Uraufführung 03.04.2020 › Kleines Haus 2

Mutmassungen über Jakob

nach dem Roman von Uwe Johnson
in einer Spielfassung von Camille Dagen und Katrin Breschke
Handlung
Jakob ist gestorben. Er ist über die Gleise gegangen und ums Leben gekommen. „Dabei ist er doch immer quer über die Rangiergleise gegangen.“ Was ist passiert? Das fragen sich fünf Figuren aus seinem näheren Umfeld und legen dabei die letzten Tage und Wochen Jakobs offen.
Am Ende des zweiten Weltkrieges war Jakob mit seiner Mutter aus Pommern geflohen und in Jerichow bei Heinrich Cresspahl gelandet. In dessen Tochter Gesine hatte er die nie gehabte Schwester gefunden. Nun ist Gesine im Westen und arbeitet als Übersetzerin. Als auch Jakobs Mutter flieht und ein Angestellter des Ministeriums für Staatssicherheit Jakob gezielt aufsucht, wittert er, dass es nicht mehr um seine Expertise als Dispatcher bei der Reichsbahn geht. Er ist von Interesse und soll dem Staate nutzen. Er steht unter Beobachtung, ohne genau zu wissen, warum und wofür. In dieser Situation, ist er gezwungen, sein Leben zu hinterfragen, seine Stellung, das was er erreicht hat genauso wie seine Position zu dem Staat im Osten Deutschlands, der gerade in seinem siebenten Jahr besteht.
Uwe Johnsons Roman MUTMASSUNGEN ÜBER JAKOB erschien 1959 und thematisiert die Probleme der Menschen im geteilten Deutschland. Einige seiner Figuren begegnen uns in seinem späteren Werk JAHRESTAGE wieder.
Literarisch verwendet Johnson die Mittel der Montage, wechselnde Erzählperspektiven und immer wieder die Handlung strukturierende retrospektive Dialoge, wodurch er den Leser und Zuschauer zum Detektiv macht, wie die Figuren des Romans, Jakobs Tod zu ergründen, um gleichzeitig feststellen zu müssen, dass es sich nur um Mutmaßungen handeln kann.
Die französische Regisseurin und Gewinnerin des Festivals Fast Forward 2018 Camille Dagen kehrt nach Dresden zurück und hat sich für ihre Arbeit einen einmaligen Text der deutschen Literatur ausgesucht, der durch Sprachbehandlung und den Versuch Kunst und Literatur einer neuen Generation nach dem zweiten Weltkrieg zu begründen, besticht.
Besetzung
Bühne
Sounddesign
Lichtdesign
Dramaturgie
Licht
Richard Messerschmidt
Jakob Abs
Jonas Blach
Gesine Cresspahl
Heinrich Cresspahl
Herr Rohlfs
Erzählerin