16.03.2019 › Schauspielhaus

Der Auftrag

Erinnerung an eine Revolution von Heiner Müller

Gastspiel Schauspiel Hannover
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Auf dem Bild: Jürgen Kuttner, Hagen Oechel, Corinna Harfouch, Janko Kahle
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Jonas Steglich
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Sarah Franke, Jonas Steglich
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Sarah Franke, Daniel Nerlich
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Moritz Bossmann, Boris Nielsen, Peter Bartz, Hannes Gwisdek
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Hagen Oechel, Corinna Harfouch, Janko Kahle
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Hagen Oechel, Janko Kahle
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Janko Kahle, Corinna Harfouch
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Hagen Oechel, Corinna Harfouch, Janko Kahle
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Daniel Nerlich, Janko Kahle, Corinna Harfouch, Sarah Franke, Hagen Oechel, Jonas Steglich
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Daniel Nerlich, Corinna Harfouch, Janko Kahle, Sarah Franke, Hagen Oechel
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch, Sarah Franke
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Hagen Oechel
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch, vorn: Moritz Bossmann, Boris Nielsen, Peter Bartz, Hannes Gwisdek
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch, Sarah Franke
Foto: Katrin Ribbe
Auf dem Bild: Corinna Harfouch
Foto: Katrin Ribbe
Handlung
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die Werte der Französischen Revolution sollen auch in die entfernten Kolonien hinausgetragen werden. Der Export einer Idee, für alle, überall. Die drei Emissäre der Revolution Debuisson, Galloudec und Sasportas haben den Auftrag, auf der Insel Jamaika eine Sklavenrevolte anzustiften. Die Drei könnten unterschiedlicher nicht sein: Debuisson ist bürgerlicher Sohn von Sklavenhaltern, Galloudec ein Bauer aus der Bretagne und Sasportas ein schwarzer Revolutionär, der die Herrschaft der Kolonialherren am eigenen Leib erfahren hat. Als in Frankreich Napoleon die Macht übernimmt, beginnt eine neue Zeit. Das Trio gerät in Streit, ob der Auftrag nach wie vor gültig ist. Heiner Müller schrieb DER AUFTRAG 1979. Als Vorlage diente ihm die Erzählung DAS LICHT AUF DEM GALGEN von Anna Seghers. Entstanden ist ein Stück über Verrat und das Scheitern von Utopien.
Die Erfolgsproduktion DER AUFTRAG gastierte u. a. am Deutschen Theater Berlin, am Residenztheater München, beim Prager Theaterfestival deutscher Sprache, beim Festival TEART in Minsk, Belarus und bei den Wiener Festwochen.

www.schauspielhannover.de
Dauer der Aufführung: 1 Stunde und 40 Minuten.
Keine Pause.
Besetzung
Regie
Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne
Jo Schramm, Anna Sörensen
Kostüme
Musik
Hannes Gwisdek, Peter Bartz, Moritz Bossmann, Boris Nielsen (Die Tentakel von Delphi)
Video
Peer Engelbrecht, Stephan Komitsch (impulskontrolle)
Dramaturgie
Johannes Kirsten
Mit
Corinna Harfouch, Sarah Franke, Janko Kahle, Jürgen Kuttner, Daniel Nerlich, Hagen Oechel, Jonas Steglich
Video
Nächste Termine
http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Zu Gast
16
Sa
Mrz
19.30 - 21.10 Uhr
Schauspielhaus
Erinnerung an eine Revolution von Heiner Müller

