Das gesamte Festival im Überblick | 31.10. bis 8.11.2009 | Kleines Haus in Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit dem Staatsschauspiel Dresden, dem Theaterbüro Mülheim an der Ruhr und der Bundeszentrale für politische BildungEin europäisches Theaterfestival: Neue Stücke zum gesellschaftlichen Wandel in Europa 20 Jahre nach dem Fall der Mauer Der Fall der Mauer am 9. November 1989 bewirkte über Deutschland hinaus in ganz Europa grundlegende gesellschaftliche und politische Veränderungen. 20 Jahre nach dem Mauerfall beleuchtet After the Fall die Auswirkungen dieses Umbruchs auf Deutschland und Europa: 17 Dramatiker in ganz Europa wurden damit beauftragt, Theaterstücke zu schreiben, die den gesellschaftspolitischen Wandel in ihrer Heimat reflektieren. In 15 Ländern zeigen Theater vor Ort die neuen Stücke. Vom 31. Oktober bis 8. November sind acht dieser Stücke in Dresden und Mülheim an der Ruhr zu sehen. Die Produktionen spiegeln die verschiedenen Wahrnehmungen und Folgen des historischen Ereignisses des Mauerfalls in den europäischen Gesellschaften wider und geben einen Einblick in unterschiedliche Theaterlandschaften. Die eingeladenen Inszenierungen werden begleitet von Diskussionen und einer Vortragsreihe mit namhaften Referenten, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung.Samstag, 31. Oktober 2009 18:00 Uhr, Kleines Haus Mitte Festivaleröffnung durch Intendant Wilfried Schulz und den Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann sowie Ralf Lunau (Kulturbürgermeister). Vortrag Kunst und Revolution von Friedrich Dieckmann 19:00 – 19:50 Uhr, Kleines Haus 3 Gegenmittel (Antidot) von Nicoleta Esinencu Mobile European Trailer Theatre – Chişinău, Republik MoldauAuf Rumänisch mit deutschen Übertiteln „Du bist 10 und du kannst eine Kalaschnikow in 3 Minuten auseinandernehmen. Und dann wieder zusammen bauen.“ Abstumpfung gegenüber Gewalt, Waffen und Krieg. Töten als Mittel politischer Manipulation. Dunkel ist die Welt vor und nach dem Mauerfall in dem Theaterstück Gegenmittel. Die Republik Moldau wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig, doch Esinencu beschreibt ein Land am Rande Europas, in dem die alte Mentalität und der Zynismus der Mächtigen unverändert weiterleben. Regie: Nicoleta Esinencu | Mit: Rodica Oanţa, Valeriu Pahomi, Veaceslav Sambriş, Doriana Talmazan Uraufführung am 28. 11. 2008 im Centrul Constantin Brâncusi – Chişinău, Republik Moldau20:00 Uhr, Kleines Haus 2 Für alle reicht es nicht von Dirk LauckeUraufführung in deutscher Sprache Das Paar Jo und Anna findet auf seinen krummen Wegen in der ehemaligen DDR einen Lastwagen mit chinesischen Flüchtlingen und weiß nicht so recht, was mit ihnen anzufangen ist. Für alle reicht es nicht ist kein Stück über die Wende, sondern über die Not, heute sein Auskommen zu finden. „Die Mauer steht noch. Sie ist nur nach außen gerückt“, so der Autor Dirk Laucke. Regie: Sandra Strunz | Mit: Cathleen Baumann, Thomas Eisen, Melanie Lüninghöner, Torsten RanftSonntag, 1. November 2009 11:00 Uhr, Kleines Haus Mitte Vortrag Die neuen Mauern. Soziale Spaltungen in Europa nach 1989 von Heinz Bude 19:00 Uhr, Kleines Haus 3 Gegenmittel (Antidot) von Nicoleta Esinencu Mobile European Trailer Theatre – Chişinău, Republik MoldauAuf Rumänisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch Montag, 2. November 2009 19:00 Uhr, Kleines Haus Mitte Vortrag Übergang (PRZEJŚCIE) von Andrzej StasiukPolnisch mit deutscher Simultanübersetzung 20:00 Uhr, Kleines Haus 2 Warten auf den Türken (Czekając na Turka) von Andrzej StasiukAuf Polnisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch„Wo steht denn geschrieben, dass Veränderungen zum Besseren sind? Wenn jemand nun gar keine Veränderungen will? Darf jemand das nicht wollen?