Carlo Goldoni

Carlo Goldoni wurde am 25. Februar 1707 in Venedig geboren. Sein Großvater hatte ein ­eigenes Theater unterhalten, hinterließ Goldonis Vater aber kaum Vermögen, so dass ­dieser ­gezwungen war, einen Brotberuf zu ergreifen. Nach der Geburt eines zweiten Sohnes ­verlässt der Vater ­vorübergehend seine Familie und studiert in Rom Medizin. Er praktiziert erst in ­Perugia, ­wohin er seinen älteren Sohn Carlo mitnimmt, und lässt sich schließlich in ­Chioggia nieder. Carlo Goldonis Schulbildung verläuft dementsprechend unstet: Nach ­einem ­Haus­lehrer in ­Venedig übernehmen in Perugia die Jesuiten seine Ausbildung, später studiert Goldoni in ­Rimini bei den Dominikanern Philosophie, von wo er vierzehnjährig ausreißt und mit ­einer ­Theatertruppe nach Chioggia zu seinen Eltern flieht. Durch ­Protektion kann Goldoni in ­Pavia das päpstliche Kolleg besuchen, fliegt aber nach einer Schmähschrift auf die ­vornehmen ­Familien der Stadt von der Schule. 1728 bis 1730 arbeitet er als Sekretär des ­Vizekanzlers des Kriminalgerichts ­zuerst in Chioggia, dann in Feltre, und verfasst nebenher ­Theaterstücke, die er später nicht in die Gesamtausgabe seiner Werke aufnimmt. 1731 erwirbt er in Padua den ­juristischen ­Doktortitel und wird Rechtsanwalt in Venedig, von wo er aber zwei Jahre später mit einem Haufen unbezahlter Schulden vor einer Heirat nach Mailand flüchtet. Dort ­begegnet er Giuseppe Imer, dem Leiter einer Theatertruppe, der er sich ­anschließt und die er nach ­Padua, Udine und Genua begleitet, wo er seine Frau ­Nicoletta ­Cannio ­kennenlernt. 1738 führt der ­Schauspieler ­Antonio Sacchi in Venedig mit großem Erfolg Goldonis erste ­Komödie „Der Mann von Welt“ auf. 1741 wird Goldoni genuesischer Konsul in ­Venedig, ­übernimmt sich aber ­finanziell und muss zwei Jahre später wiederum vor ­Gläubigern aus der Stadt fliehen. 1745 bis 1748 arbeitet er als ­Anwalt in Pisa, schreibt ­jedoch nebenher ­weiter ­Stücke, unter ­anderem für Antonio ­Sacchi die ­Komödie „Der Diener ­zweier Herren“, die dieser 1746 in Mailand ­uraufführt. 1748 kehrt Goldoni als ­Hausdichter zurück nach Venedig ans Teatro Sant’Angelo, wo er ­seine ­Theaterreform einleitet und 1750 für die neue Saison 16 ­Komödien ­ankündigt – ­darunter sechs Stücke ohne die Masken der ­Commedia dell’arte. Sein Theater ­propagiert er als „Neues ­Komisches Theater“ und beginnt mit dem ­autobiografischen und ­programmatischen Stück „Das komische ­Theater“, in dem ein ­Theaterdirektor seine Schauspieler zur ­Überwindung der Commedia dell’arte erzieht. Wegen finanzieller Konflikte wechselt Goldoni an das ­Theater San Luca, wo er sich ­verpflichtet, jedes Jahr acht ­Komödien zu schreiben. Die Theater ­bringen weiter erfolgreich Stücke ­Goldonis auf die Bühne, erste ­Werkausgaben erscheinen. 1758 zieht Goldoni einer Einladung folgend nach Rom; in ­Venedig beginnt Goldonis Rivale und ­Gegner Carlo ­Gozzi seinen Feldzug gegen das neue Theater: Er hält an den Masken der Commedia dell’arte fest und verachtet Goldonis ­kleinbürgerliche ­Figuren sowie ihre Dialektsprache. Goldoni ­erhält eine Einladung der Comédie Italienne in ­Paris, der er 1762 folgt. Trotz des ­Repertoires von ­Molières Charakter-Komödien an der ­Comédie ­française will das italienische Publikum ­Commedia dell’arte sehen, und Goldoni muss auf die von ihm selber ­überwundene ­Theaterform ­zurückgreifen. Trotz mehrerer ­Erfolge verlässt Goldoni ­Paris und wird in ­Versailles Sprachlehrer – erst der Töchter von Louis XV., dann der ­Schwestern von Louis XVI. Er erhält eine feste Jahresrente, muss aber trotzdem seine Bibliothek verkaufen, um 1780 nach Paris ­zurückzukehren. Dort bginnt er, seine Memoiren zu schreiben. 1788 bis 1795 ­erscheinen in Venedig in 44 Bänden Goldonis Bühnenwerke – an die zweihundert ­Theaterstücke und ­Opernlibretti. Im Zuge der Französischen Revolution wird Goldonis Pension gestrichen. ­Erblindet und völlig verarmt stirbt er am 6. Februar 1793 in ­Paris – genau an dem Tag, an dem ihm der Konvent die von 1768 bis 1792 gezahlte Jahrespension wieder zusprach.