Premiere 08.02.2019 › Kleines Haus 1

Biedermann und die Brandstifter

Ein Lehrstück ohne Lehre
von Max Frisch
Auf dem Bild: Anna-Katharina Muck, Viktor Tremmel, Eva Hüster, Philipp Grimm, Philipp Lux
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Eva Hüster, Philipp Grimm
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, Philipp Grimm
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Grimm, Eva Hüster
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, Eva Hüster, Anna-Katharina Muck, Philipp Grimm, David Kosel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Anna-Katharina Muck, Philipp Grimm, Eva Hüster
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, Eva Hüster
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, Anna-Katharina Muck, Eva Hüster, Philipp Grimm
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: David Kosel, Philipp Lux, Viktor Tremmel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, Philipp Grimm, Viktor Tremmel, Anna-Katharina Muck, David Kosel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Viktor Tremmel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Lux, David Kosel, Philipp Grimm, Viktor Tremmel, Anna-Katharina Muck, Eva Hüster
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Philipp Grimm, Viktor Tremmel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Viktor Tremmel, David Kosel
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Eva Hüster, David Kosel, Philipp Grimm, Anna-Katharina Muck
Foto: Sebastian Hoppe
Auf dem Bild: Anna-Katharina Muck
Foto: Sebastian Hoppe

Handlung

„Der geht lieber zugrunde, als daß er seine kleinen feigen Falschheiten auch nur sich selber zugibt.“ (Max Frisch)

Er will Ruhe und Gemütlichkeit. Man lebt schließlich nur einmal, und auch wenn seine Frau meint, dass er bisweilen zu gutmütig sei, so kann man doch nicht ständig überall nur Schlechtes und Böses sehen. Bieder­mann ist sich sicher: Die zwei armen Männer auf seinem Dachboden wollen bloß Obdach. Ihre kleinen Witzeleien über Brandstiftung sind zugegebenermaßen etwas unpassend, aber man ist doch nicht humorlos. Schließlich geht es auch um den eigenen Ruf, und als spießig und kleingeistig möchte Biedermann nicht gelten. Doch Selbstsicherheit, Bequemlichkeit und der absolute Wille zum Guten lassen Biedermann übersehen, wofür Benzinfässer und Zündschnur doch eindeutiger Beweis sind: Er hat Brandstifter im Haus. Und er wird ihnen als aufgeschlossener, vorurteilsfreier Mensch in einem Akt des Vertrauens selbst die Streichhölzer reichen.
Max Frisch hat mit BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER ein „Lehrstück ohne Lehre“ geschrieben, in dem die Wahrheit als beste Tarnung genutzt wird und ein Mensch offenen Auges in sein Unglück läuft, weil er seine Meinung über sich selbst nicht ändern kann. Die Offenheit, mit der die Brandstifter Biedermann auf seinen Verdacht ansprechen, führt zu Scham. Die Scham lässt ihn lügen, um unange­nehme Situationen zu vermeiden und nicht als Unmensch dazustehen. Immer größer wird die Kluft zwischen dem, was Biedermann darstellen will, und dem, was er tatsächlich fühlt und denkt. Seine Annahme, dass die deutlich ausgesprochene Drohung der Brandstifter sicher so radikal nicht gemeint sein könne, wird zum letzten Anker vor der eigenen Ängstlichkeit und führt direkt in die Katastrophe.
Dauer der Aufführung: 1 Stunde und 15 Minuten.
Keine Pause.

Besetzung

Regie
Nicola Bremer
Bühne
Jakob Ripp
Kostüme
Musik
Saga Björklund Jönsson
Dramaturgie
Herr Biedermann
Babette, seine Frau
Anna, ein Dienstmädchen
Schmitz, ein Ringer
Eisenring, ein Kellner
Ein Polizist | Witwe Knechtling | Ein Dr. Phil.
Der Chor
Ensemble