“ Am alten Grenzübergang zwischen Polen und der Slowakei treffen ehemalige Schmuggler, junge und alte Grenzer und eine Kioskverkäuferin aufeinander. Die Runde repräsentiert Typen und Generationen im heutigen Polen, die zwischen der Sehnsucht nach alter Ordnung und einer neuen verheißungsvollen Zukunft schwanken. Das Stück ist eine böse Farce, das an die Tabus der polnischen Gesellschaft rührt und die Sehnsucht nach der Vergangenheit sowie die falschen Versprechungen der Zukunft aufs Korn nimmt. Regie: Mikołaj Grabowski | Mit: Iwona Bielska, Piotr Głowacki, Zbigniew W. Kaleta, Wiktor Loga-Skarczewski, Katarzyna Maciąg, Jan Peszek, Paulina Puślednik (PWST), Jacek Romanowski, Krzysztof Wieszczek | Uraufführung am 19. 06. 09 am Stary Teatr – Krakau, PolenDienstag, 3. November 2009 20:00 Uhr, Kleines Haus 3Texte, Thesen, Theatertendenzen – Die anderen 10 Stücke. Martin Berg (Projektleiter Goethe-Institut), Jens Groß (Dramaturg Staatsschauspiel Dresden) und Ensemblemitglieder stellen weitere Stücke vor, die im Kontext von After the fall entstanden sind. Mittwoch, 4. November 2009 10:00 Uhr Schulworkshops in Dresdner Schulen mit dem Stück Not Yet von Sarah-Jane Dickenson (University of Hull, Großbritannien)19:00 Uhr, Kleines Haus Mitte Vortrag Verschlafene Augenblicke – Wie man eine Revolution erzählt von Jens Bisky 20:00 Uhr, Kleines Haus 1 Die Geschichte der Zukunft (Fremtidens Historie) von Christian Lollike Det Kongelige Teater – Kopenhagen, DänemarkAuf Dänisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch „Liebe Freunde, darf ich mein neues Werk vorstellen. Es heißt Taxidriver – readymade. Authentischere Kunst lässt sich nicht auftreiben. Prost!“ In Die Geschichte der Zukunft spürt Christian Lollike einer seit 1989 zunehmend unübersichtlicheren Welt nach. Fünf Schauspielerinnen springen in verschiedene Figuren und Situationen; sie erfinden u. a. die Figur einer Taxifahrerin als Verkörperung des Durchschnittsbürgers und arbeiten mit einer Montage von theoretischen Abhandlungen, journalistischen Reportagen, philosophischen Diskursen, Reklameslogans und Filmzitaten. Das Spiel wirft ein Schlaglicht auf den Komplex von Kunst, Leben, Armut, Reichtum, West und Ost, Multikulturalität, Glauben und Terror. Regie: Christian Lollike | Mit: Helle Fagralid, Nicolai Dahl Hamilton, Bodil Jørgensen, Morten Suurballe, Lisbeth Wulff | Uraufführung am 11. 09. 09 am Det Kongelige Teater - Kopenhagen, DänemarkDonnerstag, 5. November 2009 20:00 Uhr, Kleines Haus 3 WennMädchentötenkönnten (Omflickorkundedöda) von Åsa Lindholm Östgötateatern – Norrköping/Linköping, SchwedenAuf Schwedisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch „Es ist schwierig aus einem Land wie Schweden zu kommen, man muss hier nie richtig Angst haben.“ In einem wohlfahrts-betäubten Land von Sicherheits-Junkies lebten drei Mädchen, die sich „eine Weiße, eine Gelbe, eine Schwarze“ nannten. Ihre schwedische Bullerbü-Kindheit endete ganz plötzlich an einem Frühsommertag. Heute sind sie erwachsen und wundern sich über die Gegenwart. Die großen historischen Umwälzungen wie der Fall der Mauer wurden in diesem Land nur aus der Ferne verfolgt. Mit der Öffnung seiner Grenzen sind die Sorgen der Welt auch im toleranten Norden angekommen – ohne dass man so recht begriffen hätte, wie es dazu kommen konnte. Regie: Tereza Andersson | Mit: Bahare Razekh Ahmadi, Tobias Almborg, Gustaf Appelberg, Leila Haji, Eva Melander, Liselott Lindeborg, Ellen Siöö These | Uraufführung am 1.10.09 am Östgötateatern – Norrköping/Linköping, SchwedenFreitag, 6. November 2009 18:00 Uhr, Kleines Haus 3 Filmvorführung Turneja (Die Tournee, 2008) von Goran MarkovićOriginal mit englischen Untertiteln 20:00 Uhr, Kleines Haus 1 Der Fälscher (Falsifikator) von Goran Marković Beogradsko Dramsko Pozorište – Belgrad, SerbienAuf Serbisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch Goran Marković fahndet in Der Fälscher nach den Ursachen des Zerfalls von Jugoslawien nach 1989 und kehrt dabei zurück zu den Zeiten unter Tito. Sein Stück beschreibt am Beispiel des idealistischen Fälschers Anđelko anspielungsreich das Scheitern der jugoslawischen Utopie des Dritten Weges. Zurück bleibt eine Gesellschaft ohne Ideale und voller Gewalt. Eine Komödie des Niedergangs und ein Stück Ursachenforschung über die Schwierigkeiten, mit denen das Land auch heute noch kämpft. Regie: Goran Marković | Mit: Ljubomir Bandović, Milan Čučilović, Slobodan Čustić, Zoran Đorđević, Miodrag Krivokapić, Miloš Lazić, Natasa Marković, Dejan Matić Mata, Savo Radović, Danica Ristovski, Daniel Sič, Tihomir Stanić, Ivan Tomić, Nikola Jovanović/Stojan Đorđević | Uraufführung am 17. 05. 09 am Beogradsko Dramsko Pozorište – Belgrad, SerbienSamstag, 7. November 2009 15:00 Uhr, Kleines Haus 3 Podiumsdiskussion Perspektiven internationaler Zusammenarbeit im Theater: Sind internationale Netzwerke, Koproduktionen und Gastspiele die Zukunft der Theaterproduktion? 18:00 Uhr, Kleines Haus 3 Podiumsdiskussion Gibt es ein „internationales Theater“ – und was macht das „Internationale“ aus dem Theater? – Ästhetische und inhaltliche Folgen des globalisierten TheaterbetriebsSonntag, 8. November 2009 11:00 Uhr, Kleines Haus Mitte Vortrag Der Fall des Eisernen Vorhangs und die Entwicklungsländer: Die „Dritte Welt“ seit dem Wegfall der „Ersten“ und „Zweiten“von Jean Ziegler 19.00 Uhr, Kleines Haus 1 Die Mauer (Zidul) von Theodora Herghelegiu Teatrul Toma Caragiu – Ploieşti, RumänienAuf Rumänisch mit deutschen ÜbertitelnIm Anschluss Publikumsgespräch „G: Am schlimmsten ist es wenn man so weit ist, dass man die Dinge hasst, die man geliebt hat – 15 – 0! H: Nein. Am schlimmsten ist es wenn sie einem gleichgültig geworden sind.“ Groteske Alltagsdialoge, die gescheiterte Protestaktion einer Theatergruppe und das Einstimmen eines rumänischen Volksliedes sind Teile des Triptychons Die Mauer. Das Stück beschreibt die rumänische Gesellschaft als eine zutiefst zerrissene, in der die Verletzungen der Diktatur nicht vernarbt sind und soziale Ideen von leichgültigkeit verdrängt werden. Zugleich reflektiert es die Situation des rumänischen Gegenwartstheaters. Regie: Theodora Herghelegiu | Mit: Adela Ancuţa, Adrian Anuta, Antonio, Karl Baker, Ion Radu Burlan, Cristina Castache, Mădălina Cobzaru, Constantin Cojocaru, Iustin Gâlea, Alexandru Mihai, Cristina Moldoveanu, Titica Neacşu, Otilia Pătraşcu, Alexandra Olaru, Cristian Popa, Mihaela Popa, Roxana Ivanciu, Alice Tâsicâ, Laurenţiu Vasile, Raluca Zamfirescu | Uraufführung am 21.05.09 am Teatrul Toma Caragiu - Ploieşti, RumänienEINTRITT 10,00 € Einheitspreis je Vorstellung in allen Spielstätten. Festival-Pass 30,00 € – Einmal zahlen und sieben besuchen (incl. Voraufführung Für alle reicht es nicht). Der Eintritt zu den Vorträgen, Diskussionen, der Stückpräsentation und der Filmvorführung ist frei. KARTENVERKAUFTelefonischer Kartenverkauf: 0351 . 49 13 555Schauspielhaus: Mo bis Fr 10.00 – 18.30 Uhr, Sa 10.00 – 14.00 UhrKleines Haus: Mo bis Fr 14.00 – 18.30 Uhr Zahlung mit Kredit- und ec-Karte ist möglich. Die Abendkassen öffnen jeweils 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn. SCHULPROGRAMM Das Staatsschauspiel Dresden und die Bundeszentrale für politische Bildung haben ein Angebot für Dresdner Schulen zusammengestellt und bieten Theaterworkshops und Gespräche an, z. B. mit dem Autor Dirk Laucke (Für alle reicht es nicht) und der Autorin Sarah-Jane Dickenson (Not Yet / Deutsch von Dr. Anselm Heinrich).Kontakt: Maike Döschner, Tel. 0351 . 4913 742 oder per E-Mail theaterpaedagogik@staatsschauspiel-dresden.de Milena Mushak, Tel. 0228 . 995 15 518, E-Mail mushak@bpb.de