Premiere 28.05.2010 › Kleines Haus 1

Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow
Auf dem Bild: Cathleen Baumann, Thomas Eisen, Ina Piontek, Christine Hoppe, Ines Marie Westernströer
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Cathleen Baumann, Thomas Eisen, Christine Hoppe, Ines Marie Westernströer, Philipp Lux, Ina Piontek, Wolfgang Michalek, Antje Trautmann
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ina Piontek, Cathleen Baumann, Christine Hoppe, Matthias Luckey, Antje Trautmann, Ulrich Anschütz, Ines Marie Westernströer, Thomas Eisen
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ulrich Anschütz, Wolfgang Michalek, Christine Hoppe, Thomas Eisen, Matthias Reichwald, Ensemble
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Matthias Reichwald, Thomas Eisen, Philipp Lux, Ina Piontek, Wolfgang Michalek, Ines Marie Westernströer, Christine Hoppe, Ulrich Anschütz, Cathleen Baumann, Fabian Gerhardt, Antje Trautmann, Matthias Luckey
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Matthias Luckey, Antje Trautmann, Matthias Reichwald, Christine Hoppe
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Matthias Luckey, Antje Trautmann, Cathleen Baumann, Fabian Gerhardt
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Fabian Gerhardt, Matthias Reichwald, Cathleen Baumann, Matthias Luckey, Antje Trautmann, Christine Hoppe
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Wolfgang Michalek, Christine Hoppe, Philipp Lux, Ines Marie Westernströer und Antje Trautmann (im Hintergrund)
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Christine Hoppe, Ina Piontek, Ines Marie Westernströer, Wolfgang Michalek und Cathleen Baumann (im Hintergrund)
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Thomas Eisen
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Wolfgang Michalek, Ina Piontek
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Fabian Gerhardt, Matthias Reichwald
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Philipp Lux, Christine Hoppe
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Thomas Eisen, Christine Hoppe, Cathleen Baumann
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ulrich Anschütz, Christine Hoppe
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Christine Hoppe, Ines Marie Westernströer, Wolfgang Michalek, Ina Piontek
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ulrich Anschütz, Christine Hoppe, Wolfgang Michalek, Matthias Reichwald
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Wolfgang Michalek, Christine Hoppe
Foto: Matthias Horn
Foto: Matthias Horn
Handlung
Ihr solltet keine Theaterstücke, sondern öfter mal euch selbst ansehen. Nach fünf sorglosen Jahren an der Riviera kehrt die Gutsbesitzerin Ranjewskaja mit ihrer kleinen Entourage nach Hause zurück – auf ihr Landgut mit Kirschgarten. Da alle im Ausland über ihre Verhältnisse gelebt haben, ist die Familie weitgehend mittellos und das Gut zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Der geschäftstüchtige Kaufmann Lopachin unterbreitet der Ranjewskaja einen Vorschlag, die finanzielle Krise zu meistern: Er will den Kirschgarten abholzen und das Gelände parzellieren, um darauf Sommerhäuschen für erholungsbedürftige Städter zu errichten. Die Ranjewskaja kann sich zu diesem Schritt nicht entschließen; zu schwer fällt es ihr, Abschied zu nehmen vom wunderschönen, aber vollkommen nutzlosen Kirschgarten, mit dem sie vielfältige Erinnerungen verbindet. Letztlich stellt der neureiche Lopachin die lebensuntüchtige Gutsbesitzerfamilie vor vollendete Tatsachen: Während sie zu einem letzten Ball einlädt, kauft Lopachin den Kirschgarten und setzt die ehemaligen Besitzer auf die Straße.

„Der Kirschgarten“ erzählt von einer Lebensform des endlosen Müßiggangs, die gezwungen ist, einem leistungsorientierten Pragmatismus zu weichen, der im Kern jedoch nicht weniger leer ist. Tschechows Komödie wird von Hausregisseur Tilmann Köhler inszeniert, der nach Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ (ausgezeichnet mit dem Kurt-Hübner-Preis für junge Regie) zuletzt Ödön von Horváths „Italienische Nacht“ auf die Bühne brachte.
Besetzung
Regie
Tilmann Köhler
Bühne
Karoly Risz
Kostüme
Susanne Uhl
Musik
Jörg-Martin Wagner
Licht
Andreas Barkleit
Dramaturgie
Ljubow Andrejewna Ranjewskaja
Anja
Ines Marie Westernströer
Warja
Ina Piontek
Leonid Andrejewitsch Gajew
Wolfgang Michalek
Jermolaj Alexejewitsch Lopachin
Pjotr Sergejewitsch Trofimow
Boris Borissowitsch Simeonow-Pischtschik
Charlotte Iwanowna, Gouvernante
Cathleen Baumann
Semjon Pantelejewitsch Jepichodow
Fabian Gerhardt
Dunjascha
Antje Trautmann
Firs
Ulrich Anschütz
Jascha
Matthias Luckey
Video
Pressestimmen
„Die Aufführung ist klar, strikt, geradeaus, hat ein ziemlich grandioses Ensemble um die wirklich fabelhafte Christine Hoppe.“
Michael Laages, mdr figaro
„Feinste Komik – vom Dresdner Ensemble punktgenau umgesetzt. Köhler schafft es grandios, dem Verstreichen der Zeit Raum zu geben.“
Johanna Lemke, Sächsische Zeitung
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„Hausregisseur Tilmann Köhler inszeniert einen unaufgeregten und sehenswerten ‚Kirschgarten‘: Seine dezenten Bilder lassen Raum zum Mitleiden und Mitlachen, zum Nachdenken und Zuhören. Feinste Komik – vom Dresdner Ensemble punktgenau umgesetzt. Köhler schafft es grandios, dem Verstreichen der Zeit Raum zu geben.“
Johanna Lemke, Sächsische Zeitung
„Sehr stückgerecht, ganz auf die Schauspieler konzentriert und zu Recht mit viel Beifall bedacht.“
Tomas Petzold, Dresdner Neueste Nachrichten
„Tilmann Köhlers Inszenierung ist in allen ihren Elementen überzeugend, stimmig und spannend. Das Ensemble ist herausragend.“
Dresdner Morgenpost
„Mit Respekt und Bescheidenheit hat Köhler sich Tschechow genähert. Das Ergebnis ist alles andere als bescheiden.“
Christine Diller, Frankfurter Rundschau
Über das Stück

