Besetzung
Handlung
In Dänemark ist nichts, wie es war. Dem krisengebeutelten Königreich droht der Untergang; etwas ist faul im Staate. Mittendrin der Königssohn: Hamlet. Gerade eben hat er noch seinen Vater zu Grabe getragen, da muss er seinen Onkel als neuen Mann der Mutter akzeptieren. Und Ophelia, die er liebt, spioniert ihm nach im Dienst seiner vermeintlichen Gegner. Eine Welt aus Lug und Trug, so scheint es Hamlet. Woher sollte da noch Vertrauen kommen? Hamlet strauchelt. Er schwankt. Innerlich zerrissen, will er den Tod seines Vaters rächen. Und damit setzt er ein mörderisches Spiel in Gang.
Regisseur Roger Vontobel stellt in seiner Inszenierung die Frage, wie richtiges Handeln möglich ist, wenn man den Spagat zwischen privater Not und politischer Realität machen muss. Wer ist hier im Recht? Wer lügt? Wer sieht noch klar? Wer ist wahnsinnig und wer vernünftig in dieser Welt, die aus den Fugen geraten ist?
Shakespeares HAMLET feierte im November 2012 Premiere am Staatsschauspiel Dresden – mit Christian Friedel in der Titelrolle. Besonders macht diese HAMLET-Inszenierung die eigene musikalische Erzählebene, für die Christian Friedel mit seiner Band Woods of Birnam die Songs geschrieben hat und die diesen Theaterabend auch zu einem furiosen Shakespeare-Konzert werden lässt.
Nach mehr als sieben Jahren am Düsseldorfer Schauspielhaus, kehrt Roger Vontobels Inszenierung nun ab November 2026 zurück auf die Bühne des Dresdner Schauspielhauses.
Eine Pause.
Einfache Sprache
Hamlet ist ein Theaterstück von William Shakespeare.
In dem Theaterstück geht es darum:
In Dänemark ist alles anders.
Das Land hat große Probleme.
Der König ist tot.
Sein Sohn Hamlet ist traurig und verwirrt.
Hamlet hat seinen Vater beerdigt.
Seine Mutter hat schnell einen neuen Mann geheiratet.
Der neue Mann ist Hamlets Onkel.
Hamlet glaubt, der Onkel hat seinen Vater getötet.
Hamlet liebt Ophelia.
Ophelia spioniert für Hamlets Feinde.
Hamlet vertraut niemandem.
Er fühlt sich allein und unsicher.
Hamlet will den Tod seines Vaters rächen.
Er weiß nicht, wie er handeln soll.
Er fühlt sich innerlich zerrissen.
Sein Handeln bringt viel Leid.
Der Regisseur Roger Vontobel macht das Stück in Dresden.
Er fragt, wie man richtig handelt.
Hamlet muss zwischen Familie und Politik wählen.
Das Stück stellt diese Fragen:
Wer lügt?
Wer ist verrückt?
Wer ist vernünftig?
Die Welt ist durcheinander.
Die Aufführung hat auch Musik.
Die Band Woods of Birnam spielt auf der Bühne.
Christian Friedel ist der Sänger der Band und spielt auch Hamlet.
