07., 21., 28.02.+07.03.2010 › Schauspielhaus

Dresdner Reden 2010

In Kooperation mit der Sächsischen Zeitung
Handlung
Auch 2010 setzen wir die Tradition der „Dresdner Reden“ fort, die wir in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung veranstalten. Persönlichkeiten aus Kunst, ­Politik und Wissenschaft werden sich auf der Bühne des Schauspielhauses ­Gedanken zur Zeit machen. Den Anfang macht am 07.02. Kathrin Schmidt, Schriftstellerin und mit ihrem Roman „Du stirbst nicht“ ­Trägerin des Deutschen Buchpreises 2009. Sie spricht über die sich weitenden Gräben ­zwischen den Bevölkerungsschichten in Deutschland, die Zusammenhänge ­zwischen Bildungsgrad, Berufsleben und Kinderzahl und die „Abschaffung der Mittelschicht“. Am 21.02. haben wir den Film- und Theaterregisseur Dieter Wedel zu Gast, der Initiator der geplanten Zwingerfestspiele ist. Der Architekt Peter Kulka wird am 28.02. in seiner ­Heimatstadt Dresden die Frage stellen, warum die Sehnsucht nach der Vergangenheit heute so viel stärker ist als eine Neugier auf die Moderne. Am 07.03. setzen wir die Reihe mit Bernhard Müller, Direktor des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung in Dresden, fort.

Was bedeutet es, wenn sich Akademikerinnen immer häufiger für die Karriere und gegen Kinder entscheiden? Was macht das Verlangen nach Geld aus den Menschen? Warum ist die Sehnsucht nach der Vergangenheit oft stärker als die Neugier auf Neues? Welche Folgen hat es für Kommunen und für den Einzelnen, wenn Regionen entvölkert werden?

Brisante Fragen stehen zur Diskussion bei der 19. Ausgabe der Dresdner Reden. Die Reihe, die gemeinsam vom Staatsschauspiel Dresden und von der Sächsischen Zeitung veranstaltet wird, ist auch in diesem Jahr mit prominenten Gästen besetzt. An vier Sonntagen wollen sie im Dresdner Schauspielhaus zum Nachdenken anregen und auch zum Widerspruch herausfordern.

Den Auftakt gibt die Schriftstellerin Kathrin Schmidt (51), die für ihren Roman „Du stirbst nicht“ im Herbst den Deutschen Buchpreis erhielt. Es ist die berührende Geschichte einer Frau, die nach einem Hirnschlag ihre Identität neu finden muss. In ihren Romanen und Gedichten brilliert Kathrin Schmidt als sprachmächtige, originelle, fantasievolle Autorin. „Blinde Bienen“ heißt der Lyrikband, der Ende Februar herauskommt. Ein präziser Blick auf die Realität bestimmt das Schreiben der in Berlin lebenden Mutter von fünf Kindern. In ihrer Dresdner Rede spricht Kathrin Schmidt über die Gräben zwischen den Bevölkerungsschichten in der Bundesrepublik. „Wer arm und allein ist, hat oft Kinder am Hals und kann nichts mit ihnen anfangen“, sagt sie.

Der Architekt Peter Kulka (72) prägt mit seinen Entwürfen das Bild von Dresden entscheidend mit. Viel Zuspruch erhielt er für den Plenarsaal des Sächsischen Landtags, für die transparente Kuppel im Dresdner Schloss und für die Neugestaltung des Deutschen Hygiene-Museums. Prof. Kulka war nach der Wiedervereinigung in seine Heimatstadt zurückgekehrt und eröffnete hier ein Büro. Mitunter wünscht er sich einen radikaleren Dialog zwischen Tradition und Moderne. „Leider hat Dresden über die Jahrzehnte einen ängstlichen restaurativen Charakter entwickelt“, sagt der Architekt.

Dieter Wedel (68) gehört zu den bekanntesten Filmemachern Deutschlands. Als „König der Mehrteiler“ schrieb der Mediengeschichte. Für seinen neuen Zweiteiler „Gier“, der Ende Januar in der ARD läuft, ist der Regisseur tief in die Finanzwelt hinabgetaucht. Er erzählt von der Sucht nach immer mehr Gewinn, nach Macht und Einfluss. „Je reicher manche Menschen sind, desto gieriger werden sie“, sagt er. In seiner Dresdner Rede am 21. Februar wird er das Thema aufgreifen. Nicht zufällig heißt der Titel seiner Autobiografie, die in diesen Tagen auf dem Markt kommt, „Vom schönen Schein und wirklichen Leben“. Mit Dresden knüpft Wedel eine ganz neue Beziehung als Initiator der Zwingerfestspiele.

Bernhard Müller (57) ist Direktor des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung in Dresden. Er kommt aus Saarbrücken, arbeitete zuletzt in Hannover und ist seit 1993 in Sachsen tätig. Prof. Müller untersucht die Folgen des demografischen Wandels. In seinem jüngsten Buch „Altern in Gemeinde und Region“ untersucht er, wie der Ort das Altern beeinflusst, welche Bedingungen schrumpfende und wachsende, ländliche und städtische, zentrennahe und periphere Gebiete für die Lebensqualität und die Chancen des Alterns bieten. „Ein Recht auf gleiche Lebensbedingungen wird es künftig nicht mehr geben“, sagt er.

von Karin Großmann, Sächsische Zeitung