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von Maxim Gorki | Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin | Regie: Stephan Kimmig | 5. und 6. Januar 2013 | Schauspielhaus

Der Regisseur Stephan Kimmig transportiert Gorkis „Kinder der Sonne“ aus dem Jahr 1905 ins Heute. Nina Hoss, Ulrich Matthes und Katharina Schüttler gehören zum bemerkenswerten Ensemble des Deutschen Theaters, mit dem Kimmig großes Schauspieltheater schafft.

Das Deutsche Theater Berlin ist seit mehr als 100 Jahren eines der wichtigsten deutschsprachigen Sprechtheater. Am Anfang seiner Geschichte steht vielleicht das Engagement des jungen Schauspielers Max Reinhardt durch den Intendanten Otto Brahm 1885. Brahm begann den Spielplan aus Lustspielen und Klassikern um die zeitgenössischen naturalistischen Stücke zu erweitern. Max Reinhardt wiederum übernahm 1905 erst die Leitung des Deutschen Theaters, kaufte dieses im Jahr darauf und ließ die Kammerspiele bauen, um darin die Dramatik der heute klassischen Moderne zu spielen. 1911 vereinigte Reinhardt seine Theater zum Konzern „Reinhardt-Bühnen“, zu dem als Glanzstück auch das „Deutsche Thea­ter“ gehörte. Neben Klassikerproduktionen, die die Theatergeschichte geprägt haben, wurden unter anderem Ibsen, Hauptmann, Brecht, Wedekind und Zuckmayer in den Reinhardt-Bühnen uraufgeführt und von dort aus weltberühmt – ­viele Produktionen tourten zwischen Städten und Ländern. 1932 gab Reinhardt die Leitung der „Reinhardt-Bühnen“ auf, 1933 lehnte er eine „Ehren-Arierschaft“ ab und emigrierte. An diese Anfänge – als ein deutsches Theater mit internationaler Ausstrahlung, Klassiker-Neuentdeckungen, Stücken der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Literatur – hat das Deutsche Theater bis heute immer wieder angeknüpft.
Intendantenpersönlichkeiten wie Wolfgang Langhoff und Dieter Mann haben es geprägt, und auch der jetzige Intendant Ulrich Khuon versammelt wichtige Regisseure des Gegenwartstheaters wie Andreas Kriegenburg, Michael Thalheimer und Nicolas Stemann an seinem Haus, setzt auf zeitgenössische Autoren wie Dea Loher oder Roland Schimmelpfennig und beschäftigt ein Ensemble herausragender Schauspielerinnen und Schauspieler wie Corinna Harfouch, Samuel Finzi oder Ulrich Matthes.
Auch Stephan Kimmigs Inszenierung von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ – 2011 mit dem deutschen Theaterpreis „Faust“ für die beste Regie ausgezeichnet – schließt an eben diesen Geist des Hauses an. Im Jahr 1905, am Vorabend der Revolution von Maxim Gorki im Arrest in der Petersburger Peter-Paul-Festung geschrieben (zeitgleich übernahm Max Reinhardt in Berlin die Leitung des Deutschen Theaters), erzählt „Kinder der Sonne“ von einem Akademikerhaushalt, in dem der Chemiker Protassow den „neuen Menschen“ im Reagenzglas schaffen will. Kimmig gelingt eine „kluge, wunderbar leichte, hinter der komischen Oberfläche hoffnungslos melancholische Inszenierung“ (Süddeutsche Zeitung), die das Stück ins Heute transponiert. „‚Die große Welt‘, ist Stephan Kimmig überzeugt, ‚lässt sich am besten in der kleinen Beziehungshaftigkeit abbilden.‘ Der gebürtige Stuttgarter zählt zweifelsohne zu den wandlungsfähigsten Künstlern seines Fachs. Er ist stark geprägt von seinen Berufsanfängen in der freien holländischen und belgischen Theaterszene, wo er nach einer Schauspielausbildung in München und Regieassistenzen am Berliner Schiller-Theater das Regiehandwerk erlernte. Die in Deutschland erst später in Mode gekommene Überzeugung, dass hinter der Rolle unbedingt die Schauspielerpersönlichkeit, mithin die Privatperson sichtbar werden darf, merkt man seinen Arbeiten an“, schreibt Theaterkritikerin Christine Wahl in einem Porträt über Kimmig. „Das reinste Theaterglück“, übertitelte Die Welt eine Kritik über das Stück. „Wieso halten die Zuschauer zwischendurch hörbar den Atem an? Dass uns das Geschehen rund um diese menschlichen Elementarteilchen fasziniert, liegt am fabelhaften, perfekt und locker aufeinander eingespielten Ensemble.“ Damit wären wir auf leichteste Weise wieder beim Deutschen Thea­ter, seiner Tradition und Max Reinhardt, der sagte: „Das Theater ist eine Ensemblekunst … “ Und Klassiker, inzwischen auch die der Moderne, sind immer wieder neu zu entdecken.

Ausgezeichnet mit dem Faust-Theaterpreis 2011 in der Kategorie „Beste Regie“


Dauer der Aufführung: 1 ½ Stunden, keine Pause


Besetzung:
Pawel Fjodorowitsch Protassow: Ulrich Matthes
Lisa, seine Schwester: Olivia Gräser
Lisa, seine Schwester: Katharina Schüttler
Jelena Nikolajewna, seine Frau: Nina Hoss
Dmitrij Sergejewitsch Wagin: Peter Jordan
Boris Nikolajewitsch Tschepurnoj: Alexander Khuon
Melanija, seine Schwester: Katrin Wichmann
Jegor, Schlosser und Hausmeister: Markus Graf

Regie Stephan Kimmig
Bühne Katja Haß
Kostüm Anja Rabes
Musik Michael Verhovec
Dramaturgie Sonja Anders


www.deutschestheater.de