In Würdigung und Erinnerung an den langjährigen Schauspieler des Staatsschauspiels Dresden lobt der Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V. aller zwei Jahre den ERICH-PONTO-PREIS für ein Ensemblemitglied des Staatsschauspiels aus. Der Preis soll in erster Linie der Nachwuchsförderung dienen. Er wurde erstmals 1999 vergeben.
Der Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V. verleiht den ERICH-PONTO-PREIS 2010 an Christian Friedel für seine ausdrucksstarken darstellerischen Leistungen in sehr unterschiedlichen, tragenden Rollen und seine besondere schauspielerische Begabung auf den Bühnen des Staatsschauspiels Dresden. Dresden, den 25. Juni 2010Prof. Dr. Dr. h. c. Achim MehlhornPräsident des Fördervereins Staatsschauspiel Dresden e. V.Auszug aus der Laudatio Vier Rollen hat Christian Friedel bislang am Staatsschauspiel Dresden gespielt, Goethes Wilhelm Meister in der großen Spielzeiteröffnungsinszenierung, den jungen Peer Gynt, den Alwa in einer hochmusikalischen „Lulu“ und zuletzt Schillers Don Carlos. Es waren sehr unterschiedliche Inszenierungen, einmal zart und verspielt, ein andermal wild und kämpferisch, dekonstruierend oder fast filmisch und episierend. Und jedes Mal stand Christian Friedel in der Mitte eines hervorragenden Ensembles, spielte einfach mit und nahm sich doch seinen Raum. Christian Friedel ist ein Spieler, leichtfertig und tief zugleich, der seinen Figuren mit großer Zärtlichkeit begegnet. Oft scheinen sie noch sehr jung, fast kindlich naiv, getragen von einer großen Sehnsucht und Lebensgier. Man ahnt den Verlust, den das Leben mit sich bringen wird, und beneidet den Menschen auf der Bühne um die Absolutheit seines Anspruchs an sich und die anderen: Je nach literarischem Genre ist seiner Entwicklung so eine feine Komik oder eine melancholische Trauer, manchmal auch Verzweiflung und Tragik eingeschrieben. Die Menschen, die er darstellt, sind wahr und lebensnah, aber sie werden auch immer gehalten von einer Form. Dem schaut man gerne zu, weil diese Form mit Lust und mit Leichtigkeit, mit Humor und Lebenszugewandtheit, mit hoher Musikalität und Eleganz hergestellt wird. Christian Friedel kann eine Idee und eine Figur spielen, ohne dass dies zu einem Widerspruch wird. So entsteht eine schöne, ernsthafte, warme und moderne Art, Theater zu spielen, nahe beim Publikum, verführerisch, sehr besonders und selten. Wir bedanken uns bei Christian Friedel dafür mit dem ERICH-PONTO-PREIS.Wilfried SchulzVitaChristian Friedel wurde 1979 in Magdeburg geboren. Er studierte von 2001 bis 2004 Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ab 2004 war er am Bayerischen Staatsschauspiel und an den Münchner Kammerspielen engagiert. Er spielte in dieser Zeit u. a. in der Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Bayerischen Staatsschauspiel „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in der Regie von Barbara Frey und in „Maß für Maß“ in der Regie von Dieter Dorn. Von September 2006 bis Juli 2009 war Christian Friedel fest im Ensemble des Schauspiel Hannover engagiert. Dort spielte er den Franz Moor in Friedrich Schillers „Die Räuber“, die Titelrolle in Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ sowie in Pierre Corneilles „Triumph der Illusionen“, inszeniert von Julia Hölscher. Desweiteren war er zu sehen in Rafael Sanchez’ Inszenierung „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist und in Liederabenden von Franz Wittenbrink. Außerdem ist er Alwa in David Martons Inszenierung der „Lulu“, die seit der Spielzeit 2009.2010 auch auf dem Spielplan des Staatsschauspiels Dresden steht. 2007 wurde Christian Friedel von Regisseur Michael Haneke für eine Hauptrolle in dessen neuen Spielfilm „Das weiße Band“ (d, 2008) engagiert. Der Film wurde ein Welterfolg und u. a. mit dem deutschen und dem europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Er gewann 2009 in Cannes die Goldene Palme und 2010 einen Golden Globe und wurde für zwei Oscars nominiert. Seit der Spielzeit 2009.2010 ist Christian Friedel Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden und spielte schon in der ersten Spielzeit eine Reihe großer Rollen.Rollen Don Carlos in „Don Carlos“ von Friedrich Schiller Regie: Roger Vontobel Alwa in „Lulu“ nach der Monstretragödie von Frank Wedekind und der Oper von Alban Berg Regie: David Marton Peer Gynt in „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen in einer Bearbeitung von Nuran David Calis Regie: Nuran David Calis Wilhelm Meister in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ von Johann Wolfgang von Goethe Regie: Friederike HellerErich Ponto geboren 1884 in Lübeck 1908 erstes Engagement am Stadttheater in Passau 1912 Engagement am Stadttheater Düsseldorf ab 1914 im Ensemble des Hof-, später des Staatstheaters in Dresden 1928 Rolle des Bettlerkönigs Peachum in der Uraufführung der dreigroschenoper nach Kriegsende 1945 Generalintendant der Dresdner Bühnen 1947 Engagement am Württembergischen Staatstheater Stuttgart Arbeiten am Deutschen Theater Göttingen, an den Münchner Kammerspielen und den Städtischen Bühnen Wuppertal sowie bei Funk und FilmPreisträger 1999 Philipp Otto 2000 Marianna Linden 2001 Jonas Fürstenau 2002 Tessa Mittelstaedt 2003 Philipp Lux 2004 Ahmad Mesgarha 2006 Christine Hoppe 2008 Dirk Glodde 2010 Christian Friedel