Premiere 22.05.2015 › Kleines Haus 1

Alle meine Söhne

von Arthur Miller
in der Übersetzung von Berthold Viertel
überarbeitet von Bernd Schmidt
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk, Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Karina Plachetka, Rosa Enskat, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Matthias Luckey, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Matthias Luckey, Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Matthias Luckey, Karina Plachetka, Ben Daniel Jöhnk, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ben Daniel Jöhnk, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ben Daniel Jöhnk, Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Jan Maak
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Karina Plachetka, Jan Maak, Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Ben Daniel Jöhnk, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Ben Daniel Jöhnk, Karina Plachetka, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Rosa Enskat, Karina Plachetka, Jan Maak
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Karina Plachetka, Matthias Luckey, Ben Daniel Jöhnk, Benjamin Pauquet
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Matthias Luckey, Ben Daniel Jöhnk, Benjamin Pauquet, Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Benjamin Pauquet, Matthias Luckey, Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Rosa Enskat, Matthias Luckey, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Jan Maak, Rosa Enskat, Benjamin Pauquet, Ben Daniel Jöhnk, Matthias Luckey
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ben Daniel Jöhnk
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Ben Daniel Jöhnk, Rosa Enskat
Foto: Matthias Horn
Auf dem Bild: Benjamin Pauquet, Rosa Enskat, Karina Plachetka
Foto: Matthias Horn
Handlung
Auf den ersten Blick scheint alles perfekt: Joe Keller ist ein gemachter Mann. Sein Unternehmen prosperiert, und zusammen mit seiner Familie genießt er ein Leben in Wohlstand. Unter der Oberfläche indes brodelt es: Die Firma hat der Air Force während des Krieges defekte Materialien geliefert. Zudem glaubt Kate, Kellers Frau, noch immer an die Rückkehr ihres Sohnes Larry aus dem Krieg. Chris wiederum, der Erstgeborene, ist von Larrys Tod überzeugt und will Ann heiraten; sie war einst die Verlobte seines Bruders. Als Ann sich für einen Besuch ankündigt, kommt die vermeintliche Familienidylle ins Wanken.
Kriege hinterlassen tiefe Wunden – über Generationen hinweg. Sie brennen sich ein in unser kollektives Gedächtnis. So auch in Arthur Millers 1947 erschienem Drama „Alle meine Söhne“. In moralischem Grundton rechnet Miller mit den Kriegsprofiteuren ab, die sich ihrer Verantwortung ­gegenüber der nachfolgenden Generation zu entziehen suchen. Hinter der Fassade der Normalität lauert der Tod der Söhne und die Schande der Väter. Die Frage des Sohnes Chris an seinen Vater „Wie konntest du das tun?“ wird zur Generationenfrage, die sich nicht nur in der Familientragödie der Kellers widerspiegelt.
