05., 12., 19., 26.02.+04.03.2012 › Schauspielhaus

Dresdner Reden 2012

In Kooperation mit der Sächsischen Zeitung
Handlung
Die Dresdner Reden blicken auf eine über zwanzigjährige Geschichte zurück und sind eine Institution in der Stadt. In den vergangenen Jahren war die Reihe geprägt von der völligen Freiheit der Vortragenden, zu welchem Thema sie sprechen wollten. Kein Motto stand über den Dresdner Reden, allein der „Gedanke zur Zeit“ war das verbindende Element der Reden eines Jahrgangs – sonst war es dem Redner überlassen, aus welchem Blickwinkel aus er die Welt betrachten wollte. Die Sächsische Zeitung und das Staatsschauspiel Dresden, die die Redenreihe als Kooperationspartner ausrichten, haben sich vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse und Entwicklungen entschlossen, in diesem Jahr erstmals eine Ausnahme zu machen. Alle Rednerinnen und Redner des diesjährigen Jahrgangs setzen sich mit den Themen Extremismus und der Gefährdung der Demokratie auseinander. Frank Richter aus dem Blickwinkel des politischen Beobachters, Gerhart Baum als streitbarer Vordenker, Andres Veiel als engagierter Künstler und Ingo Schulze als kritischer Autor. Und am 4. März haben wir die Publizistin Ines Geipel eingeladen. Unserem Glauben an die Wichtigkeit öffentlichen Nachdenkens und Diskutierens wollen wir mit dieser Auswahl nachdrücklich Ausdruck verleihen.

05.02.2012
Der Theologe Frank Richter ist seit 2009 Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Er engagierte sich in der DDR-Bürgerrechtsbewegung und gehörte 1989 zu den Gründern der Gruppe der 20 in Dresden, wofür er 1991, stellvertretend für die friedlichen Demonstranten, den Europäischen Menschenrechtspreis entgegennahm. Seit 2011 ist er Moderator der von Oberbürgermeisterin Helma Orosz berufenen Arbeitsgruppe 13. Februar, die zu Versöhnung, Toleranz und einem offenen Diskurs aufruft. Am 5. Februar wird Frank Richter die diesjährigen Dresdner Reden am Staatsschauspiel eröffnen. Er spricht zum Thema „Demokratisch für die Demokratie streiten. Der 13. Februar in Dresden“.

12.02.2012
Der Rechtsanwalt und ehemalige Bundesminister des Innern Gerhart Baum tritt weltweit für die Stärkung und Sicherung der Menschen- und Freiheitsrechte ein, wofür er mehrfach ausgezeichnet wurde, u. a. mit dem Theodor-Heuss-Preis (2008). In seiner Tätigkeit als Jurist leitete er u. a. die Ermittlung bei der Datenschutzaffäre der Deutschen Bahn und legte Verfassungs­beschwerde gegen das Vorratsdatenspeicherungsgesetz ein. Zudem ist er Mitglied in verschiedenen kulturellen Gremien und Vorsitzender des Kulturrats NRW. Seine Rede im Schauspielhaus steht unter der Überschrift „Der Schutz der Menschenwürde – Eine Herausforderung für Staat und Gesellschaft“.

19.02.2012
Der Filmregisseur sowie Theater- und Drehbuchautor Andres Veiel beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit existenziellen Umbruchsituationen, wobei er häufig das Phänomen sowohl linker als auch rechter Gewalt ins Zentrum rückt. Einem breiteren Publikum wurde er mit seinem Kinofilm „Black Box BRD“ (2001) über den Terror der RAF bekannt, für den er u. a. den Europäischen und den Deutschen Filmpreis erhielt. Für sein Sachbuch „Der Kick“, das das Problem der rechten Gewalt unter Jugendlichen thematisiert, wurde er 2008 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. In seiner Dresdner Rede „Der Rechtsextremismus und das Verantwortungsvakuum“ wird er dieses Themenfeld aufgreifen.

26.02.2012
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Ingo Schulze befasst sich in seinem Werk zumeist mit der jüngsten deutschen Geschichte und der schwierigen Suche nach einer gesamtdeutschen Identität und Herkunft. So auch in seinem Roman „Adam und Evelyn“, der 2008 für den Deutschen Buchpreis nominiert war und 2009 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt wurde. In seiner Dresdner Rede wird er zum Thema „Sich selbst wieder ernst nehmen – über marktkonforme Demokratie und andere Ungeheuerlichkeiten“ sprechen.

04.03.2012
Die Romanautorin und Lyrikerin Ines Geipel setzt sich seit Jahren mit den Themen Menschenwürde und Meinungsfreiheit auseinander. 2004 erschien ihre vielbesprochene literarische Dokumentation „Für heute reicht’s. Amok in Erfurt“ über das Schulmassaker in Thüringen. Daneben engagiert sich die ehemalige Spitzensportlerin für die Aufarbeitung des Zwangsdoping-Systems im DDR-Sport und tritt für die Rehabilitierung von in der DDR unterdrückter Literatur ein. 2011 wurde sie für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Im März erscheint ihr neues Buch „Der Amok-Komplex oder Die Schule des Tötens“ in dem sie unter anderem auf die Mordserie der sogenannten „Zwickauer Zelle“ Bezug nimmt. Ihre Dresdner Rede trägt den Titel: „Jeder schweigt von etwas anderem. Deutsche Gewaltimplantate nach 1989“.
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