12.02., 19.02., 26.02., 05.03. + 12.03.2023 › Schauspielhaus

Dresdner Reden 2023

in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung
FOTO Mathias Bothor, dpa/Michael Kappeler, Capital Headshots Berlin/Peter Venus, KlemensKarkow/PIK, Wolfgang Schmidt

Seit über 30 Jahren begleiten die Dresdner Reden das Zeitgeschehen. Jedes Jahr laden die Sächsische Zeitung und das Staatsschauspiel Dresden Persönlichkeiten des nationalen und internationalen Kultur- und Geisteslebens ein, im Schauspielhaus eine Rede zu halten. Verbunden sind diese Reden durch den ‚Gedanken zur Zeit‘, ein vorgegebenes Motto gibt es nicht.

Redner*innen

Sonntag, 12.02.2023, 11.00 Uhr

Florian Illies „Caspar David Friedrich der Große“

„Vergangenheit ist eine voreilige Form von Gegenwart. Darum kann uns Heutigen auch Caspar David Friedrich, 250 Jahre nach seiner Geburt, so viel sagen. Worin liegt die Zeitlosigkeit seiner Sehnsuchtslandschaften? Welches Verhältnis zur Natur kann er uns lehren in den Zeiten der Klimakatastrophe? Und warum werden seine Bilder auch das Internetzeitalter überleben?“
Florian Illies, Jahrgang 1971, Autor von 1913. DER SOMMER DES JAHRHUNDERTS und LIEBE IN ZEITEN DES HASSES, gilt als Experte für die Kunst des 19. Jahrhunderts wie auch für die Gemütslagen der Gegenwart. Im Oktober eröffnete im Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die von ihm initiierte Ausstellung DER LETZTE ROMANTIKER. ALBERT VENUS, nun beschäftigt er sich in seiner Dresdner Rede mit einem der bedeutendsten Künstler der deutschen Frühromantik.

Sonntag, 19.02.2023, 11.00 Uhr

Alena Buyx „Resilienz und Krise – Ethische Überlegungen zu widerstandsfähigen Gesellschaften“

„Wir sind in der sprichwörtlichen Multikrise. Die Pandemie, die die Gesellschaft tiefgreifend erschüttert, ist noch nicht bearbeitet, da fordern Krieg, Energiewende, Inflation erneut existenziell heraus – und über allem schwebt die Klimakrise.
Was brauchen Gesellschaften, um in solchen Zeiten widerstandsfähig zu sein? In der Rede werden Herausforderungen analysiert und Lösungsansätze vorgestellt, um individuelle wie gesellschaftliche Resilienz zu stärken und gut durch ein absehbar schwieriges Jahrzehnt zu kommen.“

Prof. Dr. Alena Buyx ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München, weitere Abschlüsse hat sie in Soziologie und Philosophie. Ihre Arbeitsgebiete umfassen medizinethische Fragen aus der klinischen Praxis, Herausforderungen durch biotechnologische Innovation und medizinische Forschung sowie Gerechtigkeitsfragen in modernen Gesundheitssystemen. 2020 wurde sie in der Sektion Wissenschaftstheorie in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt, 2021 erhielt sie den Deutschen Nationalpreis.