Besetzung
Regie
Sandra Strunz
Bühne
Kostüme
Musik
Kriton Klingler-Ioannides
Dramaturgie
Licht
Björn Gerum
Joe Keller, Geschäftsmann
Ben Daniel Jöhnk
Kate Keller, seine Frau
Rosa Enskat
Chris Keller, ihr Sohn
Benjamin Pauquet
Ann Deever, Tochter des früheren Geschäftspartners und Verlobte des toten Sohnes Larry
George Deever, ihr Bruder
Matthias Luckey
Frank Lubey, ein Nachbar
Jan Maak
Video
Pressestimmen
„Im ebenso einfachen wie wirkungsvollen Bühnenbild von Simeon Meier erzählt die Inszenierung von Sandra Strunz in beklemmenden Bildern sowie fein nuanciertem Spiel über einen lähmenden Familienkonflikt.
Von Anfang bis Ende hochspannend.“
Lilly Vostry, Dresdner Morgenpost
„Empfehlenswert. Wer wollte da ernsthaft behaupten, diese Themen seien längst nicht mehr up to date. Zumal die Inszenierung von Sandra Strunz am Staatsschauspiel Dresden beweist, dass es beileibe nicht so ist. Und schon gar nicht, wenn es um die stets aktuelle Frage der Kriegsgewinnler geht. Viel Beifall.“
Gabriele Gorgas, Dresdner Neueste Nachrichten
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„Empfehlenswert.
Der amerikanische Dramatiker Arthur Miller ist signifikant in seinen Geschichten, erzählt von Familien und diversen Geheimnissen, von der Sehnsucht nach einer heilen Welt. Da geht es um vermeintliche Idyllen, wo es unter den Füßen, in den Seelen brodelt, wo jeglicher sich in die Gesellschaft einzupassen, sich ihr zuzuordnen, zu funktionieren sucht. Bis sich schließlich Verborgenes Bahn bricht, einige wenige aufbegehren und das Kartenhaus einstürzt. Wer wollte da ernsthaft behaupten, diese Themen seien längst nicht mehr up to date.
Zumal die jüngste Inszenierung von Sandra Strunz am Staatsschauspiel Dresden beweist, dass es beileibe nicht so ist. Und schon gar nicht, wenn es um die stets aktuelle Frage der Kriegsgewinnler geht.
Viel Beifall.“
Gabriele Gorgas, Dresdner Neueste Nachrichten
„Spannende Typenkomödie. Der Broadway-Erfolg von Arthur Miller aus dem Jahre 1947 hat nicht von seiner mitreißenden Dynamik eingebüßt. Die überzeugenden Schauspieler transformieren das konfliktreiche Stück in eine Typenkomödie, deren Charaktere so originell gezeichnet wie lebensnah sind.“
Tanja Rudert, adrem
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„Die Figuren wirken bei ihrem Kampf mit Dingen wie Schuld und Verantwortung sowie dem richtigen Umgang mit Tod und Leidenschaft sehr nahbar, sodass der Zuschauer direkt teilnimmt an dem Gefühlschaos der Familie.
Spannende Typenkomödie. Der Broadway-Erfolg von Arthur Miller aus dem Jahre 1947 hat nicht von seiner mitreißenden Dynamik eingebüßt. Die überzeugenden Schauspieler transformieren das konfliktreiche  Stück in eine Typenkomödie, deren Charaktere so originell gezeichnet wie lebensnah sind. Hier sei besonders die Glanzleistung von Rosa Enskat als hysterische, immer etwas unpässliche Mutter erwähnt, deren Ausraster nicht nur belustigende Höhepunkte des Schauspiels darstellen, sondern auch zeigen, wie unverarbeitete Emotionen eine Familie auseinanderreißen.“
Tanja Rudert, adrem

