Marianna Salzmann, Studentin des szenischen Schreibens an der UDK Berlin, entwickelt daraus eine Szene. Eine erste Skizze hat sie uns zur Verfügung gestellt:Mann: Hören Sie doch, Frau Pogosowa, das kommt in den besten Familien vor. Da müssen Sie nicht so sein.Frau: Haben Sie auch Ihre Frau betrogen?M: Frau Pogosowa! Das ziemt sich nicht für eine Frau Ihrer Klasse, so etwas zu sagen!F: Was ziemt sich dann? Brav dazusitzen, während mein Mann in der ganzen Stadt herumhurt, und nichts zu sagen? Was heißt das überhaupt, eine Frau meiner Klasse?M: Das heißt eine Frau mit ihrer Position in der Fabrik.F: Drohen Sie mir?M: Wir bitten Sie nur, zu bedenken, was für Konsequenzen das für Sie haben könnte. Eine Frau verliert schnell ihr Ansehen vor dem Kollektiv, wenn so etwas herauskommt.F: Wieso verliere ich meins, wenn mein Mann hurt?M: Jetzt seien Sie nicht so. Das wirft doch auch ein bestimmtes Licht auf Sie. Als Frau. Das möchte doch keiner.F: Ich will mich scheiden lassen. Punkt. M: Wir wollen Sie zu nichts zwingen. Wir bitten nur, dass Sie sich Zeit geben, über alles nachzudenken. Bevor es zu spät ist.F: Bevor was zu spät ist?M: Bevor Sie es nicht wieder rückgängig machen können.F: Ich will mich scheiden lassen.M: Sie verhalten sich sehr unkollegial.F: Das Kollektiv steht hier nicht zur Diskussion. Sondern ich. Und mein Leben. M: Sie dürfen das Kollektiv nicht aus Ihrem Leben ausschließen.F: Wer sagt das?M: Das versteht sich doch von selbst. Das Leben, das wir führen, steht im Zeichen eines Ideals, das exzentrischen Individualismus nicht dulden kann. Wir können es uns nicht leisten, immer nur an uns zu denken. Wir haben ein Ziel, Frau Pogosowa. Eine Idee. Wir kämpfen einen Kampf. Gemeinsam. Das schließt Sie genauso ein. Sie und Ihr Privatleben. Ich hoffe, Sie wollen sich da nicht separieren.