Premiere 29.03.2018 › Schauspielhaus

Erniedrigte und Beleidigte

nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
unter Verwendung der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz
Auf dem Bild: Luise Aschenbrenner, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi, Moritz Kienemann, Viktor Tremmel, Torsten Ranft
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Yassin Trabelsi, Moritz Kienemann, Torsten Ranft, Luise Aschenbrenner, Viktor Tremmel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Viktor Tremmel, Moritz Kienemann, Nadja Stübiger, Torsten Ranft, Lukas Rüppel, Luise Aschenbrenner
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Moritz Kienemann, Eva Hüster, Yassin Trabelsi, Viktor Tremmel, Nadja Stübiger, Lukas Rüppel, Torsten Ranft, Fanny Staffa
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Viktor Tremmel, Luise Aschenbrenner, Moritz Kienemann
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Nadja Stübiger, Eva Hüster, Viktor Tremmel, Luise Aschenbrenner, Moritz Kienemann, Lukas Rüppel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Eva Hüster, Luise Aschenbrenner, Nadja Stübiger
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Yassin Trabelsi, Nadja Stübiger, Moritz Kienemann, Viktor Tremmel, Eva Hüster
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Torsten Ranft, Moritz Kienemann
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Fanny Staffa, Moritz Kienemann
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Yassin Trabelsi und Ensemble
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Moritz Kienemann
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Lukas Rüppel, Fanny Staffa
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Luise Aschenbrenner, Viktor Tremmel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Torsten Ranft, Moritz Kienemann
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Ensemble
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Viktor Tremmel, Eva Hüster, Moritz Kienemann, Torsten Ranft, Yassin Trabelsi, Lukas Rüppel, Luise Aschenbrenner, Fanny Staffa
Foto: Sebastian Hoppe
Handlung
„… aber was soll ich tun, wenn ich bestimmt weiß, dass die Grundlage aller menschlichen Tugenden der größte Egoismus bildet.“

Dostojewski lässt in seinem Roman, erschienen 1861, den fiktiven Autor Iwan Petrowitsch auf den Zyniker Fürst Walkowski treffen, dem es Vergnügen bereitet, alles Gerede über Altruismus und selbstaufopfernde Liebe als bloße Illusion zu verspotten. Beide begegnen sich eines Abends im von Dostojewski als düsterer Großstadtmoloch geschilderten Petersburg. Walkowski hat seinen Sohn, den willensschwachen, kindlichen Aljoscha, bei seinem Verwalter und dessen Familie, den Ichmenews, untergebracht, bei denen auch der junge Dichter aufwuchs. Die Tochter der Ichmenews, Natascha, verliebt sich und verlässt mit Aljoscha die Familie. Walkowski verklagt seinen Verwalter und bezichtigt ihn der Intrige. In rasanter Folge gehen die Liebesverwirrungen sowie deren skrupellose Instrumentalisierung und der soziale Abstieg ganzer Familien ineinander über. Despotisch ist nicht nur der Fürst, sondern alle Figuren sind von ihrem verletzten Selbst und der Sucht nach Genugtuung getrieben. Hinter den großen Emotionen aber geht es schlicht um Vermögensanteile: „Das Leben ist ein Handelsgeschäft; werfen sie ihr Geld nicht umsonst weg“, rät Walkowski dem mittellosen Dichter.
Dauer der Aufführung: ca. 2 Stunden und 45 Minuten.
Keine Pause.
Video
Nächste Termine
http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
2
Sa
Jun
19.30 - 22.15 Uhr
Schauspielhaus
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
unter Verwendung der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz
Im Anschluss Publikumsgespräch
Preis: 15 € bis 27 €
http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
22
Fr
Jun
19.30 - 22.15 Uhr
Schauspielhaus
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
unter Verwendung der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz
Im Anschluss Verleihung des Erich-Ponto-Preises 2018
Preis: 15 € bis 27 €
Pressestimmen
„Gesamtkunstwerk klingt seltsam, ist kaum aussprechbar, trifft es aber. Großes, größenwahnsinniges Theater.“
Matthias Schmidt, 30.03.2018, nachtkritik.de
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30.03.2018
„Es beginnt mit Nebel und fetten, pathetischen Streichern. Und Rennen und Strampeln und Lautsprechen. Mit einer weißen Riesen-Leinwand auf einer leeren Bühne. Mit ruhelosen, gehetzten, leicht hysterisch wirkenden Kreaturen, die sich selbst und die Liebe suchen in einer irgendwie verqueren Welt, dabei stets zwischen dem Dostojewski-Universum und diversen Diskursen über die Kunst und das Theater herummäandernd, zwischen Komik und Alberei und Drama und Angst. Fast drei Stunden werden sie im Halbdunkel herumgeistern und dabei spielen und sprechen, als ginge es um ihr Leben. Am Ende stehen sie, nass und verschmiert und redlich geschafft, in einem in Dresden lange nicht dagewesenen Gebrodel aus Beifall und Jubel einerseits sowie Buhrufen und frustriert wirkenden Herauseilern andererseits.