Sonntag, 26.02.2023, 11.00 Uhr

Kübra Gümüşay „Alternative Zukünfte“

„‚We are in an imagination battle‘, schreibt die Autorin Adrienne Maree Brown über die Missstände unserer Gegenwart. Wir leben in einem Kampf um Träume und Imaginationen. Wer hat die Gesellschaft, in der wir heute leben – so wie sie ist und funktioniert – eigentlich erträumt? In wessen Zukunftsvision leben wir? Und wie sehen alternative Träume, Imaginationen, Wünsche und Zukünfte aus? Wer hat das Privileg, weitreichende gesellschaftliche Zukunftsszenarien und -utopien zu erdenken? Wer ist mit Überleben beschäftigt? Und: Wie kommen wir alternativen Idealen oder gar Utopien näher? Wie funktioniert Zukunft? Und wie kommen wir raus aus der Dekonstruktion der Gegenwart, hinein in die Konstruktion einer wünschenswerteren, gerechteren Zukunft? An diesem Vormittag wollen wir uns entlang dieser Fragen versuchen, Antworten zu nähern. Denn Fragen schaffen Orte, an denen Antworten zur Welt kommen können.“
Kübra Gümüşay ist Autorin des Bestsellers SPRACHE UND SEIN sowie Initiatorin zahlreicher preisgekrönter Kampagnen und Vereine – u. a. des feministischen Co-Creation Spaces eeden in Hamburg und des Bündnisses #ausnahmslos, das 2016 mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis ausgezeichnet wurde. Ihr Blog ein-fremdwoerterbuch.com wurde 2011 für den Grimme Online Award nominiert. Das Magazin Forbes zählte sie 2018 zu den Top 30 unter 30 in Europa. Als Senior Fellow der Mercator Stiftung befasst sie sich derzeit an der Universität Cambridge mit alternativen Zukünften und realen Utopien.

Sonntag, 05.03.2023, 11.00 Uhr

Anders Levermann „Die Faltung der Welt: ein freiheitlicher Weg aus Klimakrise und Wachstumsdilemma“

Wir befinden uns am Ende des Zeitalters der Expansion – und wir brauchen ein neues Narrativ für den nächsten Schritt. Die Begrenztheit unserer Erde kollidiert mit der Realität und Notwendigkeit rasanter gesellschaftlicher Entwicklung. Wenn man akzeptiert, dass beides harte Realitäten sind, dann stehen wir vor einem Dilemma von Begrenztheit und Dynamik. Der verzweifelte wenn auch verständliche Ruf nach Verzicht und Rückbesinnung ist hilflos und wenig zielführend, denn er löst das Dilemma nicht auf. Das mathematische Prinzip der Faltung könnte diese Lösung liefern, denn es erlaubt unendliche Entwicklung in einer endlichen Welt durch Wachstum in die Vielfalt. Nicht Wachstum ins Mehr, sondern Wachstum in die Diversität. Und zwar nicht theoretisch, sondern sehr praktisch – sei es beim Europäischen Emissionshandel oder der Unternehmenssteuer.

Prof. Dr. Anders Levermann ist Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Physikalischen Institut der Universität Potsdam sowie seit 2015 Wissenschaftler an der Columbia University in New York. Er forscht sowohl zu physikalischen Kippprozessen im Klimasystem als auch zu den ökonomischen Folgen von Wetterextremen und ist einer der weltführenden Experten zu Meeresspiegelveränderungen. Der Klimawissenschaftler hat über 130 Fachpublikationen veröffentlicht, leitet die Entwicklung des Schadenskaskadenmodells acclimate und berät Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

Sonntag, 12.03.2023, 11.00 Uhr

Christoph Butterwegge „Armut und soziale Ungleichheit in einem reichen Land“

„Die wachsende Ungleichheit ist das Kardinalproblem unserer Gesellschaft, wenn nicht der Menschheit insgesamt. Denn sie führt zu ökonomischen Krisen, ökologischen Katastrophen sowie Kriegen und Bürgerkriegen. Wenn die Massenmedien, die etablierten Parteien und die politisch Verantwortlichen hierzulande das Thema der (wachsenden) Ungleichheit überhaupt zur Kenntnis nehmen, konzentriert sich das Interesse vorwiegend auf die Armut. Denn die Armut lässt sich als individuelles Problem abtun, dem auf karitativem Wege begegnet werden kann, materielle Ungleichheit hingegen nicht. Schwerer zu erfassen ist der Reichtum, nicht zuletzt deshalb, weil er sich gut versteckt bzw. tarnt. Was ist zu tun? Ungleichheit muss bekämpft, Armut beseitigt und Reichtum begrenzt werden.“
Prof. Dr. Christoph Butterwegge hat von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln gelehrt. Zuletzt sind von ihm die Bücher UNGLEICHHEIT IN DER KLASSENGESELLSCHAFT, KINDER DER UNGLEICHHEIT. WIE SICH DIE GESELLSCHAFT IHRER ZUKUNFT BERAUBT und DIE POLARISIERENDE PANDEMIE. DEUTSCHLAND NACH CORONA erschienen.

