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Die heilige Johanna der SchlachthöfeAuf Facebook teilen

von Bertolt Brecht | Regie: Tilmann Köhler | Premiere am 17. Oktober 2009 | Schauspielhaus

Ausgezeichnet mit dem Kurt-Hübner-Förderpreis für junge Regie

In den großen Schlachthöfen Chicagos gehen sich die Konkurrenten der Fleischproduktion gegenseitig an die Gurgel im Kampf um mehr Umsatz, mehr Geld und mehr Gewinn. Während die Fabriken ihre Tore schließen, die Arbeitslosen hungern und das System die ersten Opfer unter den Kapitalisten fordert, sucht die Heilsarmeesoldatin Johanna Dark nach dem Guten im Menschen. Gemeinsam mit anderen Angehörigen der „Schwarzen Strohhüte“ verteilt sie Gottes Wort und Suppe an die Wartenden auf den Schlachthöfen. Dabei trifft sie Chicagos Fleischkönig Pierpont Mauler. Fasziniert von Johannas Idealismus, verspricht Mauler, seine Fabrik wieder zu öffnen. Er will ihr beweisen, dass nicht die Fabrikanten, sondern die Arbeiter schlecht sind. Doch Johanna erkennt, dass diese Schlechtigkeit nur aus der Not kommt. Während Mauler Vieh kauft, den Markt austrocknet und die Preise in die Höhe treibt, versteht Johanna: „Dieses ganze System / Ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander / abhängen, und die oben / Sitzen oben nur, weil jene unten sitzen.“ Als moderne Jeanne d’Arc steigt sie in den Kampf der Arbeiter ein und gerät dabei in die Mühlen eines raffinierten Systems, das auch seine Kritiker als notwendige Rädchen zu vereinnahmen weiß.
Entstanden während der Weltwirtschaftskrise 1929 / 1930, wurde „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von den Nationalsozialisten verboten und erlebte erst 1959, drei Jahre nach Brechts Tod, in Hamburg seine Uraufführung. Die erste Aufführung in der DDR fand 1961 am Staatsschauspiel Dresden statt. 80 Jahre nach seiner Entstehung ist es plötzlich wieder ein Stück zur Zeit, wenn Finanzinstitute sich im Spiel mit Krediten verspekulieren, die Welt in eine globale Krise stürzen, die Öffentlichkeit zu Hilfe rufen und Finanzspritzen in absurder Höhe erhalten.
Tilmann Köhler, geboren 1979 in Weimar, inszenierte unter anderem „Hamlet“ und „Woyzeck“ am Maxim Gorki Theater Berlin und „Faust“ am Deutschen ­Nationaltheater Weimar. 2007 war er mit Bruckners „Krankheit der Jugend“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Neben einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit dem Autor Thomas Freyer realisiert er auch verschiedene Projekte in Campinas / Brasilien. Seit der Spielzeit 2009.2010 inszeniert Tilmann Köhler regelmäßig als fester Regisseur am Staatsschauspiel Dresden.
Für „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ wurde er mit dem Kurt-Hübner-Förderpreis für junge Regisseure ausgezeichnet.

Besetzung:

Johanna Dark, Leutnant der Schwarzen Strohhüte: Antje Trautmann
Mauler, Fleischkönig: Matthias Reichwald
Slift, ein Makler: Benjamin Pauquet
Cridle: Fabian Gerhardt
Graham: Philipp Lux
Lennox / Gloomb / ein Arbeiter / Arbeiterführer / Viehzüchter: Holger Hübner
Frau Luckerniddle / Arbeiter: Christine Hoppe
Bursche / Viehzüchter / Arbeiter: Christian Clauß
Paulus Snyder, Major der Schwarzen Strohhüte / Kleine Spekulanten: Marc Ben Puch
Martha, Soldat der Schwarzen Strohhüte: Annett Krause
Zeitungsjunge: Benedikt Kauff
Zeitungsjunge / Aufkäufer: Moritz Löwe
Strohhut: Sarah Bonitz
Keyboard: Simon Slowik
Drums: Krishan Zeigner

Regie Tilmann Köhler
Bühne Karoly Risz
Kostüm Susanne Uhl
Musik Jörg-Martin Wagner
Licht Michael Gööck
Dramaturgie Felicitas Zürcher