Johann Wolfgang von Goethe

Autor
Der aus einem wohlhabenden Bürgerhause stammende Goethe genoss eine sorgfältige und vielseitige Privaterziehung. 1765 ging Goethe zum Jurastudium nach Leipzig, damals das geistige Zentrum der Aufklärung und des Rokoko in Deutschland. Seine ersten literarischen Werke zeigen Goethe noch weitgehend als modischen Rokokodichter. 1768 kehrte er ins Elternhaus zurück und widmete sich vor allem dem Studium religiöser und mystischer Schriften. 1770/1771 vollendete er seine juristischen Studien in Straßburg, wo er sich allmählich von traditionellen Kunst- und Lebensanschauungen lossagte und zu einem neuen lyrischen Ton fand. Goethes Straßburger Kreis bildete die Keimzelle der neuen Geniebewegung „Sturm und Drang“, die sich in gewissem Gegensatz zum aufgeklärten Rationalismus zu schwärmerischer Naturverehrung, uneingeschränkter Subjektivität und moralisch empörter Gesellschafts- und Adelskritik bekannte und einen enthusiastischen Freundschaftskult pflegte. Von 1771 bis 1775 lebte der junge Anwalt meist als „Wanderer“ im Hessischen. Weithin bekannt wurde der junge Lyriker und Dramatiker vor allem mit seinem unorthodoxen Schauspiel „Götz von Berlichingen“ von 1771/1773, das durch nationalen Stoff, freie Form und geschichtsbewusst-lebensvolles Ethos den Beginn eines neuen Abschnitts deutschen Bühnenschaffens markierte. Über die Grenzen des deutschsprachigen Raums hinaus bekannt wurde  auch der Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774), der die innere Emanzipation des Individuums von gesellschaftlichen und religiösen Bindungen propagiert. 1775 folgte das junge Dichtergenie einer Einladung des Herzogs Carl August nach Weimar, wo Goethe in den nächsten Jahren einige Hofämter übernahm und in einem Prozess schmerzhafter Selbsterziehung und disziplinierter geistig-seelischer Klärung zum repräsentativen Künstler seiner Zeit reifte (Einfluss der Weimarer Hofdame Charlotte von Stein; naturwissenschaftliche Studien). Goethes Weimarer Gedichte und seine in mehreren Stufen entstehenden Dramen gehören bis heute zum klassischen Kanon deutscher Literatur. 1786 brach Goethe ohne Vorankündigung nach Italien auf, wo er sich in produktiver Aneignung der antiken Kunst endgültig zum klassisch-humanistischen Menschen und Dichter wandelte. Von 1788 an lebte Goethe mit seiner jungen Frau Christiane Vulpius wieder in Weimar, wo er bald Leiter des Hoftheaters wurde (1791 bis 1817). Seit 1794 war Goethe eng mit Friedrich Schiller befreundet, der wie er nach „klassischer“ Dichtung und Ästhetik strebt und durch den Goethe seine dichterische Sendung als eine ihm auferlegte überindividuelle Pflicht bewusst wird. Neben Gedichten und Balladen, Novellen, Dramen und naturwissenschaftlicher Schriften entstehen in den Jahren bis zu Schillers Tod (1805) der bürgerliche Bildungs- und Erziehungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ sowie der erste Teil des „Faust“. Nach Schillers Tod lebte Goethe zurückgezogen im Kreise seiner Familie und einiger weniger Freunde. Figuren, Handlungen und Sprache seiner Werke tendieren nun zum Bedeutenden und Symbolhaften. Trotz romantischer Züge im eigenen Spätwerk ist Goethes Verhältnis zu den jungen Romantikern nicht frei von Kritik und Distanzierung. 1832 stirbt er in Weimar, die Universalität seines Lebens und Schaffens wird erst im 20. Jahrhundert voll erkannt.


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