Unart 2025/2026
eine Initiative der ODDO BHF Stiftung in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Staatsschauspiel Dresden und dem Thalia Theater Hamburg.
Handlung
Das Finale 2026 hat stattgefunden! Wir waren berührt, haben gelacht, entdeckt und mitgefiebert. Sechs Gruppen haben ihr Konzept auf der Bühne Performance werden lassen und gestalteten gemeinsam einen eindrucksvollen Abend über die Themen Adoleszenz, Erinnerung, Freund*innenschaft, Verlust, Safe-Spaces, fragwürdige Rollenbilder und Maskulismus. Am zweiten Abend krönte die UNART-Jury das Finale mit einer Laudatio für jede Gruppe und der Nominierung der zwei BEST OF-Gruppen. Das BEST OF UNART findet am 29. April 2026 am Schauspiel Frankfurt im Bockenheimer Depot statt. Hier treten die nominierten Gruppen gemeinsam mit den ausgewählten Gruppen vom Thalia Theater Hamburg und dem Schauspiel Frankfurt noch einmal auf. Wir feiern alle UNART-Teilnehmenden und gratulieren den nominierten Performer*innen von BZW. und ES WAR EINMAL – ANDERS.
Aus der Jurybegründung: „Euren klugen Texten ist es zu verdanken, dass der ganze Saal nicht mehr an sich halten kann, als Dornröschen mit „Ich sterbe Single!“ dramatisch darniedersinkt. Und dann kommt der Switch und damit ein kompletter Perspektivwechsel: Die drei dazugehörigen Prinzen geben im dokumentarischen Stil der True-Crime-Serien einen Einblick in die Welt von Incels, Bro-Culture und Machogehabe, bei dem auch das scheinbar tote Schneewittchen nicht verschont bleibt. Ein „maskulines Meisterwerk“ dank angeklebter Bärte, Kapuzen und fein beobachteter Körpersprache, bei dem Themen von der #metoo-Debatte über männliche Energien, Übergriffe, Missbrauch und Vergewaltigung von betäubten Frauen verhandelt werden. Nicht aus der Opfer-, sondern aus der Täterperspektive.
Ihr seid nicht nur die jüngste Gruppe heute Abend, sondern auch die mutigste! Eure treffsicheren Texte und Perspektivwechsel haben die Jury begeistert, auch wenn ihr am Ende einfach macht, was ihr wollt und miteinander den Raum nutzt. Ihr dürft nicht nur NEIN sagen, ihr müsst es. Wir verlassen uns auf euch! Wir finden, dass ES WAR EINMAL – ANDERS. unbedingt zum BEST OF UNART gehört!“
„Charlotte Gast, Lara Imhof und Samuel Siering lassen uns mit ihren Bildern allein. Sie präsentieren sie ehrlich und klar, in einer entschiedenen Ästhetik. Es sind Augenblicke und Atmosphären, die sie schaffen, Momentaufnahmen. Und sie vertrauen uns im Publikum, dass wir etwas damit anfangen können, dass sie uns ansprechen und diese Nostalgie der weiten Wiese mit den wehenden Betttüchern nicht nur in ihnen etwas auslöst. Und es löst etwas aus, bei mir, im Publikum, das spüre ich, das spüren wir alle. Und all das schaffen diese drei auf eine so virtuose Art und Weise, mit Witz, Charme und einer riesigen Portion Spielfreude, vielen Dank!
Wir als Jury haben uns für das Team von BZW. entschieden, da die Performance in ihrer dichten Atmosphäre und Stimmung uns als Publikum absolut in die Pflicht nimmt. Die Performer*innen vertrauen ihren Bildern, die sie wiederum uns unkommentiert und doch von einer dichten Atmosphäre zusammengehalten präsentieren. Wir finden, dass BZW. unbedingt zum BEST OF UNART gehört!“
Der Jugendwettbewerb UNART bietet Menschen zwischen 14 und 21 Jahren die Möglichkeit, eine Performance zu erarbeiten und diese auf der Bühne des Theaters zu präsentieren. Bereits zum achten Mal lud UNART in Dresden, Berlin und Frankfurt dazu ein, sich mit einem künstlerischen Konzept zu bewerben. Im Fokus steht dabei die persönliche Themensetzung, die präferierten Ausdrucksmittel, kritische Fragestellungen und die Originalität des Konzepts. Sechs Gruppen wurden im Herbst für das regionale UNART-Finale in Dresden ausgewählt. Gemeinsam mit den künstlerischen Coaches aus den Bereichen Regie, Choreografie, Video, Musik und Performance arbeiten sie an der Umsetzung ihrer Projektideen. Zum Finale werden die Performances mit allen Möglichkeiten des Theaters auf die Bühne im Kleinen Haus und zweimal zur Aufführung gebracht.
Weitere Informationen gibt es auch auf www.unart.net.
Besetzung
Partner
Der Unart-Wettbewerb ist eine Initiative der ODDO BHF Stiftung in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Staatsschauspiel Dresden und dem Thalia Theater Hamburg.
