Arthur Schnitzler

Autor
Der Sohn eines jüdischen Arztes und Universitätsprofessors wählte den Beruf des Vaters: Er arbeitete nach der Promotion 1885 als Sekundararzt und eröffnete später eine Privatpraxis als Facharzt für Nerven- und Kehlkopfkrankheiten. Die Jahre 1888 bis 1893 waren daneben auch der schriftstellerischen Tätigkeit gewidmet, wobei das Interesse an der Seelenforschung sowohl den Arzt als auch den Dichter leitete: Schnitzler, der als junger Arzt an Experimenten der im Entstehen begriffenen Tiefenpsychologie teilgenommen hatte, antizipierte in seinen ersten Erzählungen Freuds Theorien der Psychopathologie und eröffnete so der Darstellung individueller und gesellschaftlicher Probleme neue Wege. Als Erzähler wie Bühnenautor gleichermaßen produktiv, wurde Schnitzler sehr bald zu einem Hauptvertreter der Wiener Moderne und zu einem der meistgespielten Dramatiker der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die auch nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie den stofflichen Hintergrund seiner Dichtung bildete. Heute gilt Schnitzler wegen seiner von ironischer Brechung und nuancenreicher Zwischentöne gekennzeichneten Menschendarstellung, der psychologisch wahrhaften Erfassung des „weiten Landes“ der Seele als Klassiker des „Gestaltendramas“, wobei sein eigentliches Thema entsprechend dem von ihm vorgeführten gesellschaftlichen Ausschnitt das dekadente Lebensgefühl großbürgerliche Kreise ist. Nach der Trennung von seiner Frau Olga 1921 erzog Schnitzler den Sohn Heinrich und die Tochter Lili alleine. Lilis Selbstmord im Jahr 1928 erschütterte ihn tief. Er starb drei Jahre später an den Folgen eines Gehirnschlags.