Aus Leipzig kommend, möchte man den Dresdnern, auch denen, die vorzeitig den Saal verlassen und denen, die am Ende nach Kräften gebuht haben, zurufen: Jauchzet, frohlocket, denn jetzt habt auch ihr einen echten Hartmann. Jetzt könnt ihr selbst erleben, wie es sein kann, das Theater, wenn es die Konventionen sprengt, frei und wild, respektlos und verrückt und, ja, auch anstrengend. Was wirklich ganz und gar nicht hämisch gemeint ist, im Gegenteil.
Gesamtkunstwerk klingt seltsam, ist kaum aussprechbar, trifft es aber. Diese Inszenierung ist, gibt man sich ihr hin, wie eine Droge. Tut man es nicht, kann sie einem, zugegeben, ziemlich auf die Nerven gehen.
Sebastian Hartmann scheint zum Publikum zu sprechen, teils mit der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz, teils ganz direkt. Sinnlich will er verstanden werden und nicht mit dem Verstand, hören wir. Nicht um den Roman geht es, sondern um die Zuspitzung von Alltagserfahrungen, nicht um die Handlung, sondern um den Sound.
Vor allem um den Sound! Hier soll keine Geschichte erzählt werden, hier werden Konventionen gebrochen. Die Metaebenen jagen einander. Exkurse über Exkurse, die – folgt man ihnen – ein Manifest des Hartmannschen Theaters ergeben. Surrealismus, Psychoanalyse, Dramaturgie, die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, die ‚Sozialfunktion des Asozialen‘. Alles hat mit allem zu tun, Dostojewski wird ‚denaturalisiert‘ und einem ‚Wirklichkeitsbombardement‘ unterzogen. Auch selbstironisch geht es zu: immer mal wieder fallen Sätze, die das Ganze auf die Schippe nehmen. ‚Wollen wir dieser Szene nicht ein Ende machen?‘ (zustimmender Szenenapplaus).
Für alles zusammen aber gilt: der will nur spielen, und zwar ganz und gar. Dafür ist er gebucht, und also macht er es. Der hat auch Selbstzweifel, das klingt an, aber er bezwingt sie. Kompromisslos. Wahrscheinlich ist diese gedankliche Freiheit wirklich nur mit einer Portion Größenwahn zu erreichen. Nichts anderes ist es, was in Dresden zu sehen war, vor den Augen vieler Fans aus Berlin und Leipzig: großes, größenwahnsinniges Theater. Apropos, Frank Castorf saß Reihe 10 Mitte, sozusagen platzhaltend auf dem Regieplatz. Hätte er noch ein Theater und suchte er eine neue Sophie Rois – Nadja Stübiger wäre sicher auf der Liste. Torsten Ranft, um im Bilde zu bleiben, agierte streckenweise hübchenhaft. Wie überhaupt das Ensemble auf der Bühne einfach nur sehr sehenswert war. Sehr!
Das beste Sinnbild für diesen Abend aber ist das Gemälde von Tilo Baumgärtel, das auf der anfangs leeren Leinwand entsteht. Es wird gesprayt und gemalt, dann immer wieder übermalt und verfeinert. Schicht für Schicht wird aufgetragen, mit Projektionen aufgefüllt – bis alles einen Sinn ergibt. Erst am Ende ist es ein fertiges Bild, das hin- und hergeschoben und gedreht wird, als suche es seinen Platz auf der Welt(bühne) und schließlich ganz vorne an der Rampe zu stehen kommt. So wie auch das Stück erst am Ende und in all seinen Schichten und Übermalungen und Exkursen als Stück erkennbar ist. Einer der letzten Sätze, die gesprochen werden, ist eine Frage: ‚Was ist das?‘ – Kein Dostojewski, ein Hartmann.
Dresden hat eine neue Sehenswürdigkeit.“
Matthias Schmidt, nachtkritik.de
„Dieser Dresdner Hartmann ist so gelungen wie lange kein Theaterabend mehr: Passionierter Jubel und ebenso leidenschaftliche ‚Buh, Geld zurück‘-Rufe.“
Christine Wahl, 31.03.2018, Spiegel Online
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31.03.2018
„Hartmann geht es mehr um Grundmotive, um Assoziationen statt um Handlungslinien.
