Hans Jacob Christoffel Grimmelshausen

wurde 1621 oder 1622 in Gelnhausen geboren. Für seine ersten zwanzig Lebensjahre gibt es kaum gesicherte Belege. Er wuchs, nach dem Tod seines Vaters und der erneuten Heirat seiner Mutter, bei seinem Großvater auf, einem Bäcker, und besuchte die protestantische Lateinschule. Die lutherische Reichsstadt Gelnhausen wurde 1634 von kaiserlichen Truppen geplündert und zerstört. Vermutlich flüchtete ­Grimmelshausen mit einem Teil der Gelnhausener Bevölkerung nach Hanau, wurde von kaiserlichen Soldaten in den Kriegswirren verschleppt, nahm auf kaiserlicher Seite an der „Magdeburger Bluthochzeit“, der Eroberung und Entvölkerung Magdeburgs durch die ­Truppen Tillys teil, und wurde – zunächst aufgrund seines Alters wahrscheinich nicht als aktiver Soldat – Teil des Leibdragonerregimentes des Grafen von Götz. Vom Musketier wurde Grimmelshausen zum Regimentsschreiber. Schriftstücke von ihm sind ab 1644 überliefert. 1649 heiratete er, wurde Verwalter, Wirt und Schultheiß – Vertreter der niederen Gerichts­barkeit. Wann und wie Grimmelshausen zu schreiben begonnen hat und woher er die ­vielfältigen Quellen und literarischen Vorbilder gekannt hat, die sein Werk prägen, ist ­unbekannt. 1666 veröffentlichte er einen „biblischen Roman“ und den „Satyrischen Pilgram“, 1668 sein „Hauptwerk“ „Der abentheurliche Simplicissimus Teutsch“, den er mit Fortsetzungen und Auskopplungen stetig „weiterschrieb“, und der als erster deutscher Roman außerhalb der Tradition des höfischen Ritter- und Liebesromans gilt. Neben dem „Simplicissimus“-Komplex veröffentlichte er erbauliche Romane, Kalenderschriften und eine Reihe satirischer Traktate. Als Vater von zehn Kindern starb Grimmelshausen 1676 in Renchen.