Gruppen Dresdner Finale
Schneewittchen ist auf der Flucht. Vor einer Königin, die für die Liebe alles tun würde – sogar töten. Schutz findet sie bei sieben Zwergen. Doch der Unterschlupf hat seinen Preis: putzen, kochen, waschen. Sieben Männer, ein Haus – und alle Erwartungen liegen bei ihr. Während Schneewittchen an der Last zerbricht, kämpft die Königin mit sich selbst. Gefangen in der Angst, nicht zu genügen, schwankt sie zwischen Gewalt und Erkenntnis. Wer nutzt hier eigentlich wen aus? Und wer bestimmt, was eine Frau wert ist?
Dieses Stück erzählt ein Märchen neu: roh, nah und unbequem. Keine gerettete Prinzessin. Kein erlösender Prinz. Sondern Frauen, die lernen, Nein zu sagen und sich selbst wichtiger zu nehmen als jedes verlogene Happy End.
Was bedeutet Zuhause, wenn es nicht mehr das Zimmer bei meinen Eltern meint und werde ich auch dort irgendwann ankommen? Habe ich neben meinem Job noch Zeit für meine Freunde oder leben wir uns alle auseinander? Sind wir als Erwachsene immer noch befreundet oder schwelgen nur noch in Erinnerungen an die vergangene Zeit? Werden wir uns irgendwann nur mit Arbeit und Familie zufriedengeben? Jetzt geht’s uns gut, denn wir haben ja uns. Immer noch Jugendbonus, aber trotzdem ernst genommen werden. Wir sind groß geworden. Aber sind wir schon groß genug?
Lauter Atem im Nacken, ein Räuspern penetrant am Ohr, ein Husten, ein schreiendes Kind, zwei Menschen, die sich streiten. Geräusche, die sich permanent überlappen. Irgendwann wird’s zu viel. Doch wo ist der Punkt, an dem es kippt? Wo ist der Punkt, der schließlich der endgültige Auslöser für die Überstimulation ist? Der erste Beat, die erste Note, der erste Sound schießt uns direkt in eine Welt, in der wir alles vergessen können. Die ständige Verfügbarkeit jeglicher Lieblingslieder katapultiert uns aus der Gegenwart, manchmal bis ins Off. Wir setzen einfach unsere Kopfhörer auf, drücken auf Play und sind allein.
Wie werde ich erwachsen in unserem digitalen Zeitalter? Muss ich das vorher wissen oder passiert dieser Prozess einfach? Unser geordnetes Durcheinander der Gefühle baut sich auf und wird zerrissen von etwas, das hinter und vielleicht auch über uns wabert. Wir hinterfragen unsere Wünsche und Erwartungen ans Erwachsenwerden. Wir setzen alles auf das Ding da oben, welches uns verspricht, alles zu beantworten. Geht das überhaupt? Künstliche Intelligenz wird heutzutage von den meisten Menschen täglich genutzt, um auf jede Frage, ohne selbstständig nachzudenken, eine Antwort zu erhalten. Die perfekte Grundlage für ein Chaos aus Humor und Melancholie – eine Performance zwischen Unterhaltung und Dramatik ab Seite 18.
Mensch sein ist: an einem dieser kleinen Tische zu sitzen, die so wackeln, dass man jedes Glas ein bisschen versetzen muss, damit es nicht kippt. Wenn du dich in Erinnerungen hineinfallen lässt, wie die Stille im Treppenhaus klang, als du ein Kind von acht Jahren warst … Sie fächern sich auf. Sie werden zu einem Raum, in dem du dich verirrst. Sie werden kein Bild, das du ansiehst, damit dein Leben zusammenhängend wirkt. Du kannst diesen Raum nur betreten, wenn du aushältst, dass Erinnerungen nicht konservierbar sind. Sie reifen und verändern ihren Geruch, je öfter man sie schmeckt.
Man hat sie durchlebt oder wird sie durchleben. Alle werden ihre ganz eigene Erfahrung machen und ganz unterschiedlich auf diese Zeit zurückschauen. Für die einen ist sie die Zeit des Lebens, für andere nur der Weg zum Erwachsenwerden – die Jugend. Sieben Jugendliche überlegen, was die Jugend so mit sich bringt. Sind die Erwartungen von außen wichtiger, als der eigene Anspruch an eine Zeit, die man nur einmal im Leben hat? Welche Erinnerungen sammelt man oder glaubt, sie sammeln zu müssen? Was sollte man erlebt haben, und woran wächst man wirklich? Da sind so viele gegensätzliche Vorstellungen von der Jugend, dass es unmöglich scheint, ihnen allen gerecht zu werden. Zwischen Spaß haben, funktionieren und Entscheidungen treffen entsteht Druck, aber auch Raum für Mut, Entdeckungen und neue Chancen.
Darum gehört die Jugend auf die Bühne – mit all ihren Widersprüchen, Herausforderungen und Chancen.

