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  • Wohnt in Striesen ein Drachentöter?

Die NibelungenAuf Facebook teilen

Eine Heldensaga mit Jugendlichen aus Dresden nach Friedrich Hebbel und Moritz Rinke | Regie: Marc Prätsch | Premiere 25. September 2009 | Kleines Haus 1
Die Bürgerbühne Markierung: Die Bürgerbühne

Wohnt in Striesen ein Drachentöter?

Auf der Suche nach den Nibelungen heute
  
Eine Königin lebt auf einer Burg, die von einem Flammensee umgeben ist. Eine Prinzessin, die sich nie verlieben wollte, träumt von einem Falken und findet das Glück. Ein Held zieht durch die Welt, erschlägt Drachen und erbeutet fantastische Schätze mithilfe einer Tarnkappe, die ihn unsichtbar macht und was hat das alles mit uns zu tun?
 
Viereinhalb Monate lang haben sich zwanzig Jugendliche aus Dresden und Region zwischen 13 und 24 Jahren auf die Suche nach der Antwort auf diese Frage begeben. Dabei haben sie erstmal viele neue Fragen gestellt: Wie funktioniert eigentlich eine Tarnkappe? Was macht einen König zum König? Schützt äußerliche Unbesiegbarkeit vor allen Verletzungen? Warum neigt der Mensch dazu, das Fremde zu fürchten und abzulehnen? Kann eine Mutter nur von einer Frau gespielt werden und muss ein erfahrener Ritter immer ein Mann sein?
 
Die Dresdner Jugendlichen erzählen die Geschichte der Nibelungen aus ihrem Blick auf die Welt und machen sie sich so zu eigen. Die Spielerinnen und Spieler haben sich mit ihren Figuren verbündet und all ihre Facetten ausgelotet. Und plötzlich trifft man auf einen König Gunther, der einem sehr nahe rückt. Weil er einsam ist und von einer wunderschönen Frau träumt, obwohl er fürchtet, ihr nicht gewachsen zu sein. Sein Bruder Giselher ist ein Ritter, der es nicht ertragen kann, dass seine Lieblingsschwester sich in einen Fremden verliebt. Was es bedeutet, der Fremde zu sein, weiß dieser Siegfried nur zu gut hat er nicht zuletzt auch deshalb seine Haut im Drachenblut gehärtet, um für immer allen Anfeindungen standzuhalten. 
 
Mit unendlicher Spiellust, mit viel Mut, Intelligenz, Humor und Begeisterung haben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler die Figuren und ihre Schicksale zunächst beobachtet und schließlich zu sich herangezogen. Sie haben damit bewiesen, dass die Sage um die Nibelungen im Kern zeitlos ist, weil ihre Themen zutiefst menschlich sind: Liebe, Eifersucht, Verrat, Sex, Gier, Treue und Rachsucht treiben die mythischen Heldinnen und Helden um. Zwar sind sie bemüht, nach vernünftigen und ethischen Grundsätzen zu handeln, werden aber immer wieder von der Kraft ihrer Triebe und Instinkte überlistet. Kriemhild, Siegfried, Gunther, Hagen und die anderen sehnen sich nach dem Glück, sie hassen ebenso heftig, wie sie lieben, fürchten nichts und kennen kein Maß. Der Glaube an die eigene ungebändigte Kraft treibt sie an, jede Herausforderung des Lebens zu bestehen, mit welchen Mitteln auch immer.
 
Immer wieder wird die Sage als urdeutsch bezeichnet, die geheime Lust am Untergang und die damit verbundene Nibelungentreue ist mit der Instrumentalisierung des Epos´ über die Jahrhunderte hinweg bis in die jüngste deutsche Geschichte sprichwörtlich geworden. In dieser Inszenierung treffen die weihevollen Verse Friedrich Hebbels auf Moritz Rinkes heutigen Ton und rücken damit den jugendlichen Schauspielern ein gutes Stück näher. Ihre eigene Alltagssprache ist das Bindeglied, das sowohl die komischen wie die tragischen Momente authentisch werden lässt.
 
Beret Evensen