Uraufführung 03.11.2013 › Schauspielhaus

Klaus im Schrank oder Das verkehrte Weihnachtsfest

von Erich Kästner
Kinder- und Familienstück für alle ab 6 Jahren
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Jan Maak, Oda Pretzschner, Matthias Luckey, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jan Maak, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich, Philip Lehmann
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich, Kilian Land, Philip Lehmann
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Atef Vogel, Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Holger Hübner, Matthias Luckey, Oda Pretzschner, Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Holger Hübner, Matthias Luckey, Oda Pretzschner, Atef Vogel, Kilian Land, Jan Maak
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Philip Lehmann, Kilian Land, Atef Vogel
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jan Maak, Matthias Luckey
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jonas Friedrich Leonhardi, Jan Maak, Kilian Land, Holger Hübner, Oda Pretzschner, Atef Vogel
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Oda Pretzschner, Nina Gummich, Holger Hübner
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Nina Gummich, Jan Maak, Oda Pretzschner
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Holger Hübner, Nina Gummich, Oda Pretzschner
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jonas Friedrich Leonhardi, Oda Pretzschner, Holger Hübner, Nina Gummich
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Matthias Luckey, Jan Maak
Foto: David Baltzer
Auf dem Bild: Jan Maak, Matthias Luckey, Jonas Friedrich Leonhardi, Oda Pretzschner, Holger Hübner, Nina Gummich, Atef Vogel, Kilian Land
Foto: David Baltzer
Handlung
Sich die eigene kindliche Seele zu bewahren und sich von den Zumutungen der Welt nicht verbiegen zu lassen, das war ein Hauptthema Erich Kästners. In keinem seiner Stücke treibt Kästner diesen Gedanken so weit, in keinem überhöht er ihn so komödiantisch wie in „Klaus im Schrank oder Das verkehrte Weihnachtsfest“. Hier zeigt er mit Klaus und seiner Schwester Kläre zwei Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden. Spiel und Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit und Dialog kommen zwischen diesen Eltern und ihren Kindern nicht zustande. Doch dann tut sich im Inneren des Familienschranks plötzlich eine andere Welt auf. Und in der sind die Rollen vertauscht: Die Erwachsenen müssen zur Schule gehen, die Kinder zur Arbeit. Die einen sind den anderen plötzlich ausgeliefert und merken, wie unangenehm das sein kann. Doch auch die Kinder begreifen, dass das Leben der Erwachsenen manchmal ganz schön kompliziert ist. Das führt zu diversen grotesken Verdrehungen und absurder Überforderung aller. Wenn man zum Ende des Stücks wieder aus dem Schrank geholt wird, hat man etwas dazugelernt – auch wenn vielleicht alles nur ein Traum war ...
Das Stück markiert den Beginn der literarischen Karriere Erich Kästners und kann nun endlich – nach seiner Entstehung im Jahr 1927 – seine Uraufführung erleben. Regie führt Susanne Lietzow, die am Staatsschauspiel Dresden u. a. Goethes „Reineke Fuchs“ inszenierte.
Besetzung
Regie
Susanne Lietzow
Bühne
Aurel Lenfert
Kostüme
Marie-Luise Lichtenthal
Musik
Gilbert Handler
Video
Petra Zöpnek
Dramaturgie
Robert Koall
Klaus
Jonas Friedrich Leonhardi
Kläre, Klaus' Schwester
Nina Gummich
Die Mutter
Oda Pretzschner
Der Vater, ein Bankdirektor
Altenberg
Jan Maak
Herr Bongardt / Fräulein Elfriede
Matthias Luckey
Jackie Coogan
Kilian Land
Charlie Chaplin
Atef Vogel
Ein Hund
Philip Lehmann
Video

