Die Bürgerbühne lädt alle Bürger Dresdens ein: Führt euch auf!

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Bürgerbühne Dresden geht in ihre achte Spielzeit und beobachtet staunend, wie sich der Begriff „Bürger“ unmerklich, aber kontinuierlich wandelt. Wie es plötzlich besorgte Bürger, Wutbürger, Nichtbürger und Neubürger gibt. Wie er für Weltbürger und für deutsche Bürger steht, wie das Wort benutzt werden kann, um andere ein- oder auszuschließen. Die Fronten in unserer Stadt sind verhärtet, und wir als Bürgerbühne machen weiter mit dem, was wir begonnen haben, nur nennen wir es anders. Wir nennen es nun Integration. Wir meinen damit nicht etwa die Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft, sondern das Zusammenwachsen aller Gruppierungen dieser Stadt und darüber
hinaus. Eine Utopie? Ja, genau. Das bedeutet jedoch keinen Schmusekurs. Wir müssen dafür auf den Proben und auf der Bühne den einen oder anderen Konflikt austragen, denn nur so kommen wir voran. Doch das kommt uns gelegen, denn jedes gute Drama braucht einen Konflikt.
Wir beginnen mit „Romeo und Julia“ nach William Shakespeare mit deutschen und arabischen Jugendlichen, die sich auf der Bühne die Frage stellen, die viele Menschen derzeit umtreibt: Ist die Liebe zwischen den Geschlechtern grenzenlos? In „Zuerst die gute Nachricht“ kracht es ein zweites Mal, wenn das Publikum Vertreter der Presse an einen Detektor anschließt und fragt: „Wie und unter welchen Bedingungen arbeitet ihr und woher kommt euer schlechtes Image?“ In „Secondhand-Zeit“ werfen wir einen Blick auf die 90er-Jahre, auf die Trümmer des sowjetischen Sozialismus, und darauf, wie die Menschen heute die Zeit seitdem beurteilen. Da wir festgestellt haben, dass bei unseren Jugendprojekten überdurchschnittlich viele Gymnasiasten mitspielen, erarbeiten wir in dieser Spielzeit „Get up! Stand up!“ gemeinsam mit der Klasse 9b der 128. Oberschule in Dresden-Reick. Anhand von Gesprächen mit Zeitzeugen nähern wir uns dem Thema Protest und suchen nach eigenen Haltungen zu Fragen unserer Zeit. Unter einer Bedingung: Es muss Spaß machen! Am Ende der Spielzeit feiern wir unsere Stadt gemeinsam mit 40 Dresdner Bürgern. Uli Jäckle, der Regisseur der großen Landschaftstheaterprojekte „Der Fall aus dem All“ und „Wildnis“, zaubert die gesamte Dresdner Stadtgesellschaft auf den Theaterplatz. Was ist Stadt, was ist Bühne? Wir spielen Alltag und werden dabei zum Welttheater. Einzelne, Gruppen und auch ein Elefant. Wächst da ein Volk zusammen?
Unsere Stadt bräuchte eigentlich zehn Bürgerbühnen, denn die Zahl der nicht gehörten Geschichten und Menschen ist ungleich größer als die, die es auf die Bühne schaffen. Wenn wir uns etwas wünschen dürfen: Nutzen Sie Ihre Stadt als Bühne und erzählen Sie sich gegenseitig Ihre Geschichten von früher, heute und auch die, die es geben könnte. Wenn Sie selbst nicht erzählen wollen, stellen Sie dann und wann eine einfache Frage. Der Esstisch, der Aufzug, die Straßenbahn, der Hausflur und die Party sind ebenfalls wunderbare Bühnenbilder. Natürlich nicht so wunderbar wie unsere.
Wir freuen uns, mit Ihnen in dieser Stadt zu leben und zu arbeiten und auf eine spannende neue Spielzeit mit viel produktiver Gruppenkeile!

In den letzten sieben Spielzeiten standen ca. 2500 Dresdnerinnen und Dresdner in unseren Projekten auf der Bühne. Wir bieten Ihnen vielfältige Möglichkeiten an, sich zu beteiligen oder mitzuspielen. Wenn Sie erst mal schnuppern wollen, besuchen Sie einmal wöchentlich einen un­serer Theaterclubs, die von unseren Theaterpädagogen und Schauspielern geleitet werden. Wenn Sie mehr Zeit haben, proben Sie mit einem Regieteam an einer Inszenierung.
In unserer Rubrik Neues von der Bürgerbühne halten wir Sie über anstehende Infotreffen und Projekte auf dem Laufenden. Und bei allen unseren Angeboten gilt: Es sind keine Theatervorkenntnisse erforderlich!

Die Bürgerbühne wird geleitet von der Regisseurin Miriam Tscholl unter Mitarbeit des Dramaturgen und Produktionsleiters David Benjamin Brückel sowie der Theaterpädagoginnen Bettina Seiler und Christiane Lehmann.

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„Eine Erfolgsstory für sich ist die neu gegründete Bürgerbühne im Kleinen Haus in der Dresdner Neustadt.“ (Die Zeit, 30.9.2010)

„Ein den Nerv der Stadt treffendes Mitmachtheater voller Strahlkraft.“ (Die Welt, 3.2.2011)

„Der gemeine Bürger, das unbekanntes Wesen, erobert seine Bühne.“
„Die wichtigste Erkenntnis lautet: Die besten, weil schrägsten Storys schreibt das Leben selbst“ (Theater der Zeit, Januar 2011)

„Die Nachfrage ist riesig. Sieht ganz so aus, als seien die Experten des Alltags noch lange nicht fertig mit dem Theater.“ (Spiegel online, 16.1.2011)

„Die Bürgerbühne ist eine Erfolgsgeschichte: im letzten Jahr wirkten 400 Dresdner mit.“
„Man besinnt sich darauf, was Theater eben auch ist: Ein ständiges Infragestellen der eigenen Wirklichkeit“ (taz, 3.12.2010)

"Führt euch auf!" - Die Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden

Kurzdokumentation zum 1. Bürgerbühnenfestival. Ein deutsch-europäisches Theatertreffen
am Staatsschauspiel Dresden, 17. - 24. Mai 2014

Dokumentation zu "Ich armer Tor" nach Goethes Faust
Mit Dresdner Männern in der Midlife-Crisis

Kontakt:    
Miriam Tscholl: 0351.49 13 - 849
David Benjamin Brückel: 0351.49 13 - 740
Bettina Seiler: 0351.49 13 - 742
Christiane Lehmann: 0351.49 13 - 664