VORFREUDE AUF NEUES

Liebes Publikum,

seien Sie herzlich willkommen zur neuen Spielzeit am Staatsschauspiel Dresden! Vieles von dem, was wir für die kommende Saison geplant hatten, musste in den letzten Wochen überarbeitet und noch einmal neu gedacht werden. Ich bin sehr glücklich, dass es uns gemeinsam mit dem Ensemble und den künstlerischen Teams gelungen ist, unter diesen Umständen neue Perspektiven auf geplante oder ganz neu entwickelte Stoffe zu werfen. Wir freuen uns, Ihnen die Ergebnisse ab September vorstellen zu können.
Wie wollen wir weiterleben? Angesichts der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie ist das Leben vieler Menschen mehr noch als bisher geprägt von Unsicherheit und dem Gefühl von Überforderung und Machtlosigkeit. Aber die negative Bestandsaufnahme hilft allein nicht weiter. Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft hängt davon ab, dass sie sich nicht in ein Schicksal ergibt, sondern Zuversicht bewahrt und an Lösungen arbeitet. Denn das, was wir derzeit erleben, ist kein Schicksal, sondern ein Problem, das man bewältigen muss – und zwar gemeinsam.
Wie Solidarität in der Krise aussehen kann, haben uns zu Beginn der Pandemie nicht nur die in der Quarantäne von ihren Balkonen herab singenden und musizierenden Menschen in Italien gezeigt. Ganz zu schweigen von denen, die in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen arbeiten und den Erkrankten bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus zur Verfügung standen und noch immer stehen. Auch wir haben Solidarität erfahren durch Sie, unsere Zuschauer*innen, die bisweilen den Preis Ihrer bereits gekauften Karten nicht zurückerstattet haben wollten, um ihn für unsere künstlerischen Projekte der nächsten Zukunft zu spenden.
Viele Menschen haben neue Netzwerke geknüpft oder bestehende aktiviert, um in Nachbarschaften für Bedürftige Hilfe zu organisieren. Beispielhaft. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Solidarität an Grenzen nicht Halt machen darf – niemand sollte ohne Hilfe zurückbleiben müssen (#leavenoonebehind).
Vielleicht verstärkt die notwendige Reduktion der unmittelbaren sozialen Kontakte in der derzeitigen Krise das Bewusstsein dafür, wie sehr wir dauerhaft darauf angewiesen sind, uns über Wesentliches gemeinsam auszutauschen. Die unser neues Programm durchziehenden Themen – werden uns auch in Zukunft beschäftigen. Die Autor*innen, die wir eingeladen haben, unsere Spielzeitvorschau mit Essays zu begleiten, machen sich genau darüber Gedanken und kommen aus unterschiedlichen Perspektiven zu bereichernden Einsichten.
Die Themen begegnen Ihnen beispielsweise in Thomas Manns DER ZAUBERBERG, im Familienstück DER ZAUBERER VON OZ und in der KONFERENZ DER ABWESENDEN, einer neuen Zusammenarbeit mit Rimini ­Protokoll. Insgesamt zeigen wir Ihnen mehr als 30 Premieren im Schauspielhaus und im Kleinen Haus, darunter sechs neue Arbeiten der Bürger:Bühne. In Uraufführungen stellen wir neue Texte wichtiger Autoren aus dem In- und Ausland vor. Mit der Geschichte unserer Region und unserer Stadt beschäftigen sich dabei das neue Stück von ­Thomas Freyer STUMMES LAND und die Bühnenfassung von Ingo Schulzes aktuellem Roman DIE RECHTSCHAFFENEN MÖRDER.
Ich freue mich sehr auf die Regisseur*innen, die mit ihren sehr eigenen und entschiedenen Handschriften das Profil unseres Theaters bereichern, unabhängig davon, ob sie unseren Weg kontinuierlich begleiten oder neu zu uns stoßen. Und: Wir lassen uns die Freude an guter Unterhaltung nicht nehmen. Alan Ayckbourns Komödie AB JETZT und Carlo Goldonis TRILOGIE DER SOMMERFRISCHE im Schauspielhaus sind Beispiele dafür, aber auch die besondere Annäherung an DER NACKTE WAHNSINN von Michael Frayn sowie die musikalischen Arbeiten GUNDERMANN: ALLE ODER KEINER oder ALICE mit der Musik von Tom Waits.
Dass Theaterarbeit bei aller Freude aber auch hochkonzentrierte Arbeit ist, zeigen die Fotos unseres Hausfotografen Sebastian Hoppe. Er hat monatelang die Schauspieler*innen unseres Ensembles während und unmittelbar nach ihren Auftritten begleitet. Es sind besondere Einblicke entstanden, sehen Sie selbst.
Wir haben uns, der Krise zum Trotz, auch in der neuen Spielzeit viel vorgenommen. Und wir hoffen und arbeiten daran, dass wir alle unsere Pläne realisieren können. Einer davon ist, dass Sie mit der Rückkehr in den ‚normalen‘ Spielbetrieb, also vielleicht ab Beginn des kommenden Jahres, mit Ihrer Theaterkarte auch den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos nutzen können. Und: Über Nachhaltigkeit wollen wir nicht nur sprechen. Zusammen mit dem Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg arbeiten wir an einem Konzept zur Nachhaltigkeit für unser Theater.
Gemeinsam mit vielen Freund*innen, Förderer*innen und Partner*innen, denen wir für ihre Unterstützung herzlich danken, freuen wir uns auf die neue Spielzeit. Dabei werden uns noch ein paar Monate lang die Einschränkungen durch Corona auf der Bühne und im Zuschauerraum begleiten. Lassen Sie uns das als eine gemeinsame Herausforderung begreifen und trotz neuer Abstände eine größere Nähe entwickeln.
Wir freuen uns auf Sie!

Ihr
Joachim Klement
Intendant


Am 10. Juni 2020 stellten Intendant Joachim Klement, Chefdramaturg Jörg Bochow, der Leiter der Bürger:Bühne Tobias Rausch sowie Charlotte Orti von Havranek, Kuratorin des Festivals FAST FORWARD das Programm der Spielzeit 2020/2021 vor. Auf Grund der Covid-19-Beschränkungen wurde die Pressekonferenz live aus dem Foyer 1. Rang im Schauspielhaus gestreamt. Das Video können Sie hier anschauen: