Fjodor M. Dostojewskij

kommt 1821 als Sohn eines Armenarztes in Moskau zur Welt. Er besucht die Ingenieurschule der Petersburger Militärakademie und wird für seinen ersten Roman „Arme Leute“ (1846) als Genie gefeiert. Der junge Autor lässt sich vom utopischen Sozialismus mitreißen und sieht im Evangelium die Aufforderung zur humanitären Weltverbesserung. Als er in einem Geheimzirkel 1849 Belinskijs „Brief an Gogol“ vorliest, fällt er der Denunziation zum Opfer, wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Nach einer ­Scheinhinrichtung werden die Verurteilten durch den Zaren begnadigt und die Strafe zu Zwangsarbeit in Sibirien abgeschwächt. Während der Gefangenschaft und dem anschließenden Militärdienst wendet sich Dostojewskij weiter dem Christentum zu und leidet unter gesundheitlichen Beschwerden: Seine epileptischen Anfälle werden während der Haft häufiger und heftiger, er fürchtet Lähmung, Tod oder Wahnsinn. Aus der Armee entlassen, lässt er sich 1859 in Petersburg nieder, wo u. a. der Roman „Erniedrigte und Beleidigte“ (1861) entsteht. Ab 1861 gibt Dostojewskij zusammen mit seinem Bruder Michail die Zeitschrift „Vremja“ (Die Zeit) heraus, in der er die „russische Idee“, d. h. Zarentum und christliche Werte, vertritt und gegen den Nihilismus Position bezieht. 1862 unternimmt er seine erste Reise nach Westeuropa. Die Zeitschrift „Vremja“ wird verboten, Dostojewskij unternimmt eine zweite Europareise, seine Spielsucht stürzt ihn in hohe Schulden. Auch die zweite Zeitschrift der Brüder wird eingestellt, Dostojewskij flieht vor der russischen Wirtschaftskrise und reist ein drittes Mal nach Europa, wo er aus Geldnot in knapp vier Wochen seiner späteren Frau Anna Grigorjewna Snitkina den Roman „Der Spieler“ (1867) diktiert. Das junge Ehepaar flieht vor den Gläubigern – aus den geplanten drei Monaten werden vier Jahre in der Schweiz, in Italien und Deutschland. In einer Zeitspanne von vierzehn Jahren veröffentlicht Dostojewskij jene fünf großen Romane, auf denen bis heute sein Weltruhm gründet: „Verbrechen und Strafe“ (1866), „Der Idiot“ (1868), „Die Dämonen“ (1870 – 1871), „Der Jüngling“ (1875) und „Die Brüder Karamasow“ (1879 / 1880). Ab 1876 bis zu seinem Tod 1881 dient ihm die eigens gegründete Zeitschrift „Das Tagebuch eines Schriftstellers“ als politisches Sprachrohr wie auch zur Veröffentlichung von Erzählungen und der berühmten Rede, die Dostojewskij 1880 anlässlich der Enthüllung des Puschkin-Denkmals in Moskau hielt und die als sein religiös-philosophisches Vermächtnis gilt.