Elfriede Jelinek

wird 1946 im steirischen Mürzzuschlag geboren; in Wien wächst sie auf. Früh erhält sie Ballettunterricht, beginnt, Klavier, Blockflöte, Geige, Gitarre und Bratsche zu spielen. Trotz anspruchsvollen Ausleseverfahrens am Konservatorium Wien wird die damals 13-Jährige als jüngste Studentin der Hochschule aufgenommen. Die Mutter verpflichtet ihre Tochter in jeder freien Minute zu Fingerübungen: Sie möchte sie zur Pianistin machen. Erste Anzeichen einer psychischen Krise treten auf. Dennoch beginnt sie 1964 ein Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien; nach zwei Semestern bricht sie ab. Krankheitsbedingt bleibt sie das Jahr 1968 die meiste Zeit zuhause. Erste Veröffentlichungen: Die Zeitschrift „protokolle“ publiziert einige Gedichte. Jelineks Roman „bukolit“ wird fertig, erscheint aber erst 1979. Der Vater wird 1969 in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen; im Mai desselben Jahres stirbt er. 1970 debütiert Jelinek mit dem Roman „wir sind lockvögel baby!“ und zieht nach Berlin. Zuvor hatte sie das Orgelstudium examiniert beendet. Es folgt ein Aufenthalt in Olevano bei Rom, eh sie nach Wien zurückkehrt. 1974 heiratet sie den Informatiker Gottfried Hüngsberg. Heute lebt sie in München und Wien. Trotz ihrer „musikalischen Sozialisierung“ hat sich Jelinek der Sprache verschrieben: Dem für sie von der Mutter vorgesehenen Lebensentwurf hat sie sich damit bewusst entzogen. Ihr politisches Engagement schlug sich nicht nur in dem Beitritt in die Kommunistische Partei Österreichs 1974 nieder – die sie 1991 wieder verlässt, sondern besonders in ihren dichterischen und publizistischen Tätigkeiten. Sie schreibt Prosa, darunter „Die Liebhaberinnen“, „Die Klavierspielerin“ – verfilmt von Michael Haneke und in Cannes 2001 mehrfach ausgezeichnet, „Die Kinder der Toten“. Sie übersetzt und verfasst Hörspiele und Libretti. Und sie schreibt Stücke: 1979 erscheint ihr erstes Drama „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte“ u. v. a. Unterdessen hat 1986 Jörg Haider den Vorsitz der rechtsgerichteten FPÖ übernommen. Den Wahlkampf um den Nationalrat bestreitet er durch populistische Propaganda. Auf einem Plakat ist Folgendes zu lesen: „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk ... oder Kunst und Kultur?“ Bösartige Polemiken gegen die „Nestbeschmutzerin“ Jelinek, die ihrem Land seit Anbeginn ihres Schaffens als Querulantin gilt, flankieren die Vorstöße. Jelinek reagiert mit einem Aufführungsverbot ihrer Stücke in Österreich, das sie erst zwei Jahre später wieder auflöst. Es folgen zahlreiche Theaterstücke. Darunter Einar Schleefs legendäre Inszenierung von „Ein Sportstück“ 1998 und die Bearbeitung von „Bambiland“ 2003 durch Christoph Schlingensief. „Die Kontrakte des Kaufmanns“ wurde in einer spektakulären Inszenierung in der Regie von Nicolas Stemann 2009 im Schauspiel Köln uraufgeführt. Elfriede Jelinek hat zahllose Preise erhalten – unter ihnen der Heinrich Böll-Preis, den sie als erste Frau 1986 erhält, der Georg-Büchner-Preis 1998 und der Nobelpreis für Literatur 2004.


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