Gastspiel Schauspiel Hannover
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Preis: 18 € bis 36 €
Pressestimmen
„Man hört einen Müller wie lange nicht, weil etwas Seltenes gelingt: Der Abend versöhnt gleichsam die komödiantische und die ernste Rezeptionslinie.“
Christian Rakow, Theater heute
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„Kühnel / Kuttner haben sich eines gewaltigen Kunstgriffs bedient: Praktisch der gesamte Stücktext kommt nicht von den Spielern, sondern aus dem Off, von Heiner Müller eingelesen, aus einem alten Mittschnitt einer Lesung in Leipzig 1980. Und der stockende, aber feste, gleichförmige, unnachahmlich warme Leseton Müllers gibt dem Geschehen Halt. Wie sinistere Marionetten hängen die Akteure in den Stromdrähten des fremden Textes. Dazu spielt die Band Die Tentakel von Delphi im Orchestergraben live mythisch schwebende Sounds ein, gleichsam wie Erben von Pink Floyd und Jethro Tull.“
Christian Rakow, Theater heute
„Ein überwältigender Reigen von Ideen und Assoziationen, Verknüpfungen und Interpretationen.“
Sascha Westphal, 09.06.2015, nachtkritik.de
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09.06.2015
„‚Erinnerung an eine Revolution‘ nennt Heiner Müller im Untertitel sein Stück. Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Inszenierung, eine Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Schauspiel Hannover, könnte allerdings auch einen anderen Untertitel tragen: ‚Erinnerung an Heiner Müller‘. Im Zentrum steht der Mitschnitt einer Lesung aus dem Jahr 1980, bei der Heiner Müller sein Stück selbst vorgetragen hat. Begleitet wird diese Einspielung von der Band Die Tentakel von Delphi. Ihr Live-Soundtrack ist Auslegung und Gegenrede, eine Ausweitung der künstlerischen Kampfzone, die an den Abgrund reicht, um sich in die Höhen des Aufstands zu erheben. Die raren Momente, in denen die Spielerinnen und Spieler selbst den Text sprechen, haben dadurch besonderes Gewicht. Wenn die als Pierrot gekleidete und geschminkte Corinna Harfouch, die einst Müllers Lady Macbeth war, diesen Monolog spricht, schwingt zunächst noch etwas Lächerliches mit. Ein leichtes Sächseln reicht, um das Kafkaeske der DDR-Bürokratie ins vollends Absurde zu führen. Das alte Tondokument hält das Vergangene in der Gegenwart lebendig. Theater als Séance, die ‚Erinnerung an eine Revolution‘ als unerlässliche Geisterbeschwörung.
Zugleich ergibt sich so eine deutliche Trennung zwischen Text und Spiel. Die Szenen, die bei Kühnel und Kuttner zu Zirkusnummern werden und extrem unterschiedliche Theaterformen und -stile zitieren, sind mehr als nur Illustrationen des Dramas. Sie werden zu einem Kommentar, der weitere Räume aufschließt. Und das ist nur der Auftakt zu einem überwältigenden Reigen von Ideen und Assoziationen, Verknüpfungen und Interpretationen. Fast scheint es, als würde Müllers Engel der Verzweiflung durch diese Inszenierung schweben und dabei mit vollen Händen den Rausch austeilen. Kühnel und Kuttner tun nicht so, als ob sie Müllers Texte verstehen, und darin liegt eine revolutionäre Freiheit.“
Sascha Westphal, nachtkritik.de
„Der vergnüglichste und zugleich authentischste Müller aller Zeiten.“
Martin Krumbholz, 11.06.2015, Süddeutsche Zeitung
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11.06.2015
„Die Regisseure Tom Kühnel und Jürgen Kuttner haben erkannt, dass niemand den rohen, naturgemäß großartigen Text besser abliefern kann, als der Autor selbst. Nicht zuletzt aber sind in diesem Zirkus die Schauspieler die Attraktion, auch wenn sie meistens nur die Lippen zum Text bewegen. Aber ihre Körper, ihre Mimik kommen groß zur Geltung. Allen voran ist es die bewundernswerte Corinna Harfouch, die als Debuisson mit der Präzision und Eleganz ihrer Gestik gewissermaßen das Komplement abgibt zum eher ungelenken Sprachmodus des Autors. Im strengen Habitus eines Weißclowns ist es dabei das perfekte Outfit für die fragile und dabei durchaus dominante Schauspielerin Harfouch, die später auch einmal ihre Stimme einsetzen darf, wenn sie – sehr komisch auf Sächsisch – die Traumerzählung darbietet. Als furioses Finale eines eher kurzen Abends gönnen sich Kuttner und Kühnel schließlich eine Stippvisite im Theaterkosmos von Frank Castorf. Geboten wird der vergnüglichste und zugleich authentischste Müller aller Zeiten – diesen Spagat muss man erst mal hinkriegen.“
Martin Krumbholz, Süddeutsche Zeitung
„Stimmig, fulminant und avanciert. Großer Jubel für großartiges Theater.“
Hendrik Werner, 14.09.2015, Weser-Kurier
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14.09.2015