Christian Friedel scheint der ideale Hamlet von heute. Lieber einmal mehr unterspielend als auftrumpfend. ‚Sein oder nicht sein‘ – diesen Monolog lässt er so beiläufig fallen, dass man meint, ihn zum ersten Mal zu hören. Sehr jugendlich weich, eher empfindlich als empfindsam, weltunerfahrener als er glaubt, sicher nur darin, dass die Welt dazu da ist, seinem erfolgreichen Gedeihen Beifall zu klatschen. Wir sehen hier Hamlets Selbstverwirklichung zu.“
Und sonst? Was gibt es noch? Den König Claudius von Torsten Ranft muss man sich als schwer nervösen Herrscher vorstellen, der aus der Defensive heraus giftet und sich bisweilen mit Heimatliedern beruhigt. Hannelore Koch gefällt daneben in der Rolle der Gertrude als damenhaft königliche Dauerbeschwichtigerin mit großer Frisur. Annika Schilling (famos) zeigt eine zarte, auch widerstandsfähige Ophelia, die viele Demütigungen von Hamlet zu parieren hat, bevor sie dann doch verrückt wird. Und ja: Es wird nach alter Art ‚schön‘ gesprochen. Bisweilen werden die Schlegel-Verse deklamiert und geradezu poliert, als gelte es, ein angestaubtes Möbelstück auf Hochglanz zu bringen. Das wirkt immer wieder seltsam und erstaunlich erhellend. Irgendwie haben sie es in Dresden geschafft, auf den Versfüßen einer vorgestrigen Kunstsprache eine ganz und gar nicht museale Geschichte zu erzählen.“
Die vollständige Pressestimme finden Sie hier.
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Die sitzen beim Gläschen Sekt in ihren tapezierten Logen im beige abgetönten Bürger-Klassizismus des Dresdner Staatstheaters und blicken sich wie dem hochverehrten Publikum gegenüber tief ins durchschaubare Herz. Diesem dänischen Königshaus würde man jederzeit gerne die Geschicke eines mittelständischen Autohauses anvertrauen. Angeführt wird es von einem pragmatischen Realpolitiker, dem Torsten Ranft mediensanft geölte Töne und leicht verschwitzte Effizienz leiht. Ihm sekundiert aufrichtig bemüht Matthias Reichwalds Laertes, der demnächst eine Auslandsvertretung übernimmt und für die Zwischenzeit seiner propperen Schwester Ophelia (Annika Schilling) erotische Zurückhaltung ans Herz legt. Ahmad Mesgarhas Polonius gestikuliert überzeugend als übereifriger Marketingleiter im Business-Anzug, der sich gerne reden hört und später sehr unglücklich vom zunehmend hochnervösen Hamlet hinter einem Parkettvorhang erdolcht wird. Die Seniorchefin im eingangs nicht ganz geschmackssicheren Goldlamé-Kleid (Hannelore Koch) reagiert ernsthaft empört, aber schließlich krisenerfahren gefasst.“
Obwohl der Zugriff auf den Stoff eigenwillig, die Musik zeitgenössisch ist, hat man selten einen so verständlichen, eindringlichen ‚Hamlet‘ gesehen – und einen so komischen.“
2012 entwickelte Regisseur Roger Vontobel mit seinem Hauptdarsteller Friedel und dessen Band ‚Woods of Birnam‘ am Staatsschauspiel Dresden diesen ungewöhnlichen ‚Hamlet‘ als Rock-Tragödie. Der Prinz als Bandleader lädt darin den verhassten Hofstaat zu seiner Selbstinszenierung in ein Theater, das genau aussieht wie die Bühne in Dresden. Theater im Theater, Stück im Stück, eine Gesellschaft im Spiegel, all das ist schon bei Shakespeare angelegt. Obwohl der Zugriff auf den Stoff also eigenwillig, die Musik zeitgenössisch ist, hat man selten einen so verständlichen, eindringlichen ‚Hamlet‘ gesehen – und einen so komischen.
Gekonnt setzt Vontobel den tragischen Szenen Shakespeares sarkastischen Witz entgegen, bewahrt die Inszenierung so vor falscher Melodramatik. Das gelingt, weil das Dresdner Ensemble in allen Figuren das Umschlagen von Tragik in Komik und zurück ohne Brüche spielt. Und weil der spielwütige Christian Friedel einen ungeheuer vielseitigen Hamlet zeigt. Sein Prinz ist nicht einfach schwermütig oder wahnsinnig, er ist ein empfindsamer Rebell, ein trotziger Verstörter, dem am Ende selbst die Musik nicht mehr helfen kann.“