13.02., 20.02., 27.02. + 13.03.2022 › Schauspielhaus

Dresdner Reden 2022

in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung
FOTO Gaby Gerster, privat, Marlena Waldthausen, Regentaucher
Handlung
Seit 30 Jahren begleiten die Dresdner Reden das Zeitgeschehen. Jedes Jahr laden die Sächsische Zeitung und das Staatsschauspiel Dresden Persönlichkeiten des nationalen und internationalen Kultur- und Geisteslebens ein, im Schauspielhaus eine Rede zu halten. Verbunden sind diese Reden durch den ‚Gedanken zur Zeit‘, ein vorgegebenes Motto gibt es nicht. Im Jubiläumsjahr 2022 finden die Reden erstmals seit Beginn der Pandemie wieder traditionell im Februar und März statt.
Redner*innen
Sonntag, 13. Februar 2022, 11.00 Uhr
Clemens Meyer, Schriftsteller
„Realitätsverluste oder: Komm wieder, Dr. May!“

„Die Realität verformt sich, beziehungsweise wird sie verformt. Kolportage wird zur Wahrheit, Lügner werfen Lügenvorwürfe, die große Verschwörung. Was die einen Dummheit nennen, ist für andere unumstößliche Empirie. Das Netz der Verwirrung legt sich über die Gesellschaft. Spinnen sitzen in diesem Netz, Gift in den Drüsen. Kann nur Dr. Karl May, der große sächsische Märchenerzähler, mit seinen humanistischen und verrückten Helden helfen, oder sind die schon im Irrenhaus oder auf der Bahnhofsmission?“, fragt der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer, der u. a. mit seinen Romanen ALS WIR TRÄUMTEN und IM STEIN bekannt wurde.
Sonntag, 20. Februar 2022, 11.00 Uhr
Klaus Töpfer, Politiker
Wissenschaft und Demokratie – ein Spannungsfeld?

„Die weltweite Staatengemeinschaft wird durch die Corona-Pandemie und den Klimawandel zu disruptiven Veränderungen herausgefordert. Es wächst daraus national und global die Verpflichtung, die Handlungsstrategien auf wissenschaftlicher Grundlage zu entwickeln. ‚Wir folgen der Wissenschaft‘ ist in vielen Demonstrationen, gerade junger Menschen, eine gebieterische Forderung. Demokratisch legitimierte Entscheidungen in einer offenen Demokratie bedürfen der Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung. Die offenen parlamentarischen Demokratien sind auf Entscheidungen über Alternativen ausgerichtet. Diese Spannungsfelder müssen dringlich immer wieder justiert und dynamisch fortentwickelt werden.“
Klaus Töpfer war unter anderem von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Regierung von Helmut Kohl und als Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen tätig.
Sonntag, 27. Februar 2022, 11.00 Uhr
Svenja Flaßpöhler, Philosophin, Journalistin, Autorin
„Erkenntnislust“

„Die Magie eines gelungenen Gesprächs liegt darin, dass es alle Beteiligten verändert. Mit einem Mal zeigt der verhandelte Gegenstand eine andere Seite, die bisher im Verborgenen lag. Sokrates war ein Meister dialektischer Gesprächsführung: Kollektiven Gewissheiten begegnete er mit Zweifel, um so höhere Einsichten zu ermöglichen. Die Kunst der Dialektik ist heute, in einer Zeit zunehmender Polarisierung und Verhärtung, notwendiger denn je. Gegen Hass, Arroganz und Konformismus hilft nur die unerschrockene Erkenntnislust der Philosophie.“
Svenja Flaßpöhler ist Chefredakteurin des PHILOSOPHIE MAGAZIN und hat zuletzt das Buch SENSIBEL: ÜBER MODERNE EMPFINDLICHKEIT UND DIE GRENZEN DES ZUMUTBAREN herausgebracht.
Sonntag, 13. März 2022, 11.00 Uhr
Mithu Sanyal, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin
„Politics of Love / Wie politisch ist Liebe?“

„Liebe und Politik gelten als Gegensätze, dabei ist Liebe das, was in Zeiten von Gräben in der Gesellschaft und unüberwindbaren Spaltungen am meisten fehlt. Traditionellerweise haben sich gerade linke Politiken stets auf eine Ethik der Liebe bezogen. Mohandas Gandhi, besser bekannt als Mahatma Gandhi, und Martin Luther King machten Liebe zum Zentrum ihrer Politik, während Liebe für die Linke heute beinahe zu einem schmutzigen Wort geworden ist und nach Rückzug ins Private und Neoliberalismus riecht.“ Die Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal fragt in ihrer Dresdner Rede danach, ob wir mehr Liebe brauchen, um über Utopien und Visionen sprechen zu können, oder was wir von einer Ethik der Liebe für die aktuellen Herausforderungen lernen können. Sie veröffentlichte bereits die Kulturgeschichten VERGEWALTIGUNG und VULVA, zuletzt erschien ihr literarisches Debüt IDENTITTI.
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30 Jahre Dresdner Reden
Längst sind sie zu einer Institution geworden, die DRESDNER REDEN. Künstler*innen, ehemalige Politiker*innen, Wissenschaftler*innen, Schriftsteller*innen, Architekt*innen, Historiker*innen und Journalist*innen formulierten in den vergangenen 30 Jahren ihre ganz persönlichen „Gedanken zur Zeit“. Die Liste der bisherigen Gäste liest sich wie ein ‚Who’s Who‘ des nationalen und internationalen Kultur- und Geisteslebens. Unter anderem ließen auf der Bühne des Schauspielhauses schon Willy Brandt, Günter Grass, Hans-Dietrich Genscher, Elke Heidenreich, Regine Hildebrandt, Fritz Pleitgen, Helmut Schmidt, Alice Schwarzer, Christa Wolf, Peter Sloterdijk, Stephan Greenblatt, Heribert Prantl und Richard Sennett das Publikum an ihren Ideen und Gedanken teilhaben. Die DRESDNER REDEN entstehen in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung.