Video

Pressestimmen

„Umjubelte Premiere im Kleinen Haus. Nicola Bremer hat den Biedermann klug und durchaus mutig modernisiert. Ein Stück, das so sehenswert wie geistig anregend ist.“
Sächsische Zeitung, Marcel Pochanke, 11.02.2019
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11.02.2019
„Umjubelte Premiere im Kleinen Haus.
In der Dresdner Fassung sind die Eheleute durchaus heutig, vor allem Biedermanns Sprache hat etwas mehr Schneid und weniger von dem Möchtegern-Nobeln der Fassung von 1958.
Gegen ein Duo wie das der Zündler, unschlagbar gespielt von Philipp Lux und Viktor Tremmel, hat er keine Chance. Sie führen mit sichtlichem Spaß ihre eigene Oper auf, unverstellt und natürlich, gerade im Kontrast zum Ehepaar Biedermann. Aber ach, auch Natürlichkeit ist allzu oft eine Inszenierung – eine der vielen Lehren, die in dem ‚Lehrstück ohne Lehre‘ von Max Frisch lauern, ohne sich sauertöpfisch aufzudrängen.
Steffi Rehberg hat für das feurige Duo Kostüme entworfen, bei denen kein Teil zum andern passt und die dennoch deshalb perfekt wirken – modernes Understatement, Shabby-Ironie, hallo Zeitgeist.
Regisseur Nicola Bremer hat den Biedermann, es ist seine erste Arbeit für das Staatsschauspiel, klug und durchaus mutig modernisiert. Man mag den Chor vermissen, den Max Frisch als Kommentator und gelegentliches Hindernis auf der Bühne erdachte. Dessen bissige Anmerkungen – ‚Wer die Verwandlungen scheut mehr als das Unheil, was kann er tun wider das Unheil‘ – hat die Komponistin Saga Björklund Jönsson in eine elektronische Zwischenmusik gebettet, laut und beeindruckend.
Philipp Grimm legt die Hauptrolle so geschmeidig und voller Angst vor Fehlern an, dass er als Hausherr beinahe puppenhaft wirkt, der brav Alltag und Rolle abarbeitet. Stark dann, wie er bei der hochinteressanten Befragung des Publikums, wie es denn handeln würde, den empathisch wirkenden Machtmenschen gibt. Zunehmend gewinnt er an Profil, das Stück entwickelt einen faszinierenden Sog bis zur letzten Minute, die schnell kommt: Nach 75 Minuten brennt‘s lichterloh.
Dabei hatte Biedermann extra eine Schutzwand auf das Podium gestellt. Betonsteine, wie man sie etwa vom Weihnachtsmarkt kennt, bilden das Wohnzimmer und später den Dachboden. Die Bühne von Jakob Ripp schlägt die Brücke zwischen Lego und Terror und sorgt für weitere Zwischenräume des Sowohl-als-Auch in einem Stück, das so sehenswert wie geistig anregend ist.“
Marcel Pochanke, Sächsische Zeitung
„Konsequent wird der Sound scheinbarer Normalität durchgehalten, und gerade diese bedrohliche Heiterkeit wirkt wie ein Menetekel.“
Dresdner Neueste Nachrichten, Michael Bartsch, 11.02.2019
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11.02.2019
„Biedermann und Frau Babette glänzen hier mit einer Glatze und weisen so schon vor dem ersten Satz auf das Groteske dieser Aufführung hin. Ein ‚Lehrstück ohne Lehre‘ nennt Max Frisch seine Arbeit, spricht später aber auch von einer Komödie. An eines der Brecht’schen Lehrstücke erinnert die Dresdner Fassung schon, mehr noch an eine Farce.
Es scheint völlig selbstverständlich, wie die beiden Ganoven Schmitz und Eisenring Benzin und Zündgerät auf Biedermanns Dachboden einlagern können. ‚Merkt der denn nichts!‘, möchte man aufschreien, oder will der nichts merken? Mit Philipp Lux und Viktor Tremmel bietet das Ensemble zwei seiner besten Komödianten für diese Rollen auf. In einer Mischung aus Charme, Chuzpe und Zynismus tarnen sie, von sich selbst amüsiert, ihre verheerende Absicht. Solchen goldigen Schlitzohren kann man doch nicht etwa böse sein? ‚Man muss auch ein bisschen Vertrauen haben‘, sagt sich und dem Publikum Gottlieb Biedermann. Er ist nicht der heute denunzierte naive Gutmensch, sondern eher der gefährliche Ignorant.
Eine hübsche zeitgeistlose Verfremdung gelingt Regisseur Bremer mit dem Dienstmädchen Anna. Anna-Katharina Muck erscheint als Alexa auf Beinen oder jedenfalls als eine dieser moralneutralen künstlichen Intelligenzen aus Sci-Fi-Filmen. Eine Sprechpuppe mit eckigen Bewegungen, die auch als Erzählerin oder Ansagerin das Geschehen vorantreibt.
Jakob Ripp hat eine kombinierbare Mauer aus Großbausteinen auf die Bühne gesetzt. Ein Symbol für das Domizil, aber auch für die gedankliche Gefangenschaft.
Konsequent wird der Sound scheinbarer Normalität durchgehalten, und gerade diese bedrohliche Heiterkeit wirkt wie ein Menetekel.“
Michael Bartsch, Dresdner Neueste Nachrichten
„Ein aufwühlender Abend, der herausfordert, hinter Fassaden zu schauen.“
Dresdner Morgenpost, Lilly Vostry, 11.02.2019
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11.02.2019
„Es geht um den Umgang mit elementaren Ängsten, die alle kennen – zu versagen, das Falsche zu tun, sich lächerlich zu machen. Genau das passiert: eingebildete und reale Gefahren sind grandios und beängstigend zugleich in der Schwebe zwischen Spaß und bitterem Ernst in der spannenden Inszenierung von Nicola Bremer.
Ein aufwühlender Abend, der herausfordert, hinter Fassaden zu schauen.“
Lilly Vostry, Dresdner Morgenpost
„Nicola Bremer stellt in seinem Regiedebüt eine schnörkellose Max Frisch-Lesart vor. Er bringt den Stoff mit einer ordentlichen Dosis Humor auf die Bühne.“
DRESDNER, Jenny Mehlhorn, März 2019
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März 2019
„Nicola Bremer stellt in seinem Regiedebüt eine schnörkellose Max Frisch-Lesart vor. Er bringt den Stoff mit einer ordentlichen Dosis Humor auf die Bühne. Der Haarwasserfabrikant und seine Frau sind dabei glatzköpfig, und das Dienstmädchen Anna eine roboterhafte Siri oder Alexa.
Philipp Lux und Viktor Tremmel verkörpern bravourös die klettenhaften und wortgewandten Brandstifter.“
Jenny Mehlhorn, DRESDNER
„Die Rollen sind aus dem wunderbaren Ensemble des Staatsschauspiels durchweg stimmig besetzt. Alle agieren spielfreudig.“
TOP Magazin, Jörg Fehlisch, 22.03.2019