Fast Forward

Europäisches Festival für junge Regie
European festival for young stage directors
15.–18. November 2018

Perspektivwechsel

Europa ist mehr als eine Wirtschaftsunion und zwar trotz und wegen seiner an Konflikten reichen Geschichte. Dieses Mehr braucht allerdings gute Ideen. Und  dieses Mehr braucht den Willen, aus dieser besonderen Vielfalt soziales Kapital zu schlagen, um damit der Aggression und Beschränktheit wiedererstarkender Nationalismen den Zukunftswert der Verständigung entgegenzusetzen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder stellte jüngst die Diagnose, dass die Europäer*innen sich dieses Potentials immer noch nicht bewusst wären, wenn sie in der Krise der jeweiligen Nationalgeschichte den Vorzug gäben, statt sich ihrer europäischen zu vergewissern. Europa ist, war und wird immer work in progress sein.
Acht Inszenierungen aus sechs europäischen Ländern nehmen dieses Jahr mit den spielerischen Mitteln des Theaters und auf künstlerisch vielfältige Weise Lebensrealität in den Blick. Es geht um eine Umweltkatastrophe, um den europäischen Kolonialismus, um Architektur als Gesellschaftsentwurf, um die Choreografie der Massen, um Leben und Krankheit, um die Frage, wie man sich überhaupt ein Bild macht, von sich oder der Wirklichkeit, und in zwei Arbeiten geht es auf höchst unterschiedliche Weise um das brisante Verhältnis zwischen Außenseiter und System. Es sind relevante Themen, auch über die europäische Perspektive hinaus, für die die jungen Künstler*innen auf dem Theater eine je eigene Sprache suchen. Aufregend. Sehen Sie selbst!

Joachim Klement
Intendant Staatsschauspiel Dresden

Charlotte Orti von Havranek
Festivalkuratorin Fast Forward

Change of perspective

Europe is more than an economic union, despite and because of its history rich of conflicts. Admittedly, this “more” necessitates good ideas. And this “more” necessitates the will to make social capital out of this particular diversity in order to counter the aggression and narrow-mindedness of resurgent nationalisms with the future value of communication and understanding. The American historian Timothy Snyder recently put forward that Europeans would still be unaware of this potential if, in crisis, they were to give preference to their respective national histories rather than to their European histories. Europe is, was and always will be work in progress.
This year eight productions from six European countries look at life’s realities with the playful means of theatre and in artistically diverse ways. The various works are about an environmental catastrophe, about European colonialism, architecture as a concept of society, the choreography of the masses, life and disease, the question of how one visualizes an idea of oneself and reality, and in two works, the explosive relationship between outsiders and the system are handled in two very different ways. These are relevant themes, also beyond the European perspective, for which the young artists each seek their own language through theatre. Thrilling. See for yourself!
 
Joachim Klement
Artistic Director Staatsschauspiel Dresden

Charlotte Orti von Havranek
Curator Fast Forward