Joseph Roth

wird am 2. September 1894 im galizischen Brody, heute eine Kleinstadt im Westen der Ukraine, als Sohn des jüdischen Getreidehändlers Nachum Roth und seiner Frau Maria geboren. Joseph Roth wächst mit seiner Mutter beim Großvater auf, da Nachum Roth noch vor der Geburt des Sohnes auf einer Dienstreise nach Deutschland geistig erkrankt und bis zu seinem Tod 1910 als verschollen gilt. Nach dem Besuch einer jüdischen Gemeindeschule und dem deutschen Gymnasium in Brody zieht Joseph Roth zum Studium der Philosophie und Germanistik zunächst nach Lemberg, später nach Wien. Vom Studium enttäuscht („Ich habe Dichtung erwartet und Germanistik vorgefunden“) beginnt er kleinere Aufsätze und Gedichte für diverse Zeitungen zu schreiben, während des Ersten Weltkrieges arbeitet er als Mitarbeiter des Pressedienstes im galizischen Militär. Nach dem Krieg und dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie – „der Untergang meines Vaterlandes, des einzigen, das ich je besessen“ (Roth) – kehrt er als mittelloser Mann nach Wien zurück und versucht sich als lyrischer Feuilletonist durchzuschlagen. Schon zu dieser Zeit beginnt seine Alkoholsucht, die ihn nie wieder verlassen und sich in seinem letzten, posthum erscheinenden Werk „Die Legende vom heiligen Trinker“ literarisch niederschlagen wird. 1918 verliebt sich Roth in die galizische Jüdin Friederike („Friedl“) Reichler, heiratet sie jedoch erst 1922 nach einer zweijährigen Auslandstätigkeit in Berlin. Roth, ein manisch Reisender, veröffentlicht in den folgenden Jahren nicht nur Reportagen („Die weißen Städte“, „Reise nach Russland“, „Juden auf Wanderschaft“ u. a.), sondern auch diverse gesellschaftskritische Fortsetzungsromane („Das Spinnennetz“, „Hotel Savoy“, „Die Rebellion“ u. a.). Im Februar 1928 erkrankt seine Frau an Schizophrenie. Joseph Roth stürzt in eine tiefe Lebenskrise, die er u. a. in „Hiob. Roman eines einfachen Mannes“ literarisch bearbeitet. Mit diesem Werk über eine ostjüdische Familie, die aus dem russischen Wolhynien nach Amerika auswandert – Roth selbst war nie in Amerika – gelingt ihm Anfang der 1930er-Jahre der internationale Durchbruch, 1932 folgt „Radetzkymarsch“, der große Roman über den Untergang „Kakaniens“. Die politischen Bedingungen, private Probleme und die Alkoholsucht zwingen Roth in seinen letzten Lebensjahren zu einem ruhelosen Leben zwischen ständigen Geldsorgen, harter Arbeit und Flucht. Am 23. Mai 1939 bricht er – nach der Nachricht vom Selbstmord des Schriftstellers Ernst Toller – zusammen und stirbt wenige Tage später in einem Krankenhaus in Paris.