Helgard Haug und Daniel Wetzel
haben am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert und arbeiten gemeinsam mit Stefan Kaegi unter dem Label Rimini Protokoll mit Sitz am Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU). Ihre Theaterarbeiten finden in der bunten Zone zwischen Realität und Fiktion statt und haben international Aufmerksamkeit erregt. Jüngste Arbeiten auf der Bühne galten den Abendnachrichten aus zahlreichen Ländern, die, simultan und live übersetzt, die Grundlage für den jeweiligen Bühnentext liefern („Breaking News“, 2008), der Adoptionsgeschichte einer jungen Frau, die in Südkorea geboren und in Deutschland aufgewachsen ist („Black Tie“, 2008), und Goethes Gedicht „Der Zauberlehrling“ (2009). Zudem eröffneten sie weltweit temporäre Büros, in denen Theaterbesucher jeweils einzeln für eine Stunde mit Callcenter-Agenten in Indien telefonierten („Call Cutta in a Box“, 2008), und sie erklärten die ordentliche Hauptversammlung der Daimler AG zu einem Schauspiel in fünf Akten, das von Theatergängern besucht wurde, die zuvor Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter werden mussten. Den Proben zu den Stücken gehen umfangreiche Recherche-, Casting- und Konzeptionsprozesse voraus. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Ihre Produktion "Deadline" wurde 2004 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2007 gewann „Karl Marx: Das Kapital. Erster Band“ den Mülheimer Dramatikerpreis und den Publikumspreis. Im selben Jahr wurde Rimini Protokoll der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“ verliehen (Sonderpreis) und 2008 in Thessaloniki der Europäische Theaterpreis (Kategorie Neue Realitäten).