27.01.2019 › Kleines Haus 1, Musik zwischen den Welten

Violons Barbares „Wolf’s Cry“

Archaisch und modern. Symbiotische Musik der Steppe und der Metropolen.
FOTO Olivier Hoffschir
Handlung
Mit ihrem aktuellen Album „Wolf’s Cry“ schreiben die drei grenzüberschreitenden Musiker ihre beeindruckende Erfolgsgeschichte fort. Mit ihrer emotional überwältigenden Musik locken sie auf allen Kontinenten die Menschen in ihre Konzerte, die sich zumeist zu einer Art Konzerthappening entwickeln. Zahlreiche Weltmusikfestivals rund um den Globus haben die Band auf ihre Bühnen geholt, immer öfter rufen auch gut sortierte Indie-Rock-, Jazz- oder sogar Pop-Festivals aus aller Welt die Musiker zu sich. André Heller lud die Band exklusiv zur Eröffnung des neuen Weltmuseums nach Wien ein. Der Klang von Streichinstrumenten kann – befreit vom Umfeld eines zähmenden Orchesters –an die urtümlichen Schichten menschlicher Existenz rühren. Nur drei Musiker braucht es, um hierfür den Beweis anzutreten, führen sie doch ehemals getrennte Traditionen zu einer quasi archaischen Moderne zusammen.
 
Zunächst einmal ist da die mongolische Pferdegeige Morin Khoor von Enkhjargal Dandarvaanchig: Der weltgewandte, vielseitige Musiker aus Ulan Bator wurde hierzulande besonders durch seine häufige Mitwirkung bei Rüdiger Oppermanns Klangwelten-Festivals bekannt, auf denen er von beseeltem Obertongesang bis zu seinem selbst kreierten mongolischem Rap eine grandiose Ausdrucksspannbreite auf die Bühnenbretter legte. Seine tief empfundene Kunst beim Spiel des mongolischen Nationalinstruments trifft hier auf Dimitar Gougovs bulgarische Spießgeige Gadulka. Gougov stammt aus der Schule von Phlip Koutev, jenem legendären Arrangeur für die weltbekannten bulgarischen Frauenstimmen, und er ist ein Meister auf diesem so schwer zu spielenden Streichinstrument mit dem klagenden, obertonreichen Sound.
Der stiebende Funkenflug und der vorwärts preschende Galopp der Bögen zwischen zentralasiatischer Steppe und Balkan wird durch das reiche, nordafrikanisch und orientalisch geprägte Schlagwerk-Arsenal in den Händen des Perkussionisten Fabien Guyot voran getrieben. Eine überraschende Rolle spielt bei dieser Musik die menschliche Stimme: Enkhjargal wechselt von dröhnendem Kehlkopfgesang und Steppen-Hiphop zu glasig-feinen, wispernden Melodien und dem flötenden Obertongesang, Gougov kreiert dazu mit stolzem Tenor markerschütternde und majestätische Töne. Die feurige und ungezügelte Musik dieses ungewöhnlichen Trios begeistert, da sie an die archaischen Schichten unseres Bewusstseins appelliert, zugleich aber eine fantasievolle Schöpfung der Neuzeit ist. Denn nur die Migrationsbewegungen des 21. Jahrhunderts haben diese drei Meister ihres Fachs durch Zufall in der deutsch-französischen Grenzregion zusammengeführt, wo sie nun ihr grandioses Knüpfwerk über Tausende von Kilometern hinweg weben können.
(Stefan Franzen im Monatsmagazin „Begegnung der Kulturen“)

violonsbarbares.com
Besetzung
Morin Khoor, Unter-und Oberton Gesang
Enkhjargal Dandarvaanchig
Gadulka, Gesang
Dimitar Gougov
Percussion, Gesang
Fabien Guyot
Video
Nächste Termine
http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Zu Gast
27
So
Jan
20.00 Uhr
Kleines Haus 1, Musik zwischen den Welten
Archaisch und modern. Symbiotische Musik der Steppe und der Metropolen.
Preis: 20 € bis 24 €
Die Musiker

Enkhjargal Dandarvaanchig

Morin Khoor, Unter-und Oberton Gesang
Geboren im mongolischen Ulaanbaator, durchquerte er in der Kindheit mit seiner Familie und ihren Pferdeherden die Taiga nahe Altabulag, bevor sein musikalisches Talent von dem berühmten Flötisten Tserendorj entdeckt wurde. Enkhjargal studierte Musik am Konservatorium von Ulaanbaator als Meisterschüler des Professors für Morin Khoar G. Janjan. Seit 1989 lebt er in Europa, Er war und ist an zahlreichen Konzerten mit namhaften Weltmusikern beteiligt und reist als gefeierter Solist um die ganze Welt. Seine Stimme reicht über sagenhafte fünf Oktaven, vom abgrundtiefen Schamanengesang (Kharhira) bis zum Obertongesang (Xöömi) ohne jede Attitüde und esoterisches Beiwerk, einfach als Wunder der Natur.

Dimitar Gougov

Gadulka, Gesang
Bereits in seiner Kindheit tauchte der gebürtige Bulgare Dimitar Gougov in die traditionelle Musik seiner Heimat ein. Er wurde Schüler des Gadulka-Virtuosen Atanas Vulchev und Orchestermitglied des Folklore-Ensembles von Filip Kutev. Im Jahr 2000 zog er nach Frankreich und ließ sich in Straßburg nieder, wo er die Gruppen „Boya“ und „Violons Barbares“ gründete. Neben seiner Tätigkeit als Musiker komponiert und arrangiert er Stücke für Frauenchöre und leitet Workshops und Aufführungen für Balkanmusik.

Fabien Guyot

Percussion, Gesang
Ausgebildet in zeitgenössischer Perkussion in Nizza und Straßburg studierte Fabien die traditionelle iranische Musik und die des Maghreb. Als Mitglied des Musikkollek-tivs „L’Assoce Pikante“ in Straßburg war er beteiligt an der Gründung der Gruppen „L’Hijaz Car“, „Shezar“ und des „Grand Ensemble de la Mediterranee“. Er spielt auch an der Seite bei „Houria Aichi“ und in der Perkussionsgruppe „Furieuz Casrols“, die mit Recyclingobjekten experimentiert.