Der ‚Sound‘ dieser Inszenierung, also der Grundton, ist eine Art hastig erregter Überdruck: Der Regisseur überträgt die Seins-, Habens- und Liebesproblematik der Vorlage praktisch in die Grundaufgeregtheit eines nervösen Zeitalters, das vielleicht sogar unseres ist.
Worte werden hier eher stakkatohaft hervorgestoßen als erfühlt, abgeschmeckt und wohlartikuliert versendet. Dazu kreiert Hartmann, der auch wieder sein eigener Bühnenbildner ist, im Zusammenspiel mit Adriana Braga Peretzkis grandiosen, in Schwarz-Weiß gehaltenen Kostümen suggestive Bilder – von ewigen Kreisläufen, von Permanenz-Überblendung und mithin Dauerüberforderung, von Beschleunigung und bewusstem Stillstand. Es gibt Exkurse über Exkurse, von der Liebe über den Surrealismus bis zum Schauspiel im Allgemeinen und Besonderen und wieder zurück.
Wenn man den finalen Publikumsreaktionswiderstreit zum Maßstab nimmt, ist dieser Dresdner Hartmann so gelungen wie lange kein Theaterabend mehr: Passionierter Jubel und ebenso leidenschaftliche ‚Buh, Geld zurück‘-Rufe halten sich die Waage. So ein Hallo erlebt man tatsächlich nicht mehr oft im Theater. Und auch sonst hat das Staatsschauspiel Dresden mit diesen fast dreistündigen, pausenlosen ‚Erniedrigten und Beleidigten‘ einen außergewöhnlichen Abend in seinem Programm. Einen wirklich in jeder Hinsicht hundertprozentig ‚Tatort‘-fernen.“
Christine Wahl, Spiegel Online
„Diese Aufführung führt den Dostojewski-Text als Installation und als Musik, mit geradezu unheimlicher, gleichzeitig mit choreografischer und schauspielerischer Energie vor.“
Bernhard Doppler, 31.03.2018, Deutschlandfunk Kultur, Fazit
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31.03.2018
„Mit theatralischem Zugriff und überraschend neu inszeniert Sebastian Hartmann Dostojewskis ‚Erniedrigte und Beleidigte‘ am Staatsschauspiel Dresden. Und steht dabei doch auch in der Tradition von Dostojewski-Theaterpapst Frank Castorf.
Um Handlung und die Handlung bebildernden Realismus geht es Sebastian Hartmann nicht, auch nicht um die Zeitfolge des Romans, vielmehr um ‚Tollhausgeschwätz‘ und ‚Aufregungssound‘, den er aus dem Roman destilliert. ‚Das ist kein Dostojewski mehr!‘, gibt Schauspieler Viktor Tremmel plötzlich im Finale zum Besten und hält dann im breitesten österreichischen Dialekt einen längeren Vortrag über Surrealismus und Dadaismus. Und dennoch kommt die Aufführung Dostojewski sehr nahe.
Polyfon, choreografisch, oft in sich wiederholenden Textschleifen, doch vor allem mit geradezu selbstverleugnendem, bewundernswertem schauspielerischen Einsatz, oft dabei sehr komödiantisch: die Schauspieler, etwa Torsten Ranft als Fürst Valkovskij oder Nadja Stübiger als Mutter. Eindrucksvoll auch, wie aufgeregt tänzerisch Yassin Trabelsi über Realismus (nach Wolfram Lotz) zu dozieren weiß.
Egoismus als eigentlicher Altruismus, verdrängte und dadurch offenkundige Todesängste, Egoismus des Leidens, Zynismus als Humanismus: Dostojewskis Paradoxa entfalten so theatralische Kraft: als epileptische Anfälle, Hysterien, bisweilen als polyphones Konzert. Besonders unter die Haut dabei Nellys Schilderung ihres sexuellen Missbrauchs (Luise Aschenbrenner).
Faszinierend, mit welcher Energie die Schauspieler sich in die einzelnen Rollen, in diese Überdrehtheit, hineingeworfen haben.“
Bernhard Doppler, Deutschlandfunk Kultur, Fazit
„Drei Stunden Bilderrausch. Sebastian Hartmann erschüttert das Dresdner Staatsschauspiel.“
Johanna Lemke, 31.03.2018, Sächsische Zeitung
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31.03.2018
„Drei Stunden Bilderrausch. Sebastian Hartmann erschüttert das Dresdner Staatsschauspiel.
