Die Zärtlichkeit der Russen
Aus dem Leben einer Kriegsgeneration | von Dagrun Hintze | Regie: Sandra Strunz | Uraufführung am 8. Dezember 2011 | Kleines Haus 3
Die Bürgerbühne 
„Die anderen, das ist ja eine Tatsache, dass die eine Kindheit besitzen. Aber ich kann mir da nicht 100-prozentig sicher sein“, sagt eine Frau in „Die Zärtlichkeit der Russen“ von Dagrun Hintze. Die Dramatikerin hat über ein Jahr lang Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern eines Alten- und Pflegeheims geführt. Daraus ist ein Stück entstanden, in welchem neun Personen über ihr Leben erzählen. Oder vielmehr versuchen, davon zu erzählen. Denn Erinnerungslücken, Schuldgefühle oder traumatische Kriegserlebnisse machen es schwer, Sinn und Ordnung in die eigene Erzählung zu bringen. Der Zweite Weltkrieg hat alle Figuren in ihren jungen Jahren geprägt. Frau H hat ihren Mann verloren, Frau K erinnert sich vor allem an Schokolade und berichtet im Nebensatz, ihr Vater habe sich 1945 am Grab ihrer Mutter erschossen. Herr Z verlor im Krieg einen Arm und beklagt vor allem die Härten seines Schicksals: Scheidung, Bruch mit den eigenen Kindern, Alkoholismus, Schulden. Schöne Erinnerungen hat er nicht. „Und wenn doch, als Kind oder so, dann habe ich sie vergessen.“
Dennoch wirft das Zeitdokument einen zärtlichen Blick auf die Erzählenden, auch wenn nichts ausgespart wird. Das führt zuweilen zu brutaler Komik, zum Beispiel wenn Frau W zu ihrer Tochter sagt: „Mich hat neulich jemand gefragt, ob ich eine schöne Jugend gehabt hab. Hab ich doch, oder?“ Die Tochter: „Nee. Aber wenn du meinst.“
Dauer der Aufführung: 1 ½ Stunden, keine Pause
Besetzung:
Frau P: Margareta Opitz-Heckmann
Herr Z: Bodo Kade
Frau K: Eva-Maria Ganze
Frau B: Uta Brückner
Mutter W: Christa Hasenkrüger
Tochter W: Heide-Marie Naubereit
Herr R: Fritz Rösler
Kinder: Tim Ellis, Kaja Pfüller / Alisa Zoe Elsner, Clara Haas
Pianist: Julius Eberhard
Regie Sandra Strunz
Bühne Judith Kästner
Kostüm Belén Montoliú Garcia
Musik Michael Emanuel Bauer
Licht Andreas Rösler
Dramaturgie Beret Evensen