Liebe Zuschauerinnen
und Zuschauer,
liebe Theaterfreunde,
 
herzlich willkommen zur neuen Spielzeit am Staatsschauspiel Dresden!
Ich freue mich sehr, Ihnen hier das neue Ensemble und unseren Spielplan vorzustellen und möchte Ihr Interesse wecken für unsere erste gemeinsame Saison.
Globalisierung und digitale Revolution haben zu tiefgreifenden Umbrüchen geführt. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt rasant verändert. Viele Menschen fliehen vor Perspektivlosigkeit, Armut und Krieg und suchen Zuflucht in Europa. Diese Zuwanderung erfüllt viele Menschen mit Sorge. Populistische Parteien in Deutschland und Europa schlagen daraus Kapital und propagieren die Ausgrenzung von allem Abweichenden und Fremden. Aus VIELFALT wird Einfalt und häufig genug Hass. „Dem Hass begegnen lässt sich nur, indem man seine Einladung, sich ihm anzuverwandeln, ausschlägt. Es gilt zu mobilisieren, was den Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel“, schreibt die Publizistin und Philosophin Carolin Emcke, die 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. „Vielleicht ist der wichtigste Gestus gegen den Hass: sich nicht vereinzeln zu lassen. Sich nicht in die Stille, ins Private, ins Geschützte des eigenen Refugiums oder Milieus drängen zu lassen. Vielleicht ist die wichtigste Bewegung die aus sich heraus. Auf die anderen zu. Um mit ihnen gemeinsam wieder die sozialen und öffentlichen Räume zu öffnen.“
Das Theater ist einer der wichtigen frei gestaltbaren Räume unserer Demokratie, ein Labor sozialer FANTASIE. Jenseits von Ideologie kann hier die Debatte um die Frage, wie wir leben wollen, vorbehaltlos geführt werden. Theater besteht auf Differenzierung, weil es nur so der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen kann, und es stellt Entwürfe vor – Lebensentwürfe. Es erzählt, mal unterhaltend, mal irritierend, aber immer ermutigend vom Glück, vom Scheitern, von Hoffnungen und Enttäuschungen, von Anpassung und Widerstand, von Aufstand und Unterdrückung, Verzweiflung und Trost. Vor allem aber bestärkt es uns in der Hoffnung, dass wir die Verhältnisse lenken, nicht umgekehrt.
Dass wir unsere Spielzeit am Wochenende der Bundestagswahl beginnen, gibt den Fragen nach der Verfasstheit unserer Demokratie besondere Dringlichkeit und hinterlässt, wie Sie sehen werden, deutliche Spuren im Spielplan.
Viele Künstler*innen haben sich für das Staatsschauspiel Dresden gewinnen lassen: Schauspielerinnen und Schauspieler aus Berlin, Bern, Bochum, Braunschweig, Bremen, Craiova, Frankfurt, Hamburg, München, Oldenburg und Stuttgart werden gemeinsam mit den Ihnen bereits bekannten Darstellerinnen und Darstellern ein neues Ensemble bilden.
Ich freue mich sehr, dass Daniela Löffner und Mina Salehpour als Hausregisseurinnen nach Dresden kommen, dass Andreas Kriegenburg, Volker Lösch und Friederike Heller weiter in Dresden arbeiten und dass – um nur einige zu nennen – Ulrich Rasche, Sebastian Hartmann und Rainald Grebe erste Arbeiten am Staatsschauspiel zeigen werden.
Die Einladung der Regisseurinnen und Regisseure mit ihren unterschiedlichen Handschriften zielt auf ästhetische Vielfalt. Die braucht es, um sich den konkreten sozialen Zusammenhängen unserer Stadt und unserer Lebenswelt (in Geschichte und Gegenwart) angemessen zu nähern.
Die Bürgerbühne wird ihre Arbeit unter der Leitung von Miriam Tscholl mit neuen Formaten in der Regie von Marta Górnicka, Edit Kaldor und Nuran David Calis fortsetzen – zum Teil mit Unterstützung aus dem Schauspielensemble.
Mit Fast Forward, dem europäischen Festival für junge Regie, kommt ein in Europa und Deutschland einmaliges Format nach Dresden. Es ist ein gelebtes Stück Europa und wird den Ruf der Stadt als weltoffener Gastgeber untermauern.
Außerdem wollen wir uns in Zukunft noch intensiver an unsere jüngeren Zuschauer*innen wenden. Wir werden die Vermittlungsarbeit verstärken, um ihnen einen offenen Zugang zum Theater und damit zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, denn darauf haben sie ein Recht.
Wir haben uns viel vorgenommen. Wünschen Sie uns GLÜCK.
Wir freuen uns auf Sie!
 
Ihr
Joachim Klement
Designierter Intendant Staatsschauspiel Dresden

Spielzeitbuch 2017/2018 zum Download (8140 kB)
Spielzeitheft Bürgerbühne 2017/2018 zum Download (2126 kB)
Pressemappe Spielzeit 2017/2018 (1525 kB)