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Latcho „Russian Gypsy“Auf Facebook teilen

Musik russischer Roma | 25. März 2012 | Kleines Haus 1, Musik zwischen den Welten
präsentiert von der Konzert- und Theateragentur Andreas Grosse

LARISSA STROGOFF Gesang, Gitarre
SABINA DANILOV Violine, Gesang, Piano, Percussion
NIKO NITSCHE Mandolinek, Gitarre, Gesang
JOE FISHER Kontrabass, Gesang
 
Viel russische Seele und eine Stimme, dunkel und verführerisch, das ist Larissa Strogoff. Und tatsächlich, wer sie hört, der fühlt sich in die weiten Steppen, dichten Wälder und die unendliche Weiten Sibiriens versetzt. Immer wieder betont Larissa, dass in der russischen Musik drei Elemente vereint seinen: große emotionale Aufrichtigkeit, der enge Bezug zur Natur und die lebenspralle musikalische Ausführung. Das gilt auch für die Musik der russischen Roma.
 
In Russland waren Pogrome und Verfolgung der ursprünglich aus Nordindien eingewanderten Menschen, wie sie ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Westeuropa auftraten, weitgehend unbekannt. Das Interesse an den „Zigeunern“ wuchs unter Zarin Katharina der Großen im 18. Jahrhundert. Eine Legende besagt, das ein Favorit der Zarin, Graf Orlov, in Moldawien Zigeunermusik gehört hatte. Er war so begeistert, dass er eine Gruppe von Musikern mit nach Hause brachte. In der Folge leisteten sich fast alle Fürsten und Aristokraten eigene Ensemble mit den zumeist aus Moldawien oder der Ukraine eingereisten Musikern. Später hieß es „Das Goldene Zeitalter“, in dem man sich kaum einen der prunkvollen Bälle mit seinen Trinkgelagen und Ausschweifungen ohne Musik der mittlerweile in Russland lebenden Roma vorstellen konnte.
 
Nach der russischen Oktoberrevolution von 1917 wurde das nomadisierende „Zigeunerdasein“ verboten und die Menschen zwangsweise sesshaft gemacht. Viele von ihnen mussten das Land verlassen, da ihnen auch die durch die Abhängigkeit entstandene Nähe zu den aristokratischen Auftraggebern zur Last gelegt wurde. Allerdings hat die neue Macht auch versucht, ihre Kunst zu institutionalisieren und kontrollieren: 1931 wurde das Theater „Romen“ gegründet – ein erstes von einem Staat finanzierte „Theater für Zigeuner-Künstler“, das in den kommenden Jahren dennoch auch einige berühmte Künstler hervorbringen sollte. 1979 übrigens beschlossen die Vertreter der „Romani-Union“ (die auch von der UNO anerkannt ist), den Begriff „Roma“ als gültige Bezeichnung für die ehemals als Zigeuner bekannten Menschen. Das Lied „Gelem Gelem“ wurde als Nationalhymne gewählt.
 
Die vier Musiker von LATCHO nehmen den Faden der Tradition wieder auf. Ihre musikalischen Wurzeln liegen in der Musik der russischen Zigeuner, in ihre Musik fließen aber auch rumänische, ungarische, griechische, serbische und andere Klänge des Balkans ein und ergeben mit leicht jazzigen und barocken Klängen ein fantasievoll mitreißendes Klangbild.
 
Sabina Danilov begann in ihrer aserbaidschanischen Heimat bereits mit sechs Jahren eine klassische Ausbildung mit Schwerpunkt Geige und Klavier an der Musikhochschule Baku. Nach dem Abschluss siedelt sie 1995 mit Ihrer Familie nach Israel um. Seit 2001 lebt Sabina nun in Deutschland. Ihre musikalische Karriere begann sie in dem erfolgreichen Ensemble „Jelem Romale“.
 
Niko Nitsche reiste quer durch Europa, um überall verschiedene musikalische Erfahrungen zu sammeln. Neben der russischen Zigeunermusik studierte er auch die griechische und irische Volksmusik. Sein vielsaitiges Spiel ist von hoher Virtuosität - gleichzeitig ist seine Technik oft sehr eigenwillig, die Zigeuner-Mandoline spielt Niko z.B., während sie auf seinen Knien liegt. Aber auch als erfahrender Gitarrist machte er sich längst einen Namen. Mit Larissa Strogoff zusammen spielte er viele Jahre in einem Balalaika-Ensemble.
 
Joe Fisher begann nach seiner klassischen Ausbildung an Kontrabass und Klavier sich mit der Spielweise der Zigeunermusik zu beschäftigen, sie wurde alsbald seine große musikalische Liebe. Bereits 1981 wurde Joe Fischer „Newcomer des Jahres“ bei den bekannten Jazzfestivals Montroux und Northsea / Den Haag. Zusammen mit seinem Freund Danny Weiss, dem bekannten Zigeuner-Gitarristen und dessen Ensemble spielt er seit 25 Jahren in der Tradition der deutschen Sinti. Sein imposantes Instrument gibt „LATCHO“ den Schwung und die tiefe Seele ...
 
Larissa Strogoff ist schon seit Jahren bekannt durch Funk und Fernsehen. Sie trat in bekannten deutschen TV-Shows auf und ist im Rundfunk eine vielgespielte und beliebte Sängerin. Larissa wuchs in Deutschland auf und erlernte von ihrer weißrussischen Großmutter die berühmten russischen Romanzen und Volkslieder ihrer Vorväter. Zwanzig Jahre lang sang und spielte sie in einem russischen Balalaika-Ensemble. Von Kindheit an war Larissa besonders von der ehrlichen Einfachheit und Emotionalität der russischen Zigeunerlieder fasziniert. Und so widmet sie sich – neben ihren eigenen Chansons seit einiger Zeit verstärkt der russischen Zigeunermusik.