einige seiner Bücher wurden außerdem verfilmt. Bereits 1981 kam „Zwei Frauen“ mit internationaler Besetzung in die Kinos. Das im Jahr 1982 erschienene und meistverkaufte Buch Mulischs, „Das Attentat“, wurde 1986 von Fons Rademakers verfilmt, der dafür 1987 einen Oscar für den besten ausländischen Film und einen Golden Globe erhielt. Im Jahre 2001 verfilmte Jeroen Krabbé „Die Entdeckung des Himmels“.
Mulisch gilt als einer der bedeutendsten Nachkriegsautoren der Niederlande und gehörte mit Willem Frederik Hermans und Gerard van het Reve zu den „großen Drei“, den drei größten niederländischen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Er verstarb am 30. Oktober 2010 83jährig.