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Musiktheater nach Richard Wagner | Eine Produktion des Staatsschauspiels Dresden und der Dresdner Musikfestspiele in Koproduktion mit den Wiener Festwochen und den Kunstfestspielen Herrenhausen | Regie: David Marton | Premiere am 28. Mai 2011 | Schauspielhaus

Rheingold. Musiktheater nach Richard Wagner

Erst nach einigen Jahren der Beschäftigung und schon tief im Stoff der Nibelungensage hat sich Richard Wagner dafür entschieden, seinem „Ring“ einen Vorabend voranzustellen: Ein Vorspiel, in dem er die Ursache des Zustandes der Welt untersucht, den Grund für ihre Erlösungsbedürftigkeit. „Das Rheingold“ ist ein Märchen- und Sagenstück vor aller Zeitrechnung, das aus dem nordischen Mythenschatz stammt, von Wagner aber verändert und überformt wurde. Dieses Vorspiel ist Grundlage für „Rheingold. Musiktheater nach Richard Wagner“: Wotan, oberster Gott, könnte heute mit Frau und Kindern in einer Art Großfamilie leben. Es ist eine Gruppe, die seltsame Ritaule pflegt und in einer besonderen Weise mit Musik umgeht – mit Wagners „Rheingold“. Gegenseitig erzählen sie sich vom Raub des Rheingoldes und von Alberichs Entsagung und Fluch, angeleitet von einem Dirigenten, der über allem wacht. In dieser Welt wird Wagners Geschichte um Liebe und Macht verhandelt.

Bei Wagner beginnt die Geschichte auf dem Grunde des Rheins: Die Rheintöchter lachen den hässlichen Zwerg Alberich aus, der die Mädchen zu erobern versucht. Weil von dem lüsternen Verliebten keine Gefahr zu drohen scheint, verraten die Rheintöchter ihm leichtsinnig ihr Geheimnis: Wer der Liebe entsagt, kann aus dem Rheingold einen Ring schmieden, der ihm die Macht über die Welt bringt. Doch der gekränkte Alberich leistet den Schwur, raubt den Rheintöchtern das Gold und wird Herrscher über das Volk der Nibelungen.
Zur gleichen Zeit ist bei den Göttern Walhall fertig gestellt worden, Wotans Burg, gebaut von den Riesen Fafner und Fasolt, die jetzt ihren Lohn fordern. Ausgemacht war Freia, die Göttin der Jugend. Doch diesen Vertrag kann Wotan nicht erfüllen, denn Freia sichert den Göttern Jugend und Unsterblichkeit. Endlich kommt Loge, der in dieser Frage Rat schaffen soll. Doch Loge hat nirgends auf der Welt etwas gefunden, was mehr bedeutet als Liebe – außer bei Alberich, der der Liebe abgeschworen hat und nun Macht und Reichtum besitzt. Die Riesen wollen auf Freia verzichten und fordern stattdessen Gold; und Wotan selbst will den Ring. Gemeinsam mit Loge steigt er hinab zu Alberich nach Nibelheim.
Dort hat die Herrschaft Alberichs bereits begonnen: Ein riesiger Hort liegt aufgehäuft, und immer mehr Gold schaffen die Nibelungen herbei. Auch der Tarnhelm, mit dem sein Träger unsichtbar wird, ist eben fertig geworden. Alberich erklärt den Göttern den Krieg: Er will die Macht über die Welt erlangen, die Götter entthronen und jedes Lebewesen zwingen, der Liebe zu entsagen. Doch Loge kann ihn überlisten: Stolz auf seine Macht lässt er sich hinreißen, sein Können vorzuführen. Er verwandelt sich erst in eine riesige Schlange, dann in eine Kröte – und wird von den Göttern gefangen.
Wieder in der Welt der Götter nimmt ihm Wotan das Gold ab und schließlich auch den Ring. Alberich verflucht diesen Ring: Jeder, der ihn besitzt, soll sterben. Um die Riesen zu bezahlen, müssen die Götter mit dem Gold nun Freia auslösen, wofür der ganze Hort inklusive Tarnhelm nötig ist. Schließlich fordern die Riesen auch den Ring, den Wotan aber auf  keinen Fall hergeben will – bis Erda, die allwissende Urmutter der Erde, auftaucht und ihn vor den Folgen des Fluches warnt. Die Riesen erhalten den Ring und geraten bei der Aufteilung des Goldes sofort in Streit. Der Fluch zeigt seine Macht: Fafner erschlägt seinen Bruder Fasolt und geht alleine mit dem Gold davon, der Fluch mit ihm ...

Liebe, Entsagung, Fluch und Erlösung – Wagner spart nicht mit großen Begriffen in seinem Weltentwurf „Der Ring des Nibelungen“. Er selber lässt später als Erlöser Siegfried und Brünnhilde auftreten, die den Fluch zerschlagen, den Ring verbrennen und die Götter vernichten. Wagner hat gleichzeitig eine Sehnsucht nach Erlösung wie nach Ursprünglichkeit und Reinheit – auch des Mythos’, dessen ursprüngliche und reine Form er nicht im mittelhochdeutschen Epos findet, sondern zurückverfolgt bis in die nordische Sagenwelt. Er bewegt sich gleichzeitig zurück in eine mythische Vorzeit und vor in eine messianische Zukunft. Doch wenn man dem „Rheingold“ nicht den Rest des „Rings“ folgen lässt, bleibt man in der Welt des Fluchs gefangen und kann auf Erlösung nur hoffen. Die Ikonographie des Spirituellen und die Rituale, die unsere Gesellschaft dafür kennt, sind mannigfaltig und sowohl in der christlichen Tradition wie in fernöstlichen Lehren oder pseudo­religiösen Zusammenhängen zu finden.
„Rheingold“ ist „Musiktheater nach Richard Wagner“ im doppelten Sinn: Ein Theaterabend mit Musik, frei nach Wagners Oper, und gleichzeitig in der Nachfolge Richard Wagners. In diesem Sinne bewegt sich „Rheingold“ weit weg von Wagners Werk und sucht gleichzeitig eine enge Auseinandersetzung mit ihm.

Felicitas Zürcher