Spielzeit 2019/2020

Liebes Publikum,

herzlich willkommen zur neuen Spielzeit am Staatsschauspiel Dresden.
Ich freue mich sehr, dass unsere Arbeit auch überregional mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wird. Dass wir im Frühjahr 2019 mit gleich zwei Aufführungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden, ist ein großes Glück und eine besondere Auszeichnung. Gemeinsam mit weiteren Einladungen zu Festivals und Gastspielen sind sie für uns aber in erster Linie Verpflichtung, in unserer Leidenschaft und unserem Engagement für lebendiges zeitgenössisches Theater nicht nachzulassen.
Die Lust, die Kraft und den Mut dazu beziehen wir aus der Neugier und dem Bedürfnis, die bisweilen schmerzlichen Widersprüche unserer Gegenwart zu begreifen. Nur so entsteht die Möglichkeit, neue Ideen oder Entwürfe für die Zukunft zu entwickeln: Wie wollen wir leben?
Anders als in anderen Künsten entsteht das Werk/die Aufführung im Theater in jeder Vorstellung neu, deshalb ist das Theater immer auch sozialer Moment: Ohne Bezug zur Wirklichkeit, die es umgibt, ohne Kontakt zwischen den Darsteller*innen auf der Bühne und den Zuschauer*innen davor, findet Theater nicht statt. Theater ist also ein lokaler Akteur, unabhängig von seiner überregionalen oder internationalen Wirkung. Nur im Dialog mit seinem Publikum kann Theater sich weiterentwickeln.
„Menschen stecken voller Ambivalenzen, Geschichte auch. Gerade davon zu erzählen ist ja unsere Arbeit, ist die Aufgabe der Kunst“, schreibt der Filmemacher Andreas Dresen in seinem Essay für dieses Spielzeitbuch. Gemeinsam mit den Autor*innen Sarah Nemitz und Jaroslav Rudiš ist er unserer Bitte gefolgt, sich mit dem Herbst 1989 und den Folgen der Nachwendezeit zu beschäftigen. Ein Thema, das unsere Gegenwart in Ostdeutschland wie kaum ein anderes bestimmt. „In der differenzierten Betrachtung der Ereignisse können wir schließlich eine Menge über uns selbst lernen, unsere Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit als Menschen“, so Dresen weiter.
Eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit scheint dringend nötig, um ausgeblendete oder verdrängte Ungerechtigkeiten, Kränkungen und Demütigungen zum Gegenstand zu machen. 30 Jahre nach dem Mauerfall haben die unterschiedlichen Perspektiven auf diesen einschneidenden Moment der Veränderung in Deutschland und Europa einen wesentlichen Einfluss auf den Spielplan genommen. Zehn der insgesamt 24 Premieren dieser Spielzeit sind Uraufführungen, ergänzt werden sie u. a. durch die Themenwoche 30 JAHRE FRIEDLICHE REVOLUTION.
Wir freuen uns sehr, dass in dieser Spielzeit unsere Hausregisseurinnen Daniela Löffner und Mina Salehpour mit jeweils zwei Inszenierungen präsent sind. Und dass wir die Zusammenarbeit u. a. mit den Regisseur*innen Andreas Kriegenburg, Armin Petras, Jan-Christoph Gockel, Laura Linnenbaum und Sebastian Hartmann fortsetzen können. Christian Friedel wird sich zum ersten Mal am Staatsschauspiel als Regisseur vorstellen, und die Inszenierungen der Niederländerin Liesbeth Coltof, des Georgiers Data Tavadze und der Französin Camille Dagen werden uns durch ihre ‚Außen‘-Perspektiven bereichern.
Tobias Rausch wird mit Beginn der Spielzeit die Leitung der Bürger:Bühne übernehmen, nachdem Miriam Tscholl seit der Spielzeit 2009/2010 die Ermächtigung der Zuschauer*innen so beispielhaft – und über die Grenzen Deutschlands hinaus – vorangetrieben hat. Freuen Sie sich auf spannende Aufführungen und neue Formate.
Lassen Sie sich verführen, die Zukunft des europäischen Theaters bei Fast Forward – Europäisches Festival für junge Regie zu entdecken, das als Plattform und einmaliges Angebot in Europa die Begegnung, den Austausch und Entdeckungen für Künstler*innen und Zuschauer*innen gleichermaßen möglich macht. Wer Zeit mit anderen verbringt, erfährt in der Regel auch etwas über sich selbst.
Und nicht zuletzt: Werfen Sie einen neuen Blick auf unser Ensemble! Unser Fotograf Sebastian Hoppe hat für dieses Heft die Ensemblemitglieder an ausgewählten Orten in unserer Stadt fotografiert.
Ich hoffe, dass unser Spielplan Ihr Interesse weckt und wünsche Ihnen viel Vergnügen mit dem vollen Programm für die neue Spielzeit.
Wir freuen uns auf Sie!

Joachim Klement
Intendant Staatsschauspiel Dresden