„Sozusagen mit Grabesstimme wird nahezu der gesamte Text des Stückes von Heiner Müller aus dem Off eingespielt, derweil sich die Akteure in Lippenbewegungen und Pantomime üben. Zwar nimmt die Inszenierung wegen der Sperrigkeit der dramaturgisch und intertextuell komplexen Vorlage erst in der zweiten Hälfte richtig Fahrt auf. Dann jedoch gerät sie in ästhetischer Hinsicht so stimmig, fulminant und avanciert, dass man sich wünscht, der Abend möge nimmer enden.
Großer Jubel für großartiges Theater.“
Hendrik Werner, Weser-Kurier
„Ein einziger Bilderrausch, noch assoziativer und sprunghafter als die Vorlage.“
Stefan Gohlisch, 14.09.2015, Neue Presse
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14.09.2015
„Müller selbst liest – 20 Jahre nach seinem Tod - den Text, nasal, schnarrend, fast ohne Betonung. Die Schauspieler bewegen oft nur die Lippen dazu. Doch die Band Die Tentakel von Delphi bringt die wie in Stein gemeißelten Worte zum Tanzen. Und der Rest ist ein einziger Bilderrausch, noch assoziativer und sprunghafter als die Vorlage – und dabei ausgesprochen unterhaltsam.
Müllers traumatische Sequenz vom Mann im Fahrstuhl bringt Harfouch mit breitem Sächseln, was so komisch wie dramatisch wirkt – Kafka als DDR-Spießbürger, ein Kabinettstückchen. Und das Theater der Revolution wird virtuos als Schwarzweiß-Trickfilm in Echtzeit realisiert. Manches ist anstrengend, durchaus länglich, das darf es; Revolutionen sind nun mal kein Kindergeburtstag.
Denn das gerade, dieses Überbordende, lenkt den Blick des Betrachters auf die Leerstellen unserer Zeit: Neo-Biedermeier, wohin man blickt. Die Revolution ist gescheitert. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind in der Ära der Ironie dem Spott preisgegeben – und das wars? Da bezieht dieses Revolutionstheater klar und programmatisch Stellung: ‚Die Sklaverei hat viele Gesichter, ihr letztes haben wir noch nicht gesehen‘, heißt es im Stück, gar nicht lächerlich. Überwältigender und gesellschaftlich relevanter kann man eine Spielzeit kaum eröffnen.“
Stefan Gohlisch, Neue Presse
„Vorn an der Rampe die Band ‚Die Tentakel von Delphi‘. Laut, liebevoll romantisch und diebisch lüstern dissonant.“
Hans-Dieter Schütt, 15.09.2015, Neues Deutschland
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15.09.2015
„Eine Figurenmixtur aus Zirkuspudeln, Blue Man Group und Salontypen als Porzellankännchen und -tässchen. Eine Ästhetik des grellen, flinken, unbekümmert eklektischen Bilderbogens. ‚Rocky‘-Töne, Fetzen aus ‚Vom Winde verweht‘, ein Live-Boxkampf zwischen Danton und Robespierre per Trickfilm und Pappmasken (Heiner Müller als Animationsfigur handtuchwedelnd an den Ringseilen). Vorn an der Rampe die Band ‚Die Tentakel von Delphi‘. Laut, liebevoll romantisch und diebisch lüstern dissonant. Paukenschlag und Polka, Marsch und Marseillaise. Verzückung und Verzerrung. [...] Grandio Corinna Harfouch als weißgeschminkter Clown. Der Verräter Debuisson. Tänzelnd. Zitternd. In seiner Behendigkeit auch listig oder scheu. Im erwähnten Monolog ‚Der Fahrstuhl‘ – ein Bediensterer auf dem Weg zu seinem Chef, ‚den ich die Nummer Eins nenne‘ – bietet sie ein niederzerrendes Sächseln: DDR-Enge als sklavisch bürokratische Schrumpfform der Emanzipation. Dann, wenn dieser Text sich ausschwingt in die sozial zerrissene Welt der Kontinente, wird Harfouch zur großen Tragödin. Spricht, als stehe alles in ihr, in ihr still. Stille vor dem Sturm.“
Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland
„Fulminante Marionettenspiel, bei dem man nie genau weiß, wer hier eigentlich die Fäden zieht. Chapeau!“
Miss Laine, 12.09.2015, reihesiebenmitte.de
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12.09.2015
„Ein Heiner-Müller-Abend voller Theatermagie. Das Regieteam lässt den Meister seinen sperrig-poetischen Text um die drei Boten der französischen Revolution im fernen Jamaika selbst sprechen (in einem Lesungs-Mitschnitt von 1980) und fährt dazu eine so beeindruckende wie passgenaue, clownesk-surreale Nummernrevue auf, dass man sich die Augen reibt.
Zu keiner Zeit gehen die Bilder zu Lasten des Textes, dafür ist der einfach zu stark – es ist vielmehr ein äußerst spannendes gegenseitiges Umkreisen, Kontrastieren und Verstärken.
Im Boxring des Theaters der Revolution steht im Hintergrund Müller selbst, das Handtuch lässig über die Schultern geschwungen, und schaut es sich an, dieses fulminante Marionettenspiel, bei dem man nie genau weiß, wer hier eigentlich die Fäden zieht. Chapeau!“
Miss Laine, reihesiebenmitte.de
„Theatertreffen-Einladung hin oder her. Diese Inszenierung ist ein Meilenstein.“
Christian Rakow, 01.05.2016, Theater heute
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01.05.2016
„Theatertreffen-Einladung hin oder her. Man wird von dieser Inszenierung noch lange sagen: Sie hat der Müller-Rezeption etwas hinzugefügt, sie hat unser kulturelles Gedächtnis aufgefrischt; sie ist: ein Meilenstein.“
Christian Rakow, Theater heute