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Leonce und LenaAuf Facebook teilen

von Georg Büchner | Regie: Sabine Auf der Heyde | Premiere am 19. Februar 2010 | Kleines Haus 1

Müßiggang ist aller Laster Anfang. – Was die Leute nicht Alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich an der Langeweile und– und das ist der Humor davon – Alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merken warum, und meinen Gott weiß was dabei. Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese  Sünder, diese Familienväter sind im Grunde nichts als raffinierte Müßiggänger.

Müßiggang grassiert im Königreich Popo. Leonce, Kronprinz von Popo, zählt Sandkörner und übt, auf Steine zu spucken, während sein Vater, König Peter von Popo, über dem Philosophieren die Staatsgeschäfte vergisst. Erst die angeordnete Hochzeit zwischen Leonce und der ihm unbekannten Prinzessin Lena vom Nachbarstaat Pipi bringt Leben in den Ministaat und lässt den Prinzen mit seinem Freund und Seelenverwandten Valerio nach Italien fliehen. Auf der Flucht trifft er eine schöne Unbekannte: Prinzessin Lena, die ebenfalls vor der Hochzeit geflüchtet ist. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf und beschließen zu heiraten. Verkleidet kehren sie nach Hause zurück und merken erst nach der Trauung, dass sie genau in dem ­Leben gelandet sind, vor dem sie zu fliehen versuchten.
Der Revolutionär Georg Büchner, der wegen seiner Flugschrift „Der Hessische Landbote“ steckbrieflich gesucht wurde und mit nur 23 Jahren im Exil starb, hat mit „Leonce und Lena“ nicht nur eine heitere Satire auf romantische Vor­stellungen geschrieben, sondern auch einen zynischen Kommentar zu den
Verhältnissen seiner Zeit: Der Absolutismus hat sich selber überlebt, das deutsche Kaiserreich zerfällt in zahlreiche Kleinstaaten, die adlige Schicht vertreibt sich die Langeweile, während das Volk Hunger leidet. „Ich glaube man muss die abgelebte moderne Gesellschaft zum Teufel gehen lassen“, schreibt er an seinen Freund und Verleger Karl Gutzkow. Doch die Revolution ist gescheitert und eine Veränderung der Verhältnisse nicht in Sicht. Dieser Situation zwischen Stagnation, Utopieverlust und Perspektivlosigkeit verpasst Büchner die heitere Maske des „Lustspiels“, wie er das Stück nennt. Die Gesellschaft befindet sich im Kreisverkehr, einen Ausweg gibt es nicht, und die kommende Generation macht auch nichts besser ... Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!

Sabine Auf der Heyde war Regieassistentin am Deutschen Theater, vor allem bei Jürgen Gosch, und inszenierte dort auch ihre ersten eigenen Arbeiten.

Besetzung:

Prinz Leonce, Sohn von König Popo: Thomas Braungardt
Valerio: Stefko Hanushevsky
König Peter vom Reiche Popo: Ahmad Mesgarha
Hofmeister: Helga Werner
Rosetta: Matthias Luckey
Prinzessin Lena vom Reiche Pipi: Mila Dargies
Die Gouvernante ab 07.04.2010: Ina Piontek
Die Gouvernante: Karina Plachetka

Regie Sabine Auf der Heyde
Bühne Ann Heine
Kostüm Johanna Pfau
Musik Jacob Suske
Licht Olaf Rumberg
Dramaturgie Felicitas Zürcher