Premiere 19.03.2022 › Schauspielhaus

Ein Volksfeind

Handlung
Was ist einer Gesellschaft die Gesundheit aller wert? Wie kann jemand, der sich für sie einsetzt, im Namen des Allgemeinwohls zum Volksfeind erklärt werden? Im aufstrebenden Badestädtchen wurde saniert, die Kurgäste sollen bald in Scharen strömen. Doch die chemische Analyse des Wassers, die Badearzt Thomas Stockmann in Auftrag gibt, könnte alles zunichtemachen. Die neue Leitung ist mangelhaft, das Wasser krankheitserregend. In der Veröffentlichung dieser Neuigkeit wittert Thomas naiv und idealistisch einen Dienst an der Gemeinschaft, sein Bruder Peter hingegen fürchtet den kompletten Ruin einer Region, die vom Tourismus lebt. Das existenzielle Wohl der Stadtbewohner steht plötzlich in Konkurrenz zum gesundheitlichen Wohl der Kurgäste, und ein Krimi um Veröffentlichung, Widerrufung und Auslegung der wissenschaftlichen Fakten beginnt.
Henrik Ibsen verarbeitete in seinem 1882 veröffentlichten Drama die öffentliche Auseinandersetzung um seine Stücke NORA und GESPENSTER. Darin analysiert er, warum ein an sich richtiges Detail durch seinen Kontext immer wieder anders definiert wird. Während Thomas die ganze Gesellschaft anklagt und auf Meinungsfreiheit und Wahrheit pocht, bis er vollkommen isoliert ist, argumentiert Peter mit dem Recht und der Macht der Mehrheit und ignoriert die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Beide glauben fest daran, den Kampf um die öffentliche Meinung ‚richtig‘ zu beeinflussen. Beide sind sich ihrer Sache absolut sicher und nehmen nicht das Ganze in den Blick, aber nur einer wird vom Volksfreund zum Volksfeind.
Besetzung