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Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing | Regie: Simon Solberg | Premiere am 26. Februar 2011 | Schauspielhaus

Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel handelt von Frauenliebe und Männerehre, von Liebe und ihrer Gefährdung in einer vom Krieg zerstörten, vom Geld regierten und unbehaust gewordenen Welt. Aufgezeigt wird dieser Weg der Interpretation des jungen Regisseurs Simon Solberg anhand eines aus Afghanistan heimkehrenden und traumatisierten Soldaten, der all die Schrecken, die er erlebt hat, nicht verarbeiten kann, den die nicht mehr zu beantwortende Frage nach dem „Warum?“ und „Für wen“ nicht mehr loslassen und eine Wiedereingliederung in die Oberflächen- und Spaßgesellschaft unserer Zeit verhindert. Dieser noch junge Mann ist nicht erst im Frieden abgestürzt durch den ungerechten Rauswurf aus der Armee wie ursprünglich bei Lessing, sondern seine Tragödie ist der Krieg selbst, den junge Deutsche heute wieder erleben müssen, obwohl alle denken, dass wir in friedlichen Zeiten leben.
Im Mittelpunkt stehen also ein sich selbst fremd gewordener Mann und eine erstaunlich selbstbewusste Frau, die ihn trotz seiner Aufkündigung der Verlobung (weil er sich entehrt, ihr nicht mehr würdig fühlt) nicht einfach ziehen lassen will. Sie glaubt an die Liebe, an die Zukunft, an die Vernunft und daran, dass die Gefühle jenes Tellheims, der sie einst heiraten wollte, sich nicht durch Kriegserlebnisse einfach ins Nichts aufgelöst haben. Können die beiden unter diesen Umständen noch miteinander glücklich werden?
 
 
„Lessing als Aufklärer ernst nehmen heißt für Simon Solberg, eine Welt der misslingenden Aufklärung, der taumelnden Vernunft zu beleuchten und in das Zentrum seiner Inszenierung zu rücken. (...) Auf die vordergründige Betroffenheitsarie zum Thema Krieg hat es der Abend natürlich nicht abgesehen. Solberg arbeitet sich vielmehr an einer komischen Kehrseite entlang. Er zeigt Krawall, Jux und Klamauk, komische Filmzitate als Teile einer heutigen Wirklichkeit. Die Szenen sind oft trashig. Sie zitieren die Popkultur, den Comic etwa oder die Comedy und werden zur Farce überhöht, wobei die Sprache unvermittelt das Gestern und Heute überblendet. Nein! Hier geht es nicht mehr um Krieg und den Wertewandel im Frieden, der komisch auf das Geschlechterverhältnis durchschlägt. Hier geht es um Krieg und den hämmernden Befriedungsaktivismus der Spaßgesellschaft. Der Befund ist alt und trostlos. Es gibt im Grunde keinen Frieden bei Solberg, es gibt nur den groben Unfug und den tödlichen Schuss. Die Moderne scheitert. (...) Der große Schmerz- und Kontrapunkt der Inszenierung zeigt die schmutzige, jäh aus dem Spaßbad hervorbrechende Realität des Krieges deutlich in aufklärerischem Licht.(...) Solbergs am Premierenabend mit Buhs und Bravos aufgenommene "Minna von Barnhelm" wagt die moralische Empörung.“ (nachtkritik.de, 27.02.2011)
 
Tobias Becker schrieb im Kulturspiegel über den Regisseur Simon Solberg, der am Staatsschauspiel Dresden in der Saison 2009.2010 „Romeo und Julia“ inszeniert hat: „Solberg ist der vielleicht unverkrampfteste Regisseur seiner Generation – und sicher der unterhaltsamste.“ Solberg ist auch einer der gefragtesten Jungregisseure, der regelmäßig in Frankfurt, Mannheim, München, Basel und Berlin inszeniert.


Dauer der Aufführung: 1 ½ Stunden, keine Pause

Besetzung:

Major von Tellheim: Sebastian Wendelin
Minna von Barnhelm: Picco von Groote
Franziska, Minnas Bediente: Cathleen Baumann
Just, Bedienter des Majors / Paul Werner, Freund des Majors: Stefko Hanushevsky
Wirt / Riccaut de la Marlinière: Torsten Ranft

Regie Simon Solberg
Bühne Simeon Meier
Kostüm Katja Strohschneider
Musik und Video Philipp Stangl
Licht Michael Gööck
Dramaturgie Jens Groß