Uraufführung 05.04.2019 › Schauspielhaus

Eine Straße in Moskau

nach dem Roman von Michail Ossorgin
aus dem Russischen von Ursula Keller
in einer Spielfassung von Sebastian Baumgarten und Jörg Bochow
Handlung
Als im Herbst 2015 Michail Ossorgins Roman EINE STRASSE IN MOSKAU auf dem deutschen Buchmarkt erschien, war diese Wiederentdeckung eine Sensation. Bereits 1928 war Ossorgins Roman im französischen Exil erschienen, nachdem der Autor wie hunderte andere Intellektuelle 1922 aus der Sowjetunion ausgewiesen worden war. Ossorgin hatte zunächst die Revolution begrüßt, bevor er in Konflikt mit der neuen Macht kam. SIWZEW WRAZHEK, wie der Roman im russischen Original heißt, ist eine kleine, ruhige Straße im alten Zentrum von Moskau nahe des Arbat. Im Haus des Ornithologen Iwan Alexandrowitsch und seiner Enkelin Tanja treffen sich am Beginn des Ersten Weltkrieges Wissenschaftler, Studenten, Musiker und Künstler. Sie alle geraten in die Katastrophe des Krieges und in die Wirren der anschließenden Revolution. Einige werden getötet oder zum Krüppel geschossen, viele verarmen und müssen sich durschlagen, andere steigen auf: Das Haus in der Straße in Moskau wird zum Mikro­kosmos, indem sich nicht nur die Geschichte der Menschen, sondern auch die der Tiere und des Planeten spiegeln. Mit liebevollem, aber unbestechlichem Blick beschreibt Ossorgin das oft grausame Schicksal der Einzelnen, die versuchen, in Zeiten des rasanten Umbruchs ihre Menschlichkeit zu bewahren. Mit seiner reichen, oft überraschenden Poesie gelingt es Ossorgin, vorurteilsfrei und ohne ironische Distanz einen immer wieder neuen Blick auf das weltverändernde Geschehen in Russland von 1914 bis 1920 zu werfen.