Der Onkel und der blöde Depp

Ein Besuch bei zwei Helden meiner Jugend
von Robert Koall
Als zu Beginn des Jahres 2013 in den Feuilletons eine Debatte darüber entbrannte, wie mit vermeintlich unzeitgemäßer Sprache in Kinderbüchern umzugehen sei, da zeigte sich vor allem eines: Diskussionen über Bücher sind schon schwierig genug – aber Diskussionen ausgerechnet über Kinderbücher sind geradezu unmöglich zu führen. Denn die Welt mag im Wandel sein, die Sicht der Menschen auf die Dinge sich ändern; es mag der Gebrauch der gesprochenen Sprache sich dem Lauf der Welt angleichen – all das mag gerne geschehen. Aber die Bücher unserer Kindheit stehen trotzdem felsenfest und unverrückbar in unseren Erinnerungsräumen. Sie haben sich madeleineartig eingebrannt in unsere nun erwachsenen Gehirne. Und wer an sie rührt, ist ein Verräter.
Diesen Eindruck jedenfalls erhielt man im Frühjahr 2013 beim Blick auf die Debatte. In wunderbarer Unsachlichkeit wurde da von „Zensur“ geredet und der notorische George Orwell bemüht; dabei hatte lediglich ein Autor höchstselbst in seinem Buch ein Wort gestrichen. Otfried Preußler hatte in seiner „Kleinen Hexe“ den Ausdruck „Negerlein“ bemerkt, der ihm nicht mehr zeitgemäß erschien. Mehr war ja nicht, und mehr wird auch nicht sein. Dennoch ist die Diskussion eine gute Gelegenheit gewesen, sich wieder einmal der Literatur zuzuwenden, in die man als Kind versank. Ich nahm mir zwei meiner Säulenheiligen wieder vor, zufälligerweise zwei Sachsen: Kästner und May. Das Ergebnis fiel zunächst ziemlich ernüchternd aus. Nach der erneuten Lektüre von „Winnetou“ musste ich konstatieren, dass der große Old Shatterhand eine Vollmeise hat. Ein elender Angeber, Klugscheißer, Herrenmensch! Weiß alles besser, kann alles besser und redet gerne stundenlang darüber, dass er alles besser weiß und kann. Blöder Depp. Das war dem Zehnjährigen entgangen.
Bei Kästner aber ergeht es einem besser. Das ist erleichternd. Ich stelle fest: Noch immer verfalle ich Kästners Frauen, dem Pony Hütchen, der dicken Berta, Pünktchen Pogge und den anderen. Noch immer muss ich zielsicher weinen, wenn Großmutter Tischbein zum ersten Mal das Meer sieht. Und wenn der Justus im verschneiten Internatspark seinem Schüler Martin Thaler das Fahrgeld für die Weihnachtsheimfahrt schenkt – ich darf gar nicht dran denken.
Diese Figuren sind noch immer frech und lebensklug, haben Herzensbildung und eine beneidenswerte Unabhängigkeit. Obwohl sie – und das ist das Besondere – natürlich gnadenlos altmodisch sind und von weit, weit her zu uns sprechen. Aber ich erinnere mich auch beim Wiederlesen noch gut an die Faszination des Kindes, als es einer gestrigen Sprache begegnete. „Famose Lümmels“ und „paukende Primaner“ geben da einander „Backpfeifen“, finden sich „dufte“ und „knorke“ oder beschimpfen sich als „Feuertüten“. Das war eine erste Begegnung mit der faszinierenden Fremdartigkeit, die Sprache haben kann. Es hat Spaß gemacht, mit diesen abgegriffenen, nach feuchtem Leder und vergilbten Buchseiten duftenden Wörtern zu spielen.
Der Erzähler dieser Bücher ist altväterlich, freilich. Anstrengend ist dieser Kästner-Ton manchmal, oberlehrerhaft. Fast wird die Anarchie seiner Figuren ausgebremst von lauter Anständigkeit und Gerechtigkeitssinn; und dann die ewigen Happy Ends und die unerträglich aufrechten Jungs! Der Cognacbohnenhumor, die Knickerbockerwelt, das alles ist onkelhaft, na klar. Aber der Onkel, der hier erzählt, erzählt eben auch von einer Welt ohne den Irrsinn des 20. Jahrhunderts. Von einer Parallelwelt, die mit Mut und Mutterwitz bewältigbar ist. Von Kindern, die an den Verhältnissen wachsen, ohne dass diese Verhältnisse der Krieg sind, bittere Not oder gar der deutsche Wahn. Von einem Land, in dem man „Parole Emil!“ rufen konnte, ohne dass es wie „Heil Hitler!“ klang. Auch das war dem Zehnjährigen entgangen. Dem Erwachsenen scheint es seltsam tröstlich.
Ich mag den Onkel Erich, auch wenn ich ihn als Erwachsener besuche. So wie Jacques Tatis Gérard seinen Onkel Monsieur Hulot besucht, um dessen seltsame Welt zu teilen, so lohnt sich auch immer ein Besuch bei Kästner. Da geht es onkelhaft zu, schrullig manchmal, altmodisch immer, vielleicht sogar vorgestrig. Das macht es ja so aufregend.
Dass im Nachlass von Erich Kästners Sekretärin das verschollen und verloren geglaubte Stück „Klaus im Schrank“ wieder aufgetaucht ist – was für ein Geschenk! Was für eine schöne Gelegenheit, den Onkel mal wieder zu besuchen.