Jugend-Performance-Wettbewerb „unart“ am Kleinen Haus geht erfolgreich zu Ende. Zwei Gewinnergruppen gehen auf Tournee in Frankfurt, Berlin, Hamburg und Dresden.

Mit einer großen Party ging am Donnerstag, den 19. Januar das Performance-Festival „unart“ an der Bürgerbühne des Staatsschauspiel Dresden zu Ende. Das Kleine Haus in der Glacisstraße war ausverkauft und die 52 Dresdner Jugendlichen zeigten vor insgesamt 770 begeisterten Zuschauern ihre eigenen Performances, die sie mit Unterstützung von Künstlern erarbeitet hatten. Die Jury, bestehend aus Felicitas Loewe (Intendantin Theater Junge Generation), Carmen Mehnert (Programmleitung Performing Arts Europäisches Zentrum der Künste Hellerau ), Lukas Schädler  17 Jahre, (Darsteller an der Bürgerbühne), Wilfried Schulz (Intendant des Staatsschauspiel Dresden) und Miriam Tscholl (Leiterin der Bürgerbühne) wählte zwei Gruppen aus, die ihre Performances auf einer Tour im Schauspiel Frankfurt, Maxim Gorki Theater Berlin und am Thalia Theater Hamburg zeigen werden. Die Dresdner Gewinnergruppen sind „abart bei unart“ (Veronika Heisig, Veronika Schultze, Marlene Woschni) und „Wir können was, was ihr nicht könnt!“ (Tom Köbisch, Stanley König, Minna Neumann, Antonio Schäler, Fanny Wendisch, Nick Schreiber, Nico Wiedemann).

„abart bei unart“

„Wir können was, was ihr nicht könnt!“


Die erste Jurybegründung lautet:
„Auch die Jury konnte sich dem Mut und dem Humor der drei jungen Frauen der Performance ‚abart bei unart‘ nicht entziehen. Die Performerinnen greifen den Wettbewerbsgedanken von ‚unart‘ auf und setzten sich damit intelligent und kritisch, auch selbstkritisch, auseinander. Die Performerinnen haben den Versuch der Veranstalter, den Wettbewerbsgedanken nicht in den Vordergrund zu stellen, produktiv sabotiert. Diese inhaltliche Provokation trifft den Nerv der Veranstaltung und unserer Gesellschaft.
Die Dramaturgie ist voller Überraschungen und Brüche, was die 15 Minuten spannend und unterhaltsam macht. Die Performerinnen gehen fantasievoll mit Kostüm, Sprache, Musik und ihrem Körper um, haben Mut zur Hässlichkeit und knüpfen mit ihrer Performance an zeitgenössischen Theaterformen wie beispielweise René Pollesch oder Elfriede Jelinek an. Einen ehrlichen und ernsthaften Moment, in dem die Jugendlichen nicht nur formulieren, was sie nicht wollen, hätte sich die Jury gewünscht, aber da die Performerinnen augenscheinlich durch Nicht-Gefallen gefallen wollen, wird dies nicht nur respektiert, sondern auch honoriert. Die drei Darstellerinnen haben selbstverständlich die freie Wahl, die Bonbons der Jury abzulehnen.“

Das Ensemble der Produktion „Wir können was, was ihr nicht könnt!“ setzt sich zusammen aus Breakdancern des Kulturzentrums EMMERS und aus Schülern des Förderzentrums für Hörgeschädigte. Die Begründung der Jury lautet:
„Hier treffen zwei Gruppen aufeinander, die beide eine eigene Kunstform beherrschen. In der Begegnung ergibt sich für die Jury ein überzeugendes Wechselspiel der beiden Körpersprachen. Inhalt und Form gehen dabei auf kluge Weise Hand in Hand. Beide Gruppen finden ihren eigenen authentischen Ausdruck, der aber erst im Zusammenspiel ungewöhnlich und neu für unsere Wahrnehmung wird.
Die Dramaturgie ist einfach, fast naiv, schafft aber gerade in der Begrenzung der künstlerischen Mittel eine inhaltliche Klarheit und einen Freiraum für die körperlichen Ausdrucksformen der Darsteller. Die schriftlichen Kommentare auf der Projektionswand kommen ebenfalls einfach, aber eben deshalb direkt und unverstellt beim Betrachter an. Den Jugendlichen gelingt damit eine nahe und konkrete Anknüpfung an ihre eigene Erlebenswelt. Die interkulturelle Begegnung der beiden Gruppen ist außerdem, sowohl für die Spieler als auch für das Publikum, von sozialer und politischer Relevanz.“

Am 2. März 2012 um 18:00 Uhr werden die Gewinnergruppen aus Dresden, Hamburg, Berlin und Frankfurt im Kleinen Haus 1 des Staatsschauspiels Dresden zu sehen sein.

Der Jugend-Performance-Wettbewerb ist eine Initiative der BHF-BANK-Stiftung in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Maxim Gorki Theater Berlin, dem Thalia Theater Hamburg und dem Staatsschauspiel Dresden.