12., 13. + 14.11.2021 › online auf www.fastforw.art

Kick’n Talk: Society – History – Identity on Stage

Festivalgespräche
Handlung
Ein Kunstwerk als Aufschlag und danach eine kleine Runde von Gästen zum Gespräch, so sieht das diesjährige Diskussionsformat von Fast Forward aus. Die Frage, wie und warum sich Künstler*innen mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen und mit welchem möglichen 'Mehrwert' sie das gerade in der Kunst tun, ist für eine Tradition, die so gern einen Unterschied zwischen „U“ wie Unterhaltung und „E“ wie Ernst macht, gelegentlich gewöhnungsbedürftig. Andererseits ist angefangen von den Höhlenzeichnungen unserer Vorfahren bis heute das Nachdenken darüber, was wir denn so treiben auf diesem Planeten, doch gar keine so schlechte Praxis. Drei Künstler*innen samt Gesprächspartner*innen gehen für Sie miteinander lustvoll ins Gesprächs-Match. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, tippen Sie Ihre Fragen oder Anmerkungen einfach in den Festival-Chat und wir speisen Sie dann nach Möglichkeit ins Gespräch ein.
English
An art work to kick-off and then a talk with a small group of guests, that’s the format of this year’s discussions at Fast Forward. The question of how and why artists deal with socially relevant topics and what ‘added value’ this brings precisely to art sometimes takes a bit of getting used to in a tradition that likes to differentiate between popular entertainment and serious art. On the other hand, from the cave paintings of our forefathers up until today, thinking about the kinds of stuff we do on this planet might not be such a bad practice after all. Three artists and their discussion partners are looking forward to battling it out in conversation for you. If you’d like to take part in the discussion, simply type your questions or comments into the festival chat and we’ll feed them into the discussion as much as possible.
Gespräche / Talks
Freitag, 12. November 2021, 11.00 – 12.20 Uhr

SOCIETY ON STAGE: MARATONA DE MANIFESTOS

Seit 2017 arbeitet die portugiesische Schauspielerin und Theatermacherin Isabel Costa, *1992, in verschiedenen Konstellationen und für verschiedene Orte an einem MARATHON DER MANIFESTE. Inspiriert vom gleichnamigen Projekt Hans Ulrich Obrists mit internationalen Künstler*innen für die Serpentine Galerien in London 2008, lässt Costa Schauspieler*innen an verschiedenen Orten aus Manifesten rezitieren, die nach 2000 geschrieben wurden. Das Publikum bekommt einen Stadtplan an die Hand und kann die Orte und Texte seiner Wahl selbst ansteuern. In der Inszenierung arbeitet Costa mit ihrem Ensemble dem klassischen Verständnis politischer Rhetorik entgegen. Die Aufführung soll Worte des Bewusstseins vermitteln, Botschaften der Hoffnung und/oder der Klage, weltlich, gegenwärtig.
Im Rahmen des Festivals FITEI im Mai 2021 in Porto, Portugal, zeigte Costa neben den Aufführungen vor Ort auch eine Filmversion dieser Arbeit. Mit ihr wird sie das Projekt online vorstellen und anschließend diskutieren mit dem Dramaturgen, Kurator, Filmemacher und Literaturkritiker Florian Borchmeyer und einem weiteren Gast, denn wir demnächst an dieser Stelle ankündigen werden.

Konzept & Textauswahl Isabel Costa Produktion Os Possessos Mit Catarina Rôlo Salgueiro, Dori Nigro, Filipa Matta, João Pedro Mamede, Leonor Buescu, Mia Tomé, Odete
Friday, 12th November 2021, 11:00 – 12:20

SOCIETY ON STAGE: MARATONA DE MANIFESTOS

Since 2017, the Portuguese actress and theatre-maker Isabel Costa, born in 1992, has been working in various constellations and for various places on a MARATHON OF MANIFESTOS. Inspired by the project of the same name by Hans Ulrich Obrist with international artists for the Serpentine Gallery in London 2008, Costa has actors recite manifestos that were written after the year 2000 in various places. The audience is given a map of the city and can then go to whichever places and texts they like. In the production Costa and her ensemble work against the classical notion of political rhetoric. She wants the performance to convey words of consciousness, messages of hope and/or complaint, worldly, present.
At the FITEI festival in Porto, Portugal in May 2021, Costa showed a film version of this piece along with the performances. She will present the project online with that film, followed by a discussion with the dramaturge, curator, filmmaker and literary critic Florian Borchmeyer and one other guest, whom we will soon announce here.

Concept & Text Isabel Costa Production Os Possessos With Catarina Rôlo Salgueiro, Dori Nigro, Filipa Matta, João Pedro Mamede, Leonor Buescu, Mia Tomé, Odete
Samstag, 13.11.2021, 11.00 – 12.20 Uhr

HISTORY ON STAGE: FALLSUCHT

In der autobiografischen Performance Fallsucht erzählt Lara Scherpinski von einer Krankheit, die von der Aura des Geheimnisvollen umgeben ist: Epilepsie. Heilig, prophetisch, sündig, unbändig, von Dämonen besessen. Der absolute Kontrollverlust im Denken, Fühlen und Erleben. Eine menschliche Urangst, materialisiert in einer Krankheit. Lara Scherpinski untersucht in Fallsucht ihren Körper auch als Archiv von Familien- und Kulturgeschichte, als Sammelbecken von Mythen und gesellschaftlichen Debatten um Normalität und Andersartigkeit.
Die Inszenierung entstand als Kooperation der Cammerspiele Leipzig und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, gefördert von der Kunststiftung Baden-Württemberg, der StiftungErlebnisKunst, Stadt Leipzig Kulturamt und der LEIPZIGSTIFTUNG. 2020 wurde eine filmische Adaption erarbeitet, welche in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e. V. realisiert und durch die Techniker Krankenkasse gefördert wurde.
Das Regie-Kollektiv Lara Scherpinski, *1990 und Annika Schäfer, *1991 und Dramaturgin Meret Kündig, *1987 sprechen über diese Arbeit mit der Sozialwissenschaftlerin und Beraterin für Inklusion und Disability Management Fides Raffel und einem weiteren Gast, denn wir demnächst an dieser Stelle ankündigen werden.