Schuld schreibt sich ein

Die Regisseurin Sandra Strunz über Lebenslügen als Überlebenstrieb und die kulturelle Dimension der Schuldfrage
„Alle meine Söhne“ zeigt die Kehrseite der Medaille des amerikanischen Traums. Dabei erzählt das Stück einerseits von den psychischen Abgründen der Figuren und folgt andererseits einem Krimiplot, in dem die schwere Schuld der Hauptfigur nach und nach entlarvt wird.
Mich interessieren diese schuldhaften Verstrickungen, die Verdrängungen sehr. Das Stück zeigt den Versuch der Eltern, alles richtig zu machen, die besten Entscheidungen zu treffen. Und es zeigt ihr Scheitern daran, weil ihre Lebenslügen Grundlage ihres gesamten Seins geworden sind. Alle Figuren, auch der Vater, vielleicht er sogar am meisten, kämpfen darum, das Richtige zu tun, das macht das Stück sehr reich.
Gleichzeitig interessiert mich, dass „Alle meine Söhne“ in einer Zeit geschrieben wurde, die geprägt war von einem gerade zu Ende gegangenen Krieg, also von einem Neuanfang. In einer solchen Zeit prallt viel aufeinander. Das Stück wurde verfasst, als sich die amerikanische Gesellschaft nach einer großen, verantwortungsvollen Tat für die Welt, nämlich der Kriegsintervention der USA, anderen Dingen widmete. Statt zu weltpolitischer Verantwortung bekannte man sich nun mehr denn je zu einem Konzept von Ehrgeiz und Gier, zum ungebremsten Kapitalismus. Im Mittelpunkt stand nun die Akkumulation von Macht und Kapital. Dieses dem Stück eingeschriebene Spannungsverhältnis zwischen Ehrgeiz und Verantwortung ist ein Thema auch unserer Tage.
Wir erleben ja vielleicht gerade das Ende dieser Entwicklung. Wir erleben große Katastrophen, ökologische und ökonomische, die durch Gier entstanden sind. Immerhin gibt es zumindest punktuell Initiativen, die wieder vermehrt Verantwortung übernehmen wollen und ein Bewusstsein haben von der sozialen Dimension allen Handelns. Macht ist ja eigentlich nicht das Gegenteil von Verantwortung. Umso mehr fragt man sich, warum beide nur selten gemeinsam in Erscheinung treten. Warum die Verantwortung für das Allgemeine, das große Ganze, zugunsten der eigenen Selbstoptimierung betäubt wird.
Genauso selbstbetäubt handelt auch Joe Keller, der Vater, der ein glückliches Leben auf Schuld und Verrat aufgebaut hat. Damit muss er umgehen. Menschen versuchen, sich ihre Biografie ja so zu konstruieren, dass sie ihnen sinnhaft erscheint, dass im Nachhinein Dinge mit Bedeutung aufgeladen werden, um eigentlich Unschlüssiges zu einem ganzen, in sich geschlossenen Leben zusammenzufügen. Und dieser manchmal verzweifelte Versuch löst immer wieder Empathie aus. So geht es mir auch bei Joe Keller. Es ist ja das Perfide an der Lebenslüge, dass wir sie ab einem bestimmten Punkt selbst glauben. Man muss dazu kein böser Mensch sein. Es kann aus zwischenmenschlicher Abhängigkeit, aus Liebe zu den Kindern, aus innerer Not geschehen, und trotzdem bleibt es, von außen betrachtet, falsch.
Es ist ein besonderes Phänomen der menschlichen Existenz, dieses Bedürfnis nach Plausibilität, nach Sinnhaftigkeit. Und das Ende von Joe Keller zeigt, dass eine solche Lebenslüge sogar dem Überleben des Einzelnen dienen kann, also eine Art Selbstschutz ist. Wenn sich Joe Keller seiner Schuld in vollem Masse bewusst wird, sie sich eingesteht und ihr wahrhaft gegenübertritt, erscheint ihm der Freitod die einzige Lösung, die einzige logische Konsequenz. Hier entpuppt sich die Lebenslüge als ein Überlebenstrieb, und hier wird die letzte große Frage des Stücks aufgeworfen: ob es ein Ende von Schuld gibt.
Ich glaube nicht, dass es einen Punkt gibt, an dem qua Beschluss eine Schuld endet. Genauso wenig wie es ein Ende von Geschichte gibt. Schuld schreibt sich ein, wird wiederholt und neu heraufbeschworen. Das sage ich als Kind der protestantischen deutschen Nachkriegsgeneration. Jemand aus einem buddhistischen oder südamerikanisch-katholischen Kontext würde mit der Frage anders umgehen. So wie jede moralische Frage ist auch die nach der Schuld eine zutiefst kulturell verwurzelte, und das bedeutet eben auch, dass sie fortwährend neu verhandelt werden muss.  
 
Sandra Strunz arbeitete an zahlreichen großen Theatern im deutschsprachigen Raum und ist seit 2013 leitende Dozentin für Regie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg. In Dresden inszeniert sie u. a. WOYZECK und EMILIA GALOTTI.