Christa Wolf

war Kassandra, sie war ‚IM Margarete‘, sie war die Rednerin des 4. November 1989, sie war die Autorin, die laut einem Verleger-Bonmot ‚keine Distanz zu ihren Figuren‘ fand. Sie war Sozialistin, Mitglied der sed und Ausgestoßene, Unterzeichnerin und Redakteurin des in der ddr meistunterzeichneten Aufrufs ‚Für unser Land‘ des Jahres 1989. Christa Wolf war eine Schriftstellerin der Tugend und des Gewissens. Eine, die aneckte. Manchmal. Und manchmal, weil sie es wollte.“, so charakterisiert Bernd Graff die Autorin in seinem Nachruf in der Süddeutschen Zeitung. Christa Wolf wurde 1929 im heutigen Polen geboren. 1945 musste die Familie nach Westen fliehen und kam nach Mecklenburg. Bereits 1949 wurde Wolf aus Überzeugung für die neue ddr Mitglied der sed. Sie studierte Germanistik, war Lektorin und Redakteurin, bevor sie ab 1962 als freiberufliche Schriftstellerin arbeitete. Ihre ersten Bücher waren getragen von großer Euphorie für die neue Gesellschaft in der ddr, sie galt als „loyale Dissidentin“, kritisierte das Regime, sah aber den Sozialismus als einzige Alternative. Für ihren Roman über das geteilte Deutschland, „Der geteilte Himmel“, erhielt sie 1963 den Heinrich-Mann-Preis. Der Roman wurde 1964 von Konrad Wolf verfilmt und machte die Autorin auch im Westen bekannt. Zu ihren bekanntesten Werken gehören „Nachdenken über Christa T.“ (1968), „Kindheitsmuster“ (1976), „Kassandra“ (1983) oder „Störfall“ (1987). 1976 engagierte sie sich gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann, im Juni 1989 trat sie aus der sed aus und setzte sich mit dem offenen Brief „Für unser Land“ für die Weiterexistenz der ddr ein. In ihrem letzten großen Erzähltext „Stadt der Engel“ (2010) blickt sie zurück auf die ddr und ihr eigenes Leben, ihre Motivation und ihre Krisen. Christa Wolf erhielt im Osten wie im Westen zahlreiche und höchste Auszeichnungen und wurde 2002 für ihr Lebenswerk mit dem Deutschen Bücherpreis geehrt. Am 1. Dezember 2011 ist Christa Wolf 82jährig gestorben.