Eigentlich könnte man sich zurücklehnen. Man könnte den Verstand ausschalten und sich dem Sound, den Bildern und der Wucht hingeben. Ab und an könnte man den Fokus auf eine der strampelnden Figuren auf der Bühne richten, sich das Kämpfen ansehen und man könnte weinen vor Ergriffenheit. Natürlich könnte man sich auch ärgern über das Chaos und die Abwesenheit einer nachvollziehbaren Erzählung, man könnte laut protestieren oder vorzeitig den Saal verlassen. All das ist möglich, all das ist passiert. Was ganz sicher nicht geht an diesem Theaterabend: Sich hübsch unterhalten fühlen und auf dem Rückweg in der Straßenbahn über das Wetter plaudern.
Regie führte der ehemalige Leipziger Theaterintendant Sebastian Hartmann, der damit erstmals eine Arbeit für Dresden ablieferte. Sowas gibt es leider selten an diesem Haus: drei Stunden Bilderrausch. Ohne Pause.
Dostojewskis Roman ‚Erniedrigte und Beleidigte‘ ist eine Abhandlung über Kunst, über die Sehnsucht nach Begegnung und die Angst vor dem Absturz. Wird denn eine Geschichte erzählt? Oh ja, und ob. Sie bildet den Rhythmus, den Grundpuls des Abends. Wanja, ein erfolgloser Autor im St. Petersburg des 19. Jahrhunderts, verzweifelt an der Liebe, begehrt Natascha, die aber Aljoscha versprochen ist und doch nicht von Wanja lassen kann. Zudem hadert er mit seinem Selbstwertgefühl. Typische Neuzeit-Probleme halt.
Moritz Kienemann hatte schon in der Ausnahme-Inszenierung ‚Das große Heft‘ beeindruckt, hier spielt er nun mit ungeheurem Druck diesen Wanja. Natascha wird wunderbar flirrig gespielt von Fanny Staffa. Luise Aschenbrenner ist eine besorgniserregend schmale Nelly. Sie leidet unter epileptischen Anfällen, doch wenn sie zuckend am Boden liegt, wird sie begrabscht und missbraucht. Lukas Rüppel ist ein starker, hadernder Aljoscha. Torsten Ranft spielt Fürst Walkowski, der schon nach fünf Minuten nackt auf die Bühne kommt und klagt: ‚Ich habe so ein Geltungsbedürfnis!‘ In der Tat, er ist der Despot, der sein Ego nie zurückstellen kann. Sebastian Hartmanns künstlerische Herkunft ist die Berliner Volksbühne. Man merkt das, wenn die erzählten Geschichten ironisch durchgeschüttelt werden.
Hartmanns ganz eigenes Erkennungszeichen jedoch sind die Stimmungsflächen, in denen die Musik anschwillt, Nebel den Saal flutet oder das Licht gleißt. Der Bass dröhnt bis in den Bauch, vielleicht muss man sich kurz die Ohren zuhalten. Hier verdichtet sich die Geschichte in einem zutiefst poetischen Moment: in blanker Verzweiflung, bodenloser Freude oder dem Bewusstwerden des Scheiterns. Theater wie diesem wird ja oft vorgeworfen, es schätze den Ursprungstext nicht wert. Dabei nimmt wahrscheinlich kaum jemand die Essenz des Stoffs so ernst wie Hartmann.
Alles ist zerrüttet, und doch hören die Menschen nicht auf, nach Halt in der Liebe zu suchen, nach Kontakt und Reibung. Es ist im Grunde auch das, was Hartmann in seinen Theaterkunstwerken tut: Er fahndet nach dem, was das Leben hält – und das kann eben niemals stringent, vielleicht nicht mal nachvollziehbar geschehen.
Es hat lange nicht mehr einen so wütenden Applaus am Dresdner Staatsschauspiel gegeben. Jubel trifft auf ‚Buh! Geld zurück!‘-Rufe. Aber wie gesagt: Gut so. Wer sich ärgert, spürt wenigstens etwas.“
Johanna Lemke, Sächsische Zeitung
„Neun fulminante Spieler, die durch den Roman preschen. Düster, undurchsichtig, heiterst, schrill, hilflos, aufgeheizt, selbstvernichtend, beladen nachdenklich.“
Hans-Dieter Schütt, 03.04.2018, neues deutschland
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03.04.2018
„Theater ist für Hartmann eine Installation eigenen Rechts: Texten wird nicht gehuldigt, sie werden hergenommen für derbe, düstere, dräuende Laut-Malereien.
Neun fulminante Spieler, die durch den Roman preschen. Düster, undurchsichtig, heiterst, schrill, hilflos, aufgeheizt, selbstvernichtend, beladen nachdenklich.
Zum Premierenschluss ein Bravo-Sturm, auch Kontra-Chöre. Wunderbar aufgebracht alle. Und Schönheit also: Wo nach Wahrheit getastet wird, da muss ein Wirrwahr her, der uns peinigt. Bravo!“
Hans-Dieter Schütt, neues deutschland
„Sebastian Hartmann beschäftigt sich in Dresden genial und provokant mit Dostojewski. Geniale Extraktion eines Schlüsselwerkes aus dem 19. Jahrhundert ins 21.“
Tomas Petzold, 31.03.2018, Dresdner Neueste Nachrichten
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31.03.2018
„Sebastian Hartmann beschäftigt sich in Dresden genial und provokant mit Dostojewski.
Die ist, bei allen dem Eingeweihten ersichtlichen Anspielungen und Bezügen und trotz aller unauflösbar schillernden Ironie, insgesamt alles andere als eine Parodie, sondern im Grunde die geniale Extraktion eines Schlüsselwerkes aus dem 19. Jahrhundert ins 21.
Postdramatisches Theater also, Collage, Event, Spektakel, Party, einerseits mit allem zur Genüge strapazierten Beiwerk, andererseits konsequent und diszipliniert.“
Tomas Petzold, Dresdner Neueste Nachrichten
„Hartmann bietet expressionistisches Theater. Einen atemlosen Mix aus Inszenierung und Improvisation. Das famose neunköpfiges Ensemble ist unentwegt in Bewegung.“
Guido Glaner, 31.03.2018, Dresdner Morgenpost
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31.03.2018
„Das Theater des neuen Leitungsteams am Staatsschauspiel fordert heraus wie lange nicht, Publikum wie Schauspieler.
Hartmann bietet expressionistisches Theater. Einen atemlosen Mix aus Inszenierung und Improvisation, der oft nur ahnen lässt, wo die Grenze verläuft. Die Kostüme sind angelehnt ans Zeitgenössische. Das Stück kommt mit wenigen Requisiten aus, darunter ein rollbares Bett und eine übergroße mobile Leinwand. Darauf entstehend über die Dauer der Aufführung ein von den Schauspielern erstelltes düsteres schwarz-weißes Gemälde.
Das famose neunköpfige Ensemble ist unentwegt in Bewegung, monologisiert und brüllt, nicht selten durcheinander.
Es fordert volle Konzentration, den gewittrigen Gedankenströmen zu folgen, die anderen Text ins Stück mit hineinnehmen (Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz).
Hartmanns Inszenierung ist lebendiges, vor Kraft fast berstendes Theater, so dramatisch wie selbstironisch, wenn etwa die Schauspieler selbst in Frage stellen, was sie tun. Ein multimediales Spektakel, das die Zuschauer gleichzeitig überwältigt und zurückstößt. Wer sich nicht zurückstoßen lässt, erlebt fiebriges, großartiges Theater.“
Guido Glaner, Dresdner Morgenpost
„Es ist lange her, dass eine Inszenierung so polarisiert hat. Reichlich diskutiert wurde schon nach der Premiere im Foyer. So soll Theater sein.“
Gabriele Fleischer, 03.04.2018, Freie Presse
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03.04.2018
„Wer sich auf Sebastian Hartmanns Version von Dostojewskis ‚Erniedrigte und Beleidigte‘ einlässt, erlebt einen bereichernden, wenn auch anstrengenden Theaterabend. Denn Hartmann ist sich und seinem Stil, mit dem er auch als Intendant in Leipzig nicht unumstritten war, treu geblieben: Etwas Dostojewski, ganz viel Improvisation, Musik, Bewegung und immer wieder Kommentare, ganz im Sinn der Brechtschen Verfremdungstradition.
Hartmann empfängt das Publikum fast besinnlich mit waberndem Nebel und musikalischen Klängen. Doch schnell wird deutlich: Aus dem Dickicht herausfinden müssen die Zuschauer selbst.
Im Mittelpunkt des Spiels steht eine riesige Leinwand, die Zentimeter um Zentimeter mit Graffitis besprüht, durch Projektionen ergänzt, immer wieder hin- und hergeschoben wird. Mit seiner Installation liefert Tilo Baumgärtel ein beeindruckendes Kunstwerk, das seinen tieferen Sinn erst spät offenbart.
Erzähler nehmen sie mit auf ihre Reise in die irreale Welt. Doch der Regisseur lässt die Kommentatoren immer wieder zurückkehren zu Dostojewski.
Es ist lange her, dass eine Inszenierung so polarisiert hat. Reichlich diskutiert wurde schon nach der Premiere im Foyer. So soll Theater sein.“
Gabriele Fleischer, Freie Presse