Sebastian Baumgartens furiose erste Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden. In diesem nicht nur in den Mittel durchdacht und selbstbewusst professionell inszenierten Wirbel aus Geschichte, philosophischen Anekdoten, banalen Episoden, düsteren Träumen und Erinnerungen bleibt kaum ein heiliges Axiom unangetastet. Ein Gesamtkunstwerk aus Oper und Film, Schauspiel, Entertainment und viel, viel Zauberei. Dresdner Neuste Nachrichten, 01.03.2010, Tomas Petzold
Sebastian Baumgarten nimmt das Kunstmärchen zum Anlass, um über Illusion und Realität, Dresdens Geschichte und den Einbruch des Fremden in das Bekannte nachzudenken. Hoffmann liefert tatsächlich für Ideen dieser Art die Grundlage, überaus dicht und komplex. Das Bühnenbild von Kathrin Frosch, die die biedere Beamtenwohnung im Erdgeschoss mit dem Dschungel des Archivars kombiniert, die hervorrangend agierende Technik und vor allem die durchweg überzeugenden Schauspieler unterstützen diesen intellektuellen Parforce-Ritt nach Kräften. Sebastian Wendelin spielt sich als Anselm die Seele aus dem Leib, Wolfgang Michalek als Konrektor und Cathleen Baumann in drei Rollen zeigen ein überzeugendes Spiel am Rande des Wahnsinns und im permanenten Drogenrausch. Torsten Ranft entsteigt als Archivar dem Publikum und wirkt wie aus einer fremden Welt, Picco von Groote und Fabian Gerhardt als Veronika und Registrator Heerbrand bieten bieder das perfekte Paar. Aber das ist sicherlich eine Theaterillusion. Sächsische Zeitung, 01.03.2010, Valeria Heintges
Baumgarten und seinem glänzend spielenden Ensemble ist eine freche, versponnene, zauberhafte Aufführung gelungen, ein in seiner Schrulligkeit hochkomisches Atlantis, in das man zwei Stunden lang amüsiert abtauchen kann. nachtkritik.de, 27.02.2010, Christine Diller
Verstanden als Halluzination ist die Produktion grandioses Theater. Dresdner Morgenpost, 01.03.2010
Das kleingeistige Bürokratenmilieu in die Gegenwart zu transformieren und mit heutigen Figuren zu besetzen, die dick bebrillt, angepasst, aufstiegswillig und irgendwie zu feige sind, sich den eigenen Träumen zu stellen, gelingt der Inszenierung sehr gut. Sogar der feine Humor E.T.A. Hoffmanns bleibt erhalten. Mit Begeisterung stürzen sich die Schauspieler in die Rollen der biedermeierlichen Karrieristen. Das wird noch gestützt von den Projektionen, die das ständige Punchtrinken der korrekten Anzugträger mit verzerrten und verwischten Bildern begleiten. Die Freundesgruppe, die sich an ihr bisschen Realität und Gemütlichkeit klammert, erscheint vor den großen Bildern immer kleiner. Die Träume, die sie ängstigen, wachsen. die taz, 10.03.2010, Katrin Bettina Müller