Konzept schaefer||scherpinski Performance Lara Scherpinski Regie Annika Schäfer Dramaturgie Meret Kündig Ausstattung Tom Schellmann Musik Chiara Strickland Assistenz Paula Korneck Kamera Konstantin Pape Ton & Sounddesign Frank Schubert Tonassistenz Marc Eberhardt Montage Pablo Ben-Yakov Aufnahmeleitung Joseph Cyril Stoisits
Saturday, 13th November 2021, 11:00 – 12:20

HISTORY ON STAGE: FALLSUCHT

In the autobiographical performance FALLSUCHT, Lara Scherpinski tells the story of an illness that is surrounded by an aura of mystery: epilepsy. Holy, prophetic, sinful, unruly, possessed by demons. The absolute loss of control in thinking, feeling and experiencing. A primal human fear, materialised by an illness. In FALLSUCHT, Lara Scherpinski investigates her body also as an archive of familial and cultural history, as a receptacle of myths and social debates about normality and being different.
The production was created in cooperation with the Cammerspiele Leipzig and the Academy for the Performing Arts Baden-Württemberg, funded by the Baden-Württemberg Arts Foundation, StiftungErlebnisKunst, the Culture Office of the City of Leipzig and the LEIPZIGSTIFTUNG. In 2020, a film adaptation was developed, which was realized in cooperation with the Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e. V. and funded by the Techniker Krankenkasse.
The directing team Lara Scherpinski, *1990 and Annika Schäfer, *1991 and dramaturge Meret Kündig, *1987 will talk about this piece with social scientist and consultant for inclusion and disability management Fides Raffel and one other guest, whom we will soon announce here.

Concept schaefer||scherpinski Performance Lara Scherpinski Direction Annika Schäfer Dramaturgy Meret Kündig Suppliance Tom Schellmann Music Chiara Strickland Assistant Paula Korneck Camera Konstantin Pape Sound & Sounddesign Frank Schubert Sound Assistant Marc Eberhardt Editing Pablo Ben-Yakov Recording Management Joseph Cyril Stoisits
Sonntag, 14. November 2021, 11.00 – 12.20 Uhr

IDENTITY ON STAGE: WEISSABGLEICH

Im Sommer 2021 hat Julian Mahid Carly sein Studium der Theaterregie an der Akademie für darstellende Kunst in Ludwigsburg abgeschlossen. Carly wurde 1997 in Kassel geboren, hat einen B.A. in Literatur und Geschichte, schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Seine Arbeiten kreisen immer um das Geschichten erzählen aus marginalisierten Perspektiven und innerhalb von queeren und postkolonialen Narrativen. 2019 drehte er als Regisseur und Protagonist einen Kurzfilm, der ein Experiment in Sachen extremer Anpassung darstellt: Deutschsein, Schönsein, Bleich-Cremes. Carly konfrontiert andere Menschen mit seinem Wunsch, weiß werden zu wollen: Seine Mutter ist schockiert. Ein rechtsextremer Aktivist redet viel, sagt aber wenig aus. Ein plastischer Chirurg erläutert die Möglichkeiten einer Laserbehandlung. Aber woher kommt der Wille zur Angleichung und wo führt er hin?
Julian Mahid Carly reißt mit seinem Kurzfilm ein komplexes Thema auf ungewöhnliche Art und Weise an. Er nutzt die Mittel der Kunst um ebenso humorvoll wie provokant auf Problemstellungen aufmerksam zu machen, für deren Verständnis es mehr als simple Denkmuster braucht. Über seine Motive zu diesem Film und das dazugehörige Themenfeld wird Carly mit zwei Gästen sprechen, die wir in Kürze an dieser Stelle bekannt geben.

Regie & Produktion Julian Mahid Carly Bildgestaltung Markus Ott Tongestaltung & Remix Jonas Kröhnert Musik Dominik Matzka Montage Maxie Borchert
Sunday, 14th November 2021, 11:00 – 12:20

IDENTITY ON STAGE: WEISSABGLEICH

Julian Mahid Carly completed his degree in theatre directing at the Academy for Performing Arts in Ludwigsburg in the summer of 2021. Carly was born in 1997 in Kassel, has a B.A. in Literature and History, and writes plays and radio plays. His work always circles around telling stories from marginalised perspectives and within queer and postcolonial narratives. In 2019, he shot a short film, which he directed and starred in and was an experiment in extreme conformism: being German, being beautiful, whitening creams. Carly confronts other people with his wish to become white: his mother is shocked. An extreme right-wing activist talks a lot, but doesn’t say much. A plastic surgeon explains the options for laser treatment. But where does the desire to conform come from and where does it lead?
Julian Mahid Carly opens up a complex topic with his short film in an unusual way. He uses the medium of art to both humorously and provocatively draw attention to certain problems, which require more than just simple patterns of thinking to understand. Carly will discuss his motivation to make this fail and the issues it raises with two guests, who we will provide more information on very soon.

Direction & Production Julian Mahid Carly Image Markus Ott Sounddesign & Remix Jonas Kröhnert Music Dominik Matzka Editing Maxie Borchert