Termine

http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
12
So
Feb
11.00 Uhr
Schauspielhaus
Preis: 13 €
Ausverkauft/Evtl. Restkarten an der Abendkasse
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Staatsschauspiel Dresden
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19
So
Feb
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Mrz
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12
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Mrz
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Chronik

Dresdner Reden
seit 1992

1992 Günter Gaus | Christoph Hein | Egon Bahr | Willy Brandt

1993 Hans-Dietrich Genscher | Friedrich Schorlemmer | Tschingis Aitmatow | Regine Hildebrandt

1994 Heiner Geißler | Konrad Weiß | Wolfgang Thierse | Christa Wolf

1995 Horst-Eberhard Richter | Alfred Hrdlicka | Kurt Biedenkopf | Walter Jens
1996 Hildegard Hamm-Brücher | Margarita Mathiopoulos | Dževad Karahasan | Fritz Beer

1997 Günter de Bruyn | Libuše Moníková | Günter Grass

1998 Jens Reich | Fritz Stern | Adolf Muschg | György Konrád

1999 Jutta Limbach | Brigitte Sauzay | Andrei Pleşu | Rolf Schneider

2000 Peter Sloterdijk | Wolfgang Leonhard | Wolf Lepenies

2001 Adolf Dresen | Rita Süssmuth | Daniel Libeskind | Volker Braun
2002 Bassam Tibi | Alice Schwarzer | Daniela Dahn | Egon Bahr

2003 Michael Naumann | Susan George | Wolfgang Ullmann

2004 Hans-Olaf Henkel | Joachim Gauck | Karl Schlögel

2005 Dieter Kronzucker | Klaus von Dohnanyi | Christian Meier | Helmut Schmidt

2006 Hans-Jochen Vogel | Heide Simonis | Margot Käßmann | Joschka Fischer

2007 Gesine Schwan | Valentin Falin | Gerhard Schröder | Oskar Negt
2008 Elke Heidenreich | Lothar de Maizière | Peter Stein | Julia Franck

2009 Fritz Pleitgen | Jörn Rüsen | Jan Philipp Reemtsma | Meinhard von Gerkan

2010 Kathrin Schmidt | Dieter Wedel | Peter Kulka | Bernhard Müller

2011 Charlotte Knobloch | Rüdiger ­Safranski | Jonathan Meese | Dietrich H. Hoppenstedt

2012 Frank Richter | Gerhart Rudolf Baum | Andres Veiel | Ingo Schulze | Ines Geipel
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2013 Stephen Greenblatt | Markus Beckedahl | Jürgen Rüttgers | Nike Wagner
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2014 Prof. Dr. ­Heribert Prantl | Roger Willemsen | Jürgen Trittin | Sibylle Lewitscharoff
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2015 Heinz Bude | Carla Del Ponte | Jakob Augstein | Andreas Steinhöfel | Michael Krüger
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2016 Naika ­Foroutan | Peter Richter | Giovanni di Lorenzo | Joachim Klement
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2017 Ilija Trojanow | Lukas Bärfuss | Eva Illouz | Matthias Platzeck
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2018 Richard Sennett | Norbert Lammert | Dunja Hayali | Eugen Ruge
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2019 Doris Dörrie | Karola Wille | Robert Menasse | Ian Kershaw
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2020 Ulrich Wickert | Hartmut Rosa | Marion Ackermann | Miriam Meckel
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2021 Jenny Erpenbeck | Sven Plöger | Franz Müntefering | Aleida Assmann
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2022 Clemens Meyer | Klaus Töpfer | Svenja Flaßpöhler | Mithu Sanyal
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