Joachim Klement, Intendant Staatsschauspiel Dresden: „Dass diese Reden, die vom Zuhörenden ein großes Maß an Konzentration und Offenheit den unterschiedlichen Themen gegenüber voraussetzen, sich auch nach drei Jahrzehnten ungebrochener Beliebtheit erfreuen, spricht für sich. Es ist ein Zeichen für die Neugier einer Stadtgesellschaft, sich zum Dialog anregen zu lassen. Ich freue mich sehr, dass wir uns gemeinsam mit der Sächsischen Zeitung auch in diesem Jubiläumsjahr wieder auf spannende Redner*innen freuen können: auf die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, den Schriftsteller Clemens Meyer, den ehemaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Klaus Töpfer und die Philosophin, Journalistin und Autorin Svenja Flaßpöhler.“

Uwe Vetterick, Chefredakteur Sächsische Zeitung: „Die DRESDNER REDEN zeigen, was Kunst und Medien im besten Fall vermögen: nämlich intellektuellen Impulsgeber*innen die richtige Bühne zu geben. Damit dies über so lange Zeit gelingt, braucht es allerdings noch etwas: ein Publikum, denkfreudig und tolerant. Dass all dies nun seit 30 Jahren zusammenkommt, zeigt, was Dresden eben auch ausmacht.“

Über die Sächsische Zeitung
Sächsische Zeitung und sächsische.de sind die führenden Medien in und um Dresden, die täglich mehrere 100.000 Leser*innen in der Region erreichen. Mit ihrem unabhängigen und kritischen Journalismus prägt die Sächsische Zeitung nicht nur die öffentliche Diskussion im Freistaat Sachsen, als Initiator und Veranstalter von Events, Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen gestaltet sie auch das öffentliche Leben in der Region aktiv mit.

Dresdner Reden
seit 1992

1992 Günter Gaus | Christoph Hein | Egon Bahr | Willy Brandt

1993 Hans-Dietrich Genscher | Friedrich Schorlemmer | Tschingis Aitmatow | Regine Hildebrandt

1994 Heiner Geißler | Konrad Weiß | Wolfgang Thierse | Christa Wolf

1995 Horst-Eberhard Richter | Alfred Hrdlicka | Kurt Biedenkopf | Walter Jens
1996 Hildegard Hamm-Brücher | Margarita Mathiopoulos | Dževad Karahasan | Fritz Beer

1997 Günter de Bruyn | Libuše Moníková | Günter Grass

1998 Jens Reich | Fritz Stern | Adolf Muschg | György Konrád

1999 Jutta Limbach | Brigitte Sauzay | Andrei Pleşu | Rolf Schneider

2000 Peter Sloterdijk | Wolfgang Leonhard | Wolf Lepenies

2001 Adolf Dresen | Rita Süssmuth | Daniel Libeskind | Volker Braun
2002 Bassam Tibi | Alice Schwarzer | Daniela Dahn | Egon Bahr

2003 Michael Naumann | Susan George | Wolfgang Ullmann

2004 Hans-Olaf Henkel | Joachim Gauck | Karl Schlögel

2005 Dieter Kronzucker | Klaus von Dohnanyi | Christian Meier | Helmut Schmidt

2006 Hans-Jochen Vogel | Heide Simonis | Margot Käßmann | Joschka Fischer

2007 Gesine Schwan | Valentin Falin | Gerhard Schröder | Oskar Negt
2008 Elke Heidenreich | Lothar de Maizière | Peter Stein | Julia Franck

2009 Fritz Pleitgen | Jörn Rüsen | Jan Philipp Reemtsma | Meinhard von Gerkan

2010 Kathrin Schmidt | Dieter Wedel | Peter Kulka | Bernhard Müller

2011 Charlotte Knobloch | Rüdiger ­Safranski | Jonathan Meese | Dietrich H. Hoppenstedt

2012 Frank Richter | Gerhart Rudolf Baum | Andres Veiel | Ingo Schulze | Ines Geipel
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2013 Stephen Greenblatt | Markus Beckedahl | Jürgen Rüttgers | Nike Wagner
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2014 Prof. Dr. ­Heribert Prantl | Roger Willemsen | Jürgen Trittin | Sibylle Lewitscharoff
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2015 Heinz Bude | Carla Del Ponte | Jakob Augstein | Andreas Steinhöfel | Michael Krüger
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2016 Naika ­Foroutan | Peter Richter | Giovanni di ­Lorenzo | Joachim Klement
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2017 Ilija Trojanow | Lukas Bärfuss | Eva Illouz | Matthias Platzeck
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2018 Richard Sennett | Norbert Lammert | Dunja Hayali | Eugen Ruge
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2019 Doris Dörrie | Karola Wille | Robert Menasse | Ian Kershaw
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2020 Ulrich Wickert | Hartmut Rosa | Marion Ackermann | Miriam Meckel
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2021 Jenny Erpenbeck | Sven Plöger | Franz Müntefering | Aleida Assmann
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2022 Clemens Meyer | Klaus Töpfer | Svenja Flaßpöhler | Mithu Sanyal
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