Adam und Evelyn
von Ingo Schulze, eingerichtet für die Bühne von Jens Groß | Regie: Julia Hölscher | Uraufführung am 20. September 2009 | Kleines Haus 2
DDR. Adam ist im Paradies. Denn der Schneider hat den besonderen Blick dafür, was Frauen begehrenswerter macht. Er schenkt ihnen das, was sie selbst oft nicht einmal mehr ahnen: ihre Schönheit. Und wenn sie mit seiner Hilfe perfekte sinnliche Wesen geworden sind, fotografiert er seine Geschöpfe. Und die bedanken sich bei ihm mit ihrer ganzen neu gewonnenen Schönheit. Für Adam ist es eher bedeutungslos. Er liebt nur Evelyn. Adam im Paradies. Evelyn allerdings durchlebt die Hölle. Sie fühlt sich ohnehin in ihrem „Kaff“ eingesperrt, „beerdigt und begraben“. Und dann überrascht sie auch noch Adam im Adamskostüm mit einer seiner Kundinnen. Schluss mit dem Paradies. Statt mit Adam zum gemeinsamen Urlaub nach Ungarn zu fahren, ergreift sie die Flucht und fährt mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Adam setzt sich in seinen alten Wartburg. Nichts wie hinter den dreien her. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren – und vielleicht muss er das auch, wenn er will, dass alles so bleibt, wie es ist. Es ist Spätsommer 1989. In der Ausnahmesituation jener Monate, der unverhofften und plötzlich sich ergebenden Wahlfreiheit, entdeckt Ingo Schulze die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis und nicht zuletzt der Sehnsucht nach dem Paradies. Doch wo ist das zu finden? In der Verheißung des Westens, der Ungebundenheit eines endlosen Feriensommers am Balaton oder doch im vertrauten eigenen Garten?
Der gebürtige Dresdner Ingo Schulze wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Berliner Literaturpreis, der Peter Weiss - Preis und der Preis der Leipziger Buchmesse. Er ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Julia Hölscher studierte zunächst Gesang und dann Regie an der Theaterakademie in Hamburg. Sie inszeniert in Hannover (dort u. a. die Uraufführung von Tankred Dorsts ‚Ich bin nur vorübergehend hier‘), Frankfurt, Magdeburg und Düsseldorf. Ab 2009.2010 ist sie feste Hausregisseurin in Dresden.
Dauer der Aufführung: 2 Stunden, keine Pause
Besetzung:
Adam: Benjamin Höppner
Evelyn alternierend: Sonja Beißwenger
Evelyn: Karina Plachetka
Michael: Tom Quaas
Katja: Nicola Gründel
Ein Engel: Lore Stefanek, Torsten Ranft, Anna-Katharina Muck, Doreen Fietz
Regie Julia Hölscher
Bühne Alex Harb
Kostüm Ulli Smid
Musik Tobias Vethake, Gregor Schwellenbach
Licht Olaf Rumberg
Dramaturgie Karla Kochta