Eine Liebeserklärung an den Kirschgarten

von Tilmann Köhler
Ein Zimmer, das immer noch Kinderzimmer genannt wird. Morgendämmerung, die Sonne geht bald auf. Es ist Mai, die Kirschbäume blühen, aber im Garten ist es kalt, Nachtfrost. Szenenanweisung Der Kirschgarten, 1. Akt
 
Wenn man Stücke trinken könnte, dann hätte ich gerne eine Flasche vom Kirschgarten.
 
Die Ankunft in der Dunkelheit mit dem Duft der blühenden Kirschbäume. Das knarrende Parkett, der Blick durch die großen Fenster, das verrottende Haus. Ein Hängen an der Erinnerung, ein Hängen an der anderen Zeit. Das Feld mit dem Zirpen der Grillen. Und der trockene Saitenriss, das seltsamste und tollste Geräusch des Stückes im dritten Akt und ganz am Ende.
 
Ein Saitenriss und ein Zeitenriss. Ein Tod, ein Abschied. Verlorene Menschen im Übergang. Ein Umbruch vom Alten zum Neuen. Das Wegschieben der rohen Ideen des Bauernmillionärs Lopachin. Das Nicht-verstehen-Wollen, das Nichtakzeptieren, Aufschiebenwollen der unangenehmen Wirklichkeit.
 
Der Ball während der Versteigerung, der letzte ausufernde Tanz in den morschen Räumen, die Gäste, die sich gewandelt haben. Und die grelle, brachiale, monsterhafte Freude des Gewinners Lopachin. Das die Musik zertrampelnde Lachen. Die Abfahrt aus den überdeckten Möbeln, Schnee auf der Erinnerung. Die Koffer, die sich stapeln, und das Geräusch des Abholzens, der fallenden Bäume, gleichbleibend dumpf. Der Epilog des sterbenden Firs, des sterbenden Hauses, des sterbenden Kirschgartens und der sterbenden Erinnerung. Ein Musikstück, das trunken macht.
 
Alle sitzen in Gedanken versunken da. Stille. Man hört nur, wie Firs leise vor sich hin brummelt. Plötzlich ertönt ein entfernter Laut, wie vom Himmel kommend, der Laut einer gerissenen Saite, ersterbend, traurig. Szenenanweisung 2. Akt
Der Kirschgarten ist ein Musikstück. Die Texte sind Noten einer Partitur. Schreiben als Komposition. Tschechow komponiert. Die Musik verläuft unter dem Stück, hinter den Texten. Die Worte führen zu Handlungen, zu Menschen, zu Gesichtern.
Tschechow komponiert Erinnerung und Sehnsucht. Der Augenblick als permanentes Zufrüh oder Zuspät.
 
Die Besetzung ist das Orchester. Jede Rolle ist wie ein Instrument, eine notwendige Klangfarbe für diese Komposition. Immer auf dem Grat zwischen Schmerz und Glück.
 
Die Figuren erzählen Geschichten, sprechen miteinander, aber die Musik der Szenen liegt hinter den Worten. Ein Seismograf von Verwundungen, Sehnsüchten, Enttäuschungen, Träumen, Glück und Schmerz. Ein Seismograf der menschlichen Seele. Er zeichnet die untergründigen, die scheinbar nicht sichtbaren Erschütterungen auf. Er vermerkt sie, lange bevor das spürbare Erdbeben mit den sichtbaren Folgen zutage tritt. Es ist faszinierend, wie Tschechow diese inneren Lawinen in Worte fassen kann, ohne die Figuren preiszugeben, auszuliefern, zu überführen. Er lässt etwas von dem Inneren der Figuren ahnen, ohne dass wir uns sicher sein können. Sie bleiben verschlossen, obwohl sie sich scheinbar ständig offenbaren. Ich glaube, dass man in diesem Text nur zu Gast ist. Dass man als Schauspieler und Regisseur diese Figuren und diesen Kosmos von Tschechow nur besuchen kann. Ein Besuch, eine Begegnung mit existierenden Figuren, ein versuchtes Kennenlernen von Unbekannten, eine Annäherung. Die Figuren sind zu menschlich, als dass man sie nach nur einer Begegnung kennen kann. Ich freue mich sehr auf diesen Besuch und dieses Scheitern.
 
Die Bühne ist leer. Man hört, wie alle Türen abgeschlossen werden und dann die Kutschen abfahren. Es wird still. In die Stille hinein ertönen dumpfe Axthiebe, die einsam und traurig klingen. Szenenanweisung 4. Akt