Peter Weiss

wird am 8. November 1916 in Nowawes als Sohn des jüdisch-ungarischen Textil­fabrikanten Eugen Weiss und der Schauspielerin Frieda Franziska Hummel geboren. Die ­Familie zieht 1929 nach Berlin, wo Peter Weiss neben der Schule beginnt, regelmäßig Mal- und Zeichenunterricht zu nehmen.
Der Unfalltod seiner Schwester Margit 1934 erschüttert ihn ­zutiefst. Nur im Schreiben findet er eine Möglichkeit, diesen Verlust zu verarbeiten. Die Emi­gration der Familie 1935 nach England ist die erste Station einer „langen Geschichte der Flucht“. Von den Erlebnissen der Isolation und Entwurzelung hat sich Weiss Zeit seines Lebens nicht erholt; stets waren sie Thema – ob in seinen Gemälden, Filmen oder Büchern.
Ein einschneidendes Erlebnis für Peter Weiss war die Begegnung mit Herman Hesse, dessen Werke für ihn von großer Wichtigkeit waren. Durch Vermittlung Hesses nimmt der heimat­lose Weiss 1937 das Studium an der Kunstakademie Prag auf.
Die Familie flieht 1939 weiter nach Schweden. Im schwedischen Exil findet er nur schwer Zugang zu der Künstlerszene. Sein erstes Buch in schwedischer Sprache „Von Insel zu Insel“ erscheint 1947. Fortan widmet sich Weiss dem experimentellen Film. Die Suche nach der eigenen Identität lässt ihn jedoch nicht los, so dass er wieder in die deutsche Sprache zurück findet; die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der Versuch der Selbstbefreiung werden in seinen autobiographischen Romanen „Abschied von den Eltern“ (1961) und „Fluchtpunkte“ (1962) eindrücklich beschrieben.
1964 heiratet er seine zweite Frau Gunilla Palmstierna. Er begegnet dem marxistischen Denken, die zunehmende Politisierung formuliert er in seinen Theaterstücken. 1964 wird das Drama „Marat / Sade“ am Berliner Schillertheater uraufgeführt; ca. ein Jahr später kommt das Stück in Rostock erstmals zur Aufführung. Das Stück ist in Ost- und Westdeutschland ein Erfolg; Peter Weiss wird – auch im Ausland – über Nacht berühmt.
Bereits ein Jahr später findet am 19. Oktober 1965 auf 16 Bühnen gleichzeitig die Uraufführung des Auschwitz-Stückes „Die Ermittlung“ in beiden Teilen Deutschlands statt. Mit seinem monumentalen Werk „Die Ästhetik des Widerstandes“ legt Peter Weiss 1981 eine Romantrilogie vor, die versucht, anhand historischer und gesellschaftlicher Erfahrungen die ästhetischen und politischen Einsichten der Arbeiterbewegung in den Jahren des Widerstands gegen den Faschismus zu durchleuchten und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Die zu erreichende Einheit zwischen dem Kommunismus und Sozialismus einerseits und der künstlerischen Moderne und der Arbeiterbewegung andererseits ist der zentrale Gedanke und Weiss’ Anliegen.
Am 10. Mai 1982 stirbt Peter Weiss im Alter von 65 Jahren in Stockholm. Er hat zahlreiche Preise erhalten, u. a. wird